Doping in der NBA – Folge 1 (Update)

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Doping im Spitzensport (Foto: Victor)

Joakim Noah, Center der New York Knicks, wurde positiv auf das verbotene Muskelaufbaupräperat LGD-4033 (vergleichbar mit einem anabolen Steroid) getestet und ist damit der aktuellste und vermutlich auch prominenteste Dopingfall der Profiliga NBA. Noah ist dabei einer der wenigen bekannten Fälle in denen offiziell ein leistungssteigerndes Präperat Grund für eine Sperre ist. Doch auch für dieses Vergehen wird der Knickerbocker lediglich für 20 Spiele, aufgrund einer Knieverletzung vermutlich zu Beginn der nächsten Saison 2017-2018, gesperrt. Die Dauer der Sperre beläuft sich auf einen Zeitraum von weniger als zwei Monaten und entspricht damit nicht ansatzweise internationalen Vereinbarungen für vergleichbare Vergehen.

Nach unfassbaren intensiven Playoffpartien  stellt sich die Frage wie es möglich ist, dass diese Athleten nahezu Nacht für Nacht nach einer 82 Pflichtspiele langen Saison auf einem solch hohem Level spielen können. Dabei geht es nicht darum den Sport unter Generalverdacht zu stellen, jedoch die nahezu nicht vorhandenen Dopingfälle in den letzten Jahren machen einen stutzig.

Bis heute sind in der NBA offiziell nur wenige Fälle bekannt, bei denen Basketballprofis wegen des Missbrauchs von Dopingmitteln ausgeschlossen bzw. mehrfach gesperrt wurden. Dabei wird schnell sichtbar, dass diese Sperren häufig nicht mit den traditionellen Dopingmitteln zur Leistungssteigerung zu tun haben, sondern viel eher mit traditionellen Freizeit- und Partydrogen. Vergleicht man diese Zahlen zudem mit den anderen Profiligen ( z.B. MLB und NFL) erscheint diese Anzahl utopisch gering. Dopingsperren aufgrund von Performance Enhancing Drugs sind in der NBA äußerst selten.

Dopingsperren im Baseball und Basketball in 2016 im Vergleich

NBA Dopingsperren 2016 MLB Dopingsperren 2016
Mitch McGary (OKC) 10 zusätzlich Spiele McGary

08.07.16 Mitch McGary (OKC) 5 Spiele

01.07.16 O.J. Mayo (Mil) 2 Jahre Sperre / Mehrmaliges Vergehen („ has been disqualified from the NBA for violating the league’s anti-drug policy. Mayo can apply for reinstatement in 2 years.“)

MLB (leistungssteigernde Dopingmittel)

PEDs (Major League Baseball) – 12

PEDs ( unterklassige Ligen) – 39

Stimulantien (unterkl. Ligen) – 19

MLB (Freizeit- und Partydrogen)

43 bzw. 38% (Kokain, Heroin, usw.)

Gesamtzahl an Tests in 2016: 8281 in MLB

6,634 Urinproben

1,647 Blutproben     (vgl.Forbes, 2017)

Der erste gesperrte Dopingsünder in der NBA war John Drew (Kokain). 1986 wurde er auf Lebenszeit gesperrt, da er mehrfach rückfällig geworden war. Einige wenige oft sehr kurze Dopingsperren wurden in den Jahren darauf ausgesprochen, hauptsächlich jedoch im Bezug auf Alkohol, Kokain und Cannabis. Obwohl Doping sich auch im Freizeitbereich immer stärker verbreitet und sogar Jugendliche nicht mehr vor illegalen Substanzen im Sport zurückschrecken, wird in der leistungsstärksten Liga der Welt kaum über Doping berichtet bzw. hinsichtlich Dopingmissbrauchs ermittelt. Vielmehr ist das amerikanische Publikum von der brachialen Muskelgewalt in der NBA fasziniert (vgl. YESALIS 2005, 188f.).

„Was den Europäern der Fußball, ist den Amerikanern der Football oder der Basketball: In seiner leistungsstärksten Liga, der NBA, ist er Publikumsmagnet, Vermarktungsmaschine, Showbühne, Kampfarena, Kulminationspunkt von Rassenproblemen und sexueller Freizügigkeit“ (YESALIS 2005, 188).

Chronologie der bekannten Dopingfälle in der NBA

  1. 1986: John Drew,  Atlanta Hawks, Sustanz: Kokain (http://www.nytimes.com/1986/12/17/sports/sports-people-drew-arrested-again.html)
  2. 1986: Micheal Ray Richardson, New Jersey Nets,(http://www.nytimes.com/1988/07/22/sports/nba-reinstates-richardson.html)
  3. 1987: Lewis Lloyd and Mitchell Wiggins, Houston Rockets, (http://www.nytimes.com/1987/01/14/sports/lloyd-and-wiggins-of-rockets-banned-for-drug-use.html)
  4. 1988: Duane Washington. New Jersey Nets, (http://www.nytimes.com/1988/10/01/sports/nba-nets-guard-banned-for-drugs.html)
  5. 1989: Chris Washburn, GS Warriors, Atlanta Hawks, (http://www.deseretnews.com/article/53365/NBA-GIVES-WASHBURN-LIFETIME-BAN.html)
  6. 1991/1995: Roy Tarpley, Dallas Mavericks, 1991 und 1995, Substanz: Kokain (http://usatoday30.usatoday.com/sports/basketball/nba/2003-06-25-tarpley_x.htm)
  7. 1991/1993/1995: Richard Dumas, Phoenix Suns, Philadelphia 76ers
  8. 1999: Stanley Roberts, Philadelphia 76ers
  9. 2003: Maurice Taylor, Houston Rockets
  10. 2006: Chris Andersen, New Orleans Hornets, (siehe Artikel unten)
  11. 2007: Lindsey Hunter, Detroit Pistons, 10 Spiele, Dopingmittel: Phentermine, (http://www.nytimes.com/2004/02/18/sports/roundup-nba-anthony-leads-nuggets-to-victory-over-76ers.html?_r=0)
  12. 2008: Darius Miles, Boston Celtics, 10 Spiele, (http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9801E1D91031F933A1575AC0A96E9C8B63)
  13. 2009: Rashard Lewis, Orlando Magic, 10 Spiele, PED, (http://www.nytimes.com/2009/08/07/sports/basketball/07nba.html)
  14. 2011: O.J. Mayo, Memphis Grizzlies, 10 Spiele, Mittel: Dehydroepiandrosterone (DHEA), (http://espn.go.com/nba/news/story?id=6065824)
  15. 2013:Hedo Türkoğlu ( 20 Spiele) Mittel: methenolone, (http://espn.go.com/nba/story/_/id/8944820/hedo-turkoglu-orlando-magic-suspended-20-games-positive-test)
  16. 2014: Nick Calathes, Memphis Grizzlies, (20Spiele), Mittel: Tamoxifen, (http://espn.go.com/nba/story/_/id/10805807/memphis-grizzlies-guard-nick-calathes-facing-20-game-suspension)
  17. 2015: Larry Sanders, Milwaukee Bucks, 10 Spiele, Mittel Marijuana, (http://sports.yahoo.com/blogs/nba-ball-dont-lie/bucks–larry-sanders-suspended-10-games-for-another-violation-of-league-drug-policy-223028192.html)
  18. 2017: Joakim Noah, New York Knicks, positiv auf das verbotene Muskelaufbaupräperat LGD-4033 (vergleichbar mit einem anabolen Steroid) getestet (https://www.nytimes.com/2017/03/25/sports/basketball/knicks-joakim-noah-suspended-for-failing-a-doping-test.html)

to be continued…

1. Fallbeispiel: Dopingfall Chris Andersen

„The strategy in sports is deny, deny, deny – no matter how preposterous the explanation. Blame the tainted energy shakes or mishandled samples or vanished twin or flaxseed oil „(WERTHEIM 2006).
Chris Andersen erhielt bei den New Orleans Hornets von wenigen Jahren einen Vierjahresvertrag über 14 Millionen Dollar. Unter seinen Fans ist er auch als Birdman bekannt, den Spitznamen er nicht angesichts seiner high-flying dunks erhielt, sondern aufgrund seiner Drogenexzesse. Andersen ist bereits ein Veteran in der NBA, der zwar nicht gedraftet wurde, jedoch sich durch gute Leistungen im Farmteam der New York Knicks einen NBA-Vertrag erarbeitete. Zwar gehörte er nie zu den besten Spielern der Liga, jedoch gehört er immer noch zu den Publikumslieblingen (vgl. ESPN, 2006). Im Jahr 2006 verstieß Andersen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen und wurde zwei Jahre von den NBA ausgeschlossen. Angeblich handelte es sich um Andersens ersten Verstoß gegen die Doping-Bestimmungen, obwohl eine besonders harte Strafe angewandt und Andersen für mehrere Jahre aus der NBA ausgeschlossen wurde. Gemäß der Statuten (Vertrag mit der mächtigen Spielvereinigung, die auch die Dopingbestimmung mit verhandelt) kann jedoch ein NBA Spieler erst nach dem vierten Vergehen von der NBA disqualifiziert werden. Normalerweise erhält ein Ersttäter eine Sperre von zehn Spielen. Beim zweiten Vergehen folgt eine Sperre von 25 Spielen (vgl. SPIEGEL ONLINE 2006). Erst ein dreimaliger Wiederholungstäter wird für ein Jahr suspendiert. Trotzdem gab es  Ausnahmen: Ein positiver Test bzgl. bestimmter Doping-Mittel, den drugs of abuse, zu denen Amphetamine, Heroin, Kokain und LSD gehören (vgl. ESPN 2006). Auch in diesem Fall waren es damit Freizeit- und Partydrogen. Eine wichtige Erkenntnis.

Demnach muss bei Andersen die Art der Dopingmittel über das Strafmaß entschieden haben. So scheint es unmöglich, dass er wie behauptet, wegen seines Alkoholmissbrauchs disqualifiziert worden ist. Dennoch ist das genaue Vergehen Chris Andersens, wie bei den meisten anderen Dopingfällen in der NBA, bis heute unbekannt. “Neither the NBA not the union is allowed to comment on specifics of a player’s drug test“ (ESPN 2006). Die NBA lässt keine genaueren Informationen zu, um ihre Spieler zu schützen (vgl. USA TODAY 2006). Es existiert ein absolut geschlossenes System. Um das Eingreifen der WADA zu verhindern, beharrt die NBA auf ihrem eigenen Anti-Doping-Programm. “We have these very intense procedures we deal with our players on, and we throw them out if they fail the tests“ (USA TODAY 2006). Im Gegensatz zur NBA hat die WADA keine Interesse daran Athleten zu schützen, sondern in erster Linie das Ziel, Verstöße gegen die Doping-Bestimmungen aufzudecken (vgl. YESALIS 2005, 3).

Doping in der NBA -Teil 2- Die Berichterstattung anhand des Fallbeispiels „The Birdman“

Doping in der NBA – Teil 3 – Doping in der NBA und die Parallelen zum europäischen Fußball

Die Berichterstattung zum Doping anhand des Fallbeispiels „The Birdman“

Foto: https://www.flickr.com/photos/v1ctor/

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Autor: derballluegtnicht

Writes about the politics of sports. For him sports and politics always mix.

1 Kommentar zu „Doping in der NBA – Folge 1 (Update)“

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