Presseüberblick – Spitzensportreform (Juni-Juli 2017)

Ein unkommentierter Überblick über die Veröffentlichungen in den letzten Wochen (Juni/ Juli 2017):

„Ich kann nicht sagen, dass mich das nur traurig stimmt. Schließlich halte ich es für keine gute Idee, die Förderung einzelner Verbände allein daran auszumachen, ob ihre Athleten in der Weltspitze mithalten können – unabhängig von der Wettbewerbssituation“ (Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen).

Der DOSB und das Problem mit dem Blick in die Zukunft

„Deutschland will bei Olympia wieder mehr Medaillen gewinnen. Doch eine überzeugende Strategie, wie das gehen soll, gibt es noch nicht. Ein Kommentar“ (Martin Einsiedler, Tagesspiegel, 2017)“

Kommentar zur Spitzensportreform – Geklärt ist so gut wie nichts

„Gereizte Stimmung, hitzige Diskussionen – und immer ging es um die umstrittene Spitzensportreform. Der deutsche Olympische Sportbund hat in der zurückliegenden Woche diverse Auftritte im politischen Berlin gehabt und sich einmal mehr als Großbaustelle präsentiert, kommentiert Bianka Schreiber-Rietig.“ (Bianka Schreiber Rietig, Deutschlandfunk, 2017)

Spitzensportreform greift erst nach 2020

„Die Sache ist komplexer als angenommen“: Entgegen den bisherigen Plänen kann das Reformpaket des DOSB nicht bis zu den Olympischen Spielen 2020 umgesetzt werden. Immerhin scheint der Streit um die Finanzierung beigelegt (Spiegel Online, 2017).“

Spitzensportreform „Wir müssen Mut haben, in diese Struktur reinzuwachsen“

„Der Deutsche Schwimmverband (DSV) unterstützt den Kurs des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bei der Spitzensportreform, nur noch diejenigen Athleten fördern, die gute Chancen auf Medaillen haben. Auch die Zentralisierung der Trainingsstrukturen sei eine Option für die Zukunft, sagte die DSV-Präsidentin Gabi Dörries im Dlf“ (Andrea Schültke, Deutschlandfunk, 2017).

Spitzensport-Förderung Bundestag fordert Verbesserungen

Der Bundestag hat heute in seiner Sitzung das Bundesinnenministerium dazu aufgefordert, das Konzept zur Förderung des Spitzensports in Deutschland zu überarbeiten und zu konkretisieren. Sie listeten 20 Punkte auf, wie das Förderkonzept von Sport und Politik verbessert werden soll“ (Philip Banse, Deutschlandfunk, 2017).“

Sportmedizin- Die steigende Gefahr der Karriereruinen

„Die Spitzensportreform unter dem Gedanken der Dopingprävention war auch Thema beim 30-jährigen Jubiläum des Nürnberger Instituts für biomedizinische Forschung von Professor Fritz Sörgel. Führende Sportmediziner warnen davor, dass die Reform unter dem Präventionsgedanken in die falsche Richtung läuft (Jessica Sturmberg, Deutschlandfunk, 2017).“

Wann gibt es mehr Geld?

„Ende letzten Jahres zogen Politik und Sport einträchtig die Reform des deutschen Spitzensports durch. In guter Tradition hinter verschlossenen Türen, durch die zumindest die Information drang, dass der Sport sich natürlich mehr Geld erhoffte. Jetzt wird klar: das Zweckbündnis hat erste Risse bekommen. Das wurde auch heute am Rande der Sitzung des Bundestagssportausschusses in Berlin deutlich “ (Robert Kempe, Deutschlandfunk, 2017).

Frust über das System Sportdeutschland

Die oft geklickte Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ geht mit Artikel 11 weiter und soll zum Denken und Diskutieren anregen. Hier nun die 12 Artikel zur Spitzensportreform 2017 (demnächst folgt Teil 13) und folgt dem blog auch auf facebook und twitter. Um die Artikel zu lesen, einfach auf den Titel klicken!

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Teil 11: Die Spitzensportreform – ein Drama in…

Teil 10b (Exkurs): republica 2017- Wie digitale Medien das Machtmonopol von Spitzensportverbänden verändern (Teil 1).

Teil 10: Warum an der Unabhängigkeit der Athletenkommission kein Weg vorbeiführt.

Teil 9: Die Spitzensportförderung der Bundeswehr hat ausgedient – Warum die Worte Max Hartungs so wichtig sind.

Teil 8: Der Zwang zum Staatssport – Die Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr im Fokus.

Teil 7:“ Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“ – Wie unabhängig sollte eine Athletenkommission sein? Frust über das System Sportdeutschland.

Teil 6: Spitzensportförderung – Es könnte so einfach sein – Das Spitzensportgeld – Frust über das System Sportdeutschland.

Teil 5 : Thema: Athletenfokussierung.Titel: Lieber Karriereende als weiterhin Spitzensport? – Um die es gehen sollte, geht es nicht!

Teil 4: Themen: Das Potentialanalysesystem PotAS und die Folgen bzw. Fragen

Teil 3: Themen= die Dokumente zur Leistungssportreform, Die duale Karriere und das Eckpunktepapier des DOSB, Die Aufgabe der Laufbahnberater, Bildung und Spitzensport – Der studentische Spitzensport, Die Profilquote – Die Vor- und Nachteile, Förderung durch die Bundeswehr.

Teil 2: Themen: Vorraussichtliche Fördersummen 2017,Leistungssportreform – Was bis heute bekannt ist, Die duale Karriere und der DOSB/ adh.

Teil 1: Themen=Ausbeute bei Olympia, die Athleten, das Strategiepapier, Die neuen Cluster 1-3, Kampf hinter den Kulissen.

Der DOSB und seine Spitzensportreform: Weniger ist mehr? Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-dosb-und-seine-spitzen…/

Doping in der NBA und die Paralellen zum europäischen Fußball – Folge 3 – Die Funktion der Medien

Die NBA ist ein Milliarden-Dollar-Geschäft. Sport-, Marketing- und Rundfunkorganisationen haben Sportarten wie Basketball ausschließlich für geschäftliche Zwecke ausgebaut. Die NBA dient zudem vielen europäischen Fußballligen als Vorbild für Sportvermarktung. Dabei sind die Zuschauer in Sportangelegenheiten zu den letzten, endgültigen Schiedsrichtern geworden (vgl. Stokvis, 2003).

„In dieser zentralen Position kommt den Konsumenten des Mediensports als Zielgruppe eine Doppelfunktion zu. Für die Medien bildet ihr Interesse quasi die Geschäftsgrundlage für die Kalkulation der Werbeeinnahmen, wodurch sie über Erfolg und Misserfolg des publizistischen Produkts entscheiden“ (Schauerte, 2007, 21).

Ziel ist es in erster Linie, das Publikum zu amüsieren. Der Spitzensport hat heutzutage einen enorm hohen Unterhaltungswert in der Gesellschaft. Er wird durch eine immense Spezialisierung und Professionalisierung geprägt und mutiert zudem zu einer modernen Zirkusgala bzw. zu einem neuartigen Gladiatorenkampf. Es stellt sich die Frage ob „der Sieg/ die Niederlage“ noch den binären binären Codes des Spitzensports darstellt, oder  die Unterhaltung bzw. das Entertainment den Spitzensport bereits gekidnappt hat?
Einerseits würden skandalöse Enthüllungen bzgl. des Dopings das Sportgeschäft negativ beeinflussen und Einnahmen einbrechen lassen. Idole fangen an zu menschlich in ihrer Erscheinung zu wirken und die Leidenschaft der Fans würde dahinschwinden. Andererseits interessieren sich viele Fans nicht für den Missbrauch von Dopingmitteln. Sie wollen das zur Schaustellen der Muskelprotze genießen und reagieren verärgert über diejenigen, die Doping bekämpfen:

„Moreover, it could be argued that if substancial inroads are made regarding the epidemic of doping, fans may express ander towards those fighting drug use, rather than appreciation“ (Yesalis, 2005, 3).

Viele Zuschauer sehen den sportlichen Wettbewerb als Ausweg aus ihren alltäglichen Problemen und wollen nicht mit der Moral und ethischen Fragestellungen hinsichtlich des Dopings konfrontiert werden.

Der Fall McGwire in der MLB zeigt dies auf einzigartige Art und Weise:

“The media coverage of the McGwire story was only the latest evidence of our society’s basically tolerant attitude toward doping people in various ways” (Yesalis 2005, 18).

Home runs und Rekorde standen im Vordergrund, alles andere war zweitrangig.

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Doping in der MLB (Mike Licht)

Aus diesen Gründen scheinen sich viele Nachrichtenmedien in den USA aber auch international, nicht ausreichend mit der Epidemie des Dopings im Leistungssport zu beschäftigen. Trotz der gesellschaftlichen „Verurteilung sind alle am Entstehungsprozess medialer Sportangebote beteiligten Parteien bemüht, das Thema Doping der öffentlichen Wahrnehmung zu entziehen und nur bei unausweichlichen Anlässen größere Tragweite aufzunehmen“ (Schauerte, 2007, 16). So behauptet Lance Armstrong er sei lediglich das Bauernopfer des amerikanischen Spitzensports und der notwendige Sündenbock eines angeblich sauberen Systems. Für ihn diente der eigene Fall der Legitimation der nationalen Anti-Doping Argentur (USADA) in den USA und der internationalen Anerkennung dieser nationalen Behörde.

Der Gedankengang Armstrongs ist durchaus ernstzunehmen, auch wenn viele seiner weiteren Ausführungen mit sehr viel Vorsicht zu genießen sind (siehe auch What we can learn from the Armstrong case, 2016).

An dieser Stelle ist erwähnenswert, dass die Gesellschaft (Fans und Zuschauer) von den Nachrichtenmedien abhängig ist, die über das Ausmaß von Problemen wie Doping im Sport angemessen zu informieren haben. Für die USA und auch in vielen Bereichen international gilt:

“In (American) professional team sports the problem of ‘fairness’ in relation to drugs is not an important consideration” (Stokvis, 2003, 18).

Aufgrund der geringen Anzahl von bekannten Dopingfällen in der NBA, eine Parallelität zum europäischen Fußball, wird die Problematik in den U.S./ europäischen Medien kaum thematisiert. Selbst wenn es neue Dopingfälle gäbe, wäre die NBA ein absolut geschlossenes System, das allein schon aufgrund der Vereinbarung mit ihrer Spielergewerkschaft keine Informationen an die Öffentlichkeit lassen darf. Wird trotzdem ein Dopingfall in den Medien thematisiert, so findet wie im Fall Andersens eine verharmloste Darstellung statt. Einerseits wird in der Öffentlichkeit behauptet, dass Andersen seinen Spitznamen „Birdman“ durch seine immense Sprungkraft erhalten hat, andererseits erzählt David West ein ehemaliger Mitspieler Andersens eine andere Version (siehe Teil 2).

Viele der amerikanischen Sender (wie z.B. ESPN)  sind wie ihre europäischen Counterparts Kooperationspartner der jeweiligen Ligen und greifen deshalb auf verharmloste Berichterstattungen zurück. Auch die Medien vermarkten ein Produkt, in diesem Fall das Produkt Profiliga. Geschrieben wird, was das Dopingproblem in den Hintergrund rücken lässt, wie z.B. die tragische Familiengeschichte des Chris Andersen. In den zuvor beschriebenen amerikanischen Zeitungsartikeln findet ein Zusammenspiel der drei Konstruktionsfaktoren Thema, Perspektive und der sprachlichen Elaboration statt, die das Bild Andersens als Opfer konstituieren (siehe Teil 2; vgl. Pollak, 2002).
Ein weiterer Bremsfaktor der genauen Berichterstattung ist die Vermarktung der Sportevents. Eine gründliche Enthüllung bzgl. Dopings in der NBA oder in der Champions League würde die Vermarktung der gewinnbringenden Sportevents deutlich verschlechtern, gleiches gilt für die großen nationalen europäischen Fußballligen.König Fußball regiert den deutschen Sportjournalismus und ist das Verkaufsargument vieler Sportmedien“ (Belmann/Schönwetter, 2016, Dopingberichterstattung im Fußball). Hinzu kommt der Fakt, dass einige Journalisten sowohl in den USA als auch in Deutschland als befangen angesehen werden können, da sie ihren Unterhalt oft mit zwielichtigen Nebeneinkünften aufbessern. Oft arbeiten Sportmoderatoren wie z.B. die der öffentlich-rechtlichen Sender nach wie vor auch direkt für Verbände und Vereine – oder bieten sich offen als Werbepartner an (vgl. Bouhs, 2017, Die Nebenjobs von ARD & ZDF Moderatoren).

Die Nebenjobs von ARD & ZDF-Sportmoderatoren (2016)
Markus Othmer (Sportschau, Mittagsmagazin) Moderator der Präsentation des Logos der Ausrichter-Stadt München für die EURO 2020
Marco Schreyl (WDR-Hörfunk Sportsendungen) Moderator der FIFA-Gala „The Best FIFA Football Awards“
Julia Scharf (moderierte den ARD-„Brennpunkt“ „Sommermärchen gekauft?“ Moderatorin der Veranstaltung „Camp Beckenbauer“
Sven Voss (Aktuelles Sportstudio) Agentur „Projekt B“, die Fußball-Größen wie Oliver Bierhoff und Jürgen Klopp betreut, bietet Voss als „Markenbotschafter“ an.
Quelle: Daniel Bouhs (NDR), 2017

Der größte Teil dessen, was wir über den Sport wissen und wie wir ihn erleben, basiert jedoch nicht auf Primärerfahrungen, sondern wird uns durch die Massenmedien vermittelt […], in denen wiederum eine eigene Sport-Realität erschaffen wird […] (Schauerte, 2007, 11).

Es sind somit auch die Medien, die die Gesellschaft über Fair Play, die Moral aber auch fatale gesundheitliche Folgen aufgrund des Missbrauchs von Dopingmitteln aufklären müssen.

„Although research is continuing, steroid use has been linked to a number of physiological, psychological, orthopedic, reproductive, and other serious health problems…(T)he use of Prohibited Substances by NFL players sends the wrong message to young people who may be tempted to use them“ (Halchin, 2005, 7).

Auch aufgrund der Vorbildfunktion der Spieler in der NBA/ Champions League sollten Medien Dopingfälle nicht bagatellisieren, sondern den Fans die negativen Folgen des Fehlverhaltens von Stars wie Chris Andersen aufzeigen.

Denn es darf schlussendlich nicht vergessen werden:
„Moreover, this is not just about the elite athletes. It’s about 56 million school – age children in America. Last year a half million children in our country used steroids, more girls than boys. […] We must establish a drug-free Olympics as a critical message to the world’s youth that competition is about training, coaching and values, not dangerous chemical engineering […]“(Stokvis, 2003, 20).