Doping in der NBA – Folge 2- Die Berichterstattung zum Doping anhand des Fallbeispiels „The Birdman“

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The Bildman (Viola Renate)

Hier folgt der zweite Teil der Serie „Doping in der NBA“. Im folgenden Teil soll die Berichterstattung der amerikanischen Medien an dem undurchsichtigen Fallbeispiel Chris Andersens näher beleuchtet werden. Hier geht es zu Doping in der NBA- Folge 1.

Es werden unterschiedliche Berichterstattungen zum Dopingfall Chris „The Birdman“ Andersen und dessen Dopingsperre vorgestellt. Hierbei werden sowohl Onlineartikel der deutschen, als auch der amerikanischen Presse in der Retroperspektive analysiert (Zeitraum: 28.01.2006 bis zum 09.05.2008). Es wird ihre inhaltliche Ausstattung, innere Text- und Diskursstruktur untersucht und außerdem eine funktionale Betrachtung durchgeführt. Es soll erläutert werden, welche Informationen bei der Berichterstattung im Vordergrund stehen und inwiefern die Medien das Thema Doping aufgreifen. Außerdem soll analysiert werden, wer als Täter bzw. Opfer dargestellt wird. Des Weiteren wird erläutert, auf welche Weise das Thema in der amerikanischen Presse durch ungenügende bzw. ungenaue Berichterstattung von der Gesellschaft und den Fans ferngehalten wird. Diese Erkenntnisse sind durchaus auch auf anderen Sportarten übertragbar, mehr dazu in Teil 3.

 

Spiegel Online: NBA sperrt Hornets Profi (2006).

Der Spiegel ist ein Nachrichtenmagazin, das im Spiegel – Verlag in Hamburg erscheint und einer der größten Wochenzeitschriften Deutschlands ist. Mit dem wirtschaftlich und redaktionell eigenständigen Spiegel Online betreibt der Verlag außerdem eine der reichweitenstärkste Nachrichtenwebsite im deutschsprachigen Internet.
Bei dem kurzen Artikel der Spiegel – Online Redaktion vom 28.01.2006 steht der Dopingfall des Chris Andersens im Vordergrund. Es wird erklärt, dass Andersen zwar hart bestraft worden, das Vergehen allerdings nicht bekannt sei. Gemäß der NBA – Bestimmungen wurden keine Details über die Gründe der ungewöhnlich harten Bestrafung genannt. Außerdem gibt es Informationen zum Thema Doping in der NBA, z.B. Informationen über Sperren. Schlussendlich wird festgehalten, dass die Art der Dopingmittel über das Strafmaß entscheiden.

ESPN: Birdman’s redemption bittersweet for his mother (2008)

ESPN ist ein amerikanischer Fernsehsender, dessen Name für Entertainment and Sports Programming Network steht. ESPN erreicht über 90 Millionen Haushalte in den USA.
In dem langen Online – Artikel von Chris Palmer vom 09.05.2008 wird aus der Sicht der Mutter die Familiengeschichte der Andersens beschrieben. Durch die Familiengeschichte der Andersens sowie Eigenerzählungen der Mutter als auch Interviews mit Chris Andersen wird ein Empathiegefühl der Leser zum Opfer Andersen hergestellt (vgl. POLLAK 2002, 44). Bereits an der Überschrift ist zu erkennen, dass mit dem Artikel die Emotionen der Fans geweckt werden sollen. Bei der Gestaltung fällt auf, dass viele Bilder in den Text eingearbeitet sind. Es sind nicht nur die Eltern Chris Andersens abgebildet sondern auch deren Haus, das die ärmlichen Verhältnisse repräsentiert, aus denen die Familie stammt. Hierdurch wird die Textrezeption der Leser massiv beeinflusst (POLLAK 2002, 46). Die Leser empfinden Mitleid mit Andersen und sehen ihn als Opfer.

 

NBC Sports: Birdman busted, Hornets will miss his spirit (2006)

NBC steht als Abkürzung für die National Broadcasting Company. Die amerikanische Rundfunkgesellschaft gehört zu den größten weltweit.
Bei dem Artikel handelt es sich um eine etwas objektivere Berichterstattung. Der Autor weist darauf hin, dass Andersen der erste Spieler ist, der seit Stanley Roberts aus der NBA ausgeschlossen wurde. Außerdem erwähnt er die Liste der drugs of abuse. Allerdings geht er nicht weiter auf die Problematik des Dopingmissbrauchs in der NBA ein, sondern vermittelt den Lesern eine bestimmte Perspektive. Auch hier wird das Mitgefühl der Leser durch ein Interview mit den Hornetsspielern und dem ehemaligem Trainer Andersens geweckt. Das Team äußert sich zu Andersens vergehen und empfindet tiefes Mitgefühl. Indem der Autor das Vokabular zum Thema Mitgefühl häufig anwendet, lenkt er die Leser in eine bestimmte Denkrichtung (vgl. POLLAK 2002). Der Fazit des Artikels, everybody makes mistakes, steht im Vordergrund. Der Verstoß des NBA-Spielers gegen das Prinzip des Fair – Plays und die Verantwortung gegenüber seinen Fans und besonders dem Basketball – Nachwuchs werden in diesem Artikel nicht erwähnt.

Sportliches Verhalten oder Fair Play nimmt in der öffentlichen Diskussion immer wieder zu aktuellen Anlässen einen breiten Raum ein. Allerdings haben Medien, Sportveranstalter, Sportler und Öffentlichkeit ein oftmals ambivalentes Verhältnis zu Sinn und Bedeutung des Themas, wie sich im Umgang mit sportlichem (Fehl-) Handeln zeigt (SCHAUERTE 2007, 16). Stattdessen findet eine Verharmlosung des Themas Doping statt. Welche Fehler genau von Andersen begangen wurden, wird nicht erwähnt.

Sports Illustrated ist ein wöchentlich erscheinendes, amerikanisches Sportmagazin. Es wird von mehreren Millionen Menschen gelesen und gehört mittlerweile dem Mediagiganten Time Warner.
Die Fakten zum Dopingskandal werden in dem Online – Artikel geschickt verknüpft mit der Lebensgeschichte Andersens und seinen familiären Problemen. Dass Andersen 2005 sowohl von seiner Freundin verlassen, als auch den Kontakt zu seiner Mutter abgebrochen und Hurricane Katrina sein Haus zerstört hat, wird als Grund für seine enorme Gewichtzunahme und den gesteigerten Alkoholkonsum genannt. Demnach soll Andersen nur bemitleidet werden. Des Weiteren erläutert Andersen in einem Interview seine Gefühle nach dem Ausschluss aus der NBA. Andersen will sich nicht genau zu dem schweren Missbrauch bestimmter Dopingmittel äußern.“He won’t reveal which drug was in his system but, as he puts it, lets just say all that (excess) weight went away. And is it fair that an NBA player could fail four tests for steroids before facing banishment? Andersen has no interest in going there. The rules are the rules, he says.“ Vielmehr wird die Textrezeption der Leser massiv durch den Einsatz von Metaphern bzgl. des Birdman beeinflusst. In diesem Artikel wird erklärt, warum dem Birdman die Flügel gestutzt werden. „But in the summer of 2005, the Birdman’s wings got clipped.“ Der Autor liefernd die nicht zu hinterfragenden Fakten, dass Andersen aus seinen Fehlern gelernt hat. „Honestly, the worst thing that could have happened to me is turning out to be the best thing, he says.“

Denver Post: Birdman flying straight, narrow (2006)

In dem Artikel „Birdman flying straight, narrow“ vom 03.09.2006 stellt der Autor Marc J. Spears Chris Andersen als Opfer dar. Verfolgt man sein Argumentationsmuster, so scheint es, als habe der Alkoholkonsum Andersens Karriere zerstört.

„Andersen, in his first interview since the suspension, told me this past week that it was his use of alcohol that led to the ruination of his NBA career.“

In diesem Artikel treten Wörter in Verbindung mit dem Wortfeld Trinken auf, (pineade, alcohol, drinking), um die Leser in eine Gewisse Denkrichtung zu lenken (vgl. POLLAK 2002, 43). „Interessant ist hierbei vor allem, dass durch derartige lexikalische Häufungen und Verknüpfungen sehr oft auch inhaltliche Verbindungs- und Fokuspunkte markiert werden“ (POLLAK 2002, 43).

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The Birdman 2007 (@Eric Molina)

Indem der Autor sich der biographischen Erzählung bedient, stellt er die Nähe zu Andersen her. Dies bietet den Lesern bessere Identifikationsmaßnahmen mit dem Opfer Andersen (vgl. POLLAK, 2002). Als ein zentrales Element der diskursiven Umsetzung und Vermittlung bestimmter Perspektiven hat sich dabei die Diskursform der biographischen Erzählung (in ihren unterschiedlichen Formen, die von Eigenerzählungen, über Nacherzählungen, bis zu Interviews und Nachrufe reichen) erwiesen, die nicht nur eine Nähe zu den Subjekten der Erzählung herstellt bzw. eine Identifikationsmöglichkeit mit diesen anbietet, sondern vor allem auch die Zusammenhänge […] in den Hintergrund rückt (POLLAK 2002, 44). Zusammenhänge zum eigentlichen Thema Doping rücken in den Hintergrund (vgl. POLLAK 2002, 44). Es findet keine genaue Berichterstattung zum Thema Doping in der NBA statt. Statt aus Solidarität seinen Fans gegenüber zum Konsum von illegalen Doping-Substanzen zu stehen, weigert sich Andersen, zu erklären, warum es zu einer derart harten Strafe kam. Da Andersen im Anschluss der Sperre weiter in der NBA spielen wollte, schweigt er über die Substanz, die er konsumiert hat.

„Chris Andersen doesn’t want to dispute the drug test that led to his suspension. He just wants to play in the NBA again.”

Laut Andersen hatte er zwar ein Alkohol Problem, aber nur zufällig zweimal harte Drogen missbraucht und dies unglücklicherweise kurz vor der Doping-Kontrolle.
Der Artikel schließt mit einem ironischen Fazit ab, der auf den Chef der NBA betrifft, der auf sein Herz hören und Andersen wieder in der NBA spielen lassen sollte. „Hopefully, Stern will look toward the future, too, by having a change of heart over a glass of pineade with Andersen.“ Da Andersen bereits in Denver gespielt hat und dort sehr beliebt ist, scheint dieser Artikel besonders positiv über Andersen zu berichten, um auch die Fans zufrieden zu stellen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die in den amerikanischen Artikel präsentierten Darstellungsweisen des Dopingskandals von Chris Andersen sich deutlich von internationalen Artikeln abgrenzen. Sie wecken die Emotionen der Leser anders als der Spiegelartikel, der sich eher mit Fakten und Informationen zum Thema beschäftigt, ohne Andersen als Sympathieträger zu präsentieren. Ein Grund könnte die fehlende Nähe der europäischen Leser zum NBA Profi sein. Eine objektive Darstellung der Doping- Problematik in der NBA findet jedoch in den amerikanischen Artikeln nicht ansatzweise statt.

 

Wird trotzdem ein Dopingfall in den Medien thematisiert, so findet wie im Fall Andersens eine verharmloste Darstellung statt (siehe Teil 2). Einerseits wird in der Öffentlichkeit behauptet, dass Anderson seinen Spitznamen „Birdman“ durch seine immense Sprungkraft erhalten hat, erzählt David West ein ehemaliger Mitspieler Andersons eine andere Version. Er gibt in einem Interview mit einem Blogger zu Protokoll:

“Back in 2005, Chris grabbed 18 rebounds while high on sherm (…)The combination of PCP and hair gel made him hallucinate that pigeons where taking dumps on his head while he was on the court verse the Hawks. That’s how the nickname, ‘Birdman,” came about. People think it’s because he’s long and can jump high, but it really spawns from a bad angel dust trip. You know, like in the movie ‘Friday.” (TERRIBLE PASS BLOG, 2008)

 

Demnächst Teil 3 – Die Funktion der Medien

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Autor: derballluegtnicht

Writes about the politics of sports. For him sports and politics always mix.

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