Sportausschuss: Die Zukunft der Athletenvertretung und die Verantwortung der Parlamentarier

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Liebe Parlamentarier,
Liebe Mitglieder des Sportausschusses,
Eine neue, transparente spitzensportliche Philosophie mit angemessener Berücksichtigung der Spitzensportler selbst bedarf eines adäquaten Leitbildes mit unabhängigen und einflussreichen Athleten.
Zu diesem Thema nun einige Argumente und Erläuterungen warum man die Athletenvertreter in ihren Bestrebungen unterstützen sollte (klicken sie auf die Titel):
Nie war die Partizipation und Einmischung der Athleten wichtiger, unterstützen Sie das Bestreben der Athletenkommission. Tragen Sie ihren Anteil dazu bei, dass deutsche Athleten in Zukunft ihre Interessen eigenständig formulieren können und so zu Vorbildern im weltweiten Spitzensport werden.
Athleten Deutschland
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Autor: derballluegtnicht

Writes about the politics of sports. For him sports and politics always mix.

5 Kommentare zu „Sportausschuss: Die Zukunft der Athletenvertretung und die Verantwortung der Parlamentarier“

  1. Mündigkeit des Athleten/der Athletin war ein großés Diskussionsthema im ADH in den 80er Jahren, ich (im ADH Verantwortlicher für die Leichtatletik) habe auch dazu veröffentlicht (u.a. „Abhängigkeit und Fremdbestimmung in der Frauenleichtathletik). Aber darüber hinaus haben wir im ADH versucht, die wesentlichen Prinzipien in den Umgang mit SpitzensportlerInnen umzusetzen. Das gelang nicht immer, vor allem dort, wo Bundestrainer eingesetzt werden mussten (z.B. Volleyball Frauen), die Vorstellungen in den Fachverbänden waren damals zum Teil ganz anders. Typisch dafür war der Ausspruch des Bundestrainers Sprint der Frauen, Thiele, dass das Verhältnis zwischen Trainer und Athletin in der Struktur so sein solle wie zwischen Zuhälter und Prostituierter.Für die Veröffentlichung des Zitats wurde mir Klage angedroht. Trotz einer solchen Einstellung bekam Thiele das Bundesverdienstkreuz, denn er war ja Medaillenproduzent …. Ich wage zu bezweifeln, dass die Einstellung von so manchen Bundes- und Vereinstrainern heute anders ist, Medaillengewinne scheinen nach wie vor wichtiger als mündige Athleten/Athletinnen und ihre gesundheitliche und berufliche Zukunft.

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    1. Lieber Herr Prof. Dr. Treutlein,

      Mündigkeit der Athlet*innen ist auch heute noch ein sehr wichtiges Thema für den adh. Unter anderem durch die „Partnerhochschulen des Spitzensports“ trägt der adh bereits seit 1999 zum Beispiel zur Wahlfreiheit im Bezug auf den Ausbildungsstandort für die „Duale Karriere“ bei. Die individuelle „Duale Karriere“ ist unserer Ansicht nach zentral für die Unabhängigkeit der Sportler*innen und hilft deren Reduktion auf den Status als Humankapital des Systems Spitzensport verhindern.
      Die Gründung von Athleten Deutschland e.V. hat der adh als einer der ersten deutschen Sportverbände öffentlich begrüßt (vgl: http://www.adh.de/medien/newsarchiv/news/der-adh-freut-sich-auf-die-zusammenarbeit-mit-athleten-deutschland-ev.html) und unterstützt ausdrücklich deren Anliegen im Hinblick auf eigenständige Finanzierung durch Mittel außerhalb des DOSB Etats.

      Ein wesentliches Problem in der Trainer-Athleten-Beziehung ist aber seit Jahren ungelöst und wird auch durch die Spitzensportreform nicht gelöst, nämlich die befristeten Verträge der Trainer*innen und die Zielvereinbarungen, die den Erfolg der Trainerarbeit und damit u.a. die weitere Beschäftigung wesentlich an Titeln und Medaillen der anvertrauten Sportler*innen fest machen.

      Mit sportlichen Grüßen, Jörg Förster, adh Vorstand

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      1. Herzlichen Dank! Aber: Im ADH ist es ein Faux-pas, jemanden mit Herr Professor anzureden, und außerdem waren wir zumindest zu meiner Zeit alle per Du!
        Ein großes Problem ist die Hauptamtlichkeit von vielen Trainern, damit werden sie in der Bezahlung von den Erfolgen abhängig, das verleitet im Zweifelsfall zu Doping. Und außerdem haben sie dann zu viel Zeit, Athleten (und vor allem Athletinnen) an der kurzen Leine zu führen, das bremst oder verhindert die Entwicklung von Mündigkeit. Gleiches Problem bei der Profikarriere von Athleten – zu große Abhängigkeit der Zukunft vom Erfolg. Eine duale Karriere schützt wenigstens einigermaßen, denn damit ist eine Ausstiegsmöglichkeit gegeben. Ein Problem für den ADH ist, wenn die Fachverbände zu viel Einfluss auf die Trainer- und Arztauswahl bei der Beschickung von Universiaden und Studentenweltmeisterschaften haben, ein Problem früher besonders bei den Volleyballdamenmannschaften, wo der Bundestrainer mit seinem Verhalten überhaupt nicht zu zu den Vorstellungen des ADH passte.
        Beispiel: Bei Universiaden habe ich als DC am Anfang zu den AthletInnen immer gesagt: Ihr seid Studenten, ich gehe davon aus, dass Ihr mündig seid. Wir (die anwesenden Trainer) sind nicht Eure Heimtrainer, aber wir sind jederzeit für Euch da. Aber Ihr müsst auf uns zukommen und uns sagen, was wir für Euch tun können. 1985 war ich für die damals 19-jährige Gabi Lesch zuständig, sie kam nicht auf mich zu, ich habe sie in Ruhe gelassen. Per Fragebogen habe ich nach der Universiade Fragen zur Zufriedenheit gestellt. Gabi hat heftig kritisiert, dass ich nicht auf sie zugegangen bin. 10 Jahre später sagte sie zu mir: Mensch war das toll, dass du das ausgehalten hast. Es war das erste Mal in meiner Athletinnenkarriere, dass ich etwas selbstständig entscheiden konnte und musste – es war ein wesentlicher Impuls für meine Weiterentwicklung. Gabi war 1989 bei der Universiade in Duisburg Sprecherin des Eids, außerdem war sie Athletensprecherin des DLV.
        Herzliche Grüße!
        Gerhard Treutlein

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  2. Lieber Gerhard,

    auch im adh haben sich die Zeiten geändert und die Interpretation dessen, ob etwas ein Fauxpas oder einfach nur Ausdruck von Respekt ist, offenbar ebenfalls.

    Nicht die Hauptamtlichkeit ist aus meiner Sicht das Problem, sondern die kurzfristig gesteckten Erwartungen in Zeitverträgen, die ausschließlich auf das sportliche Ziel rekurrieren und eben nicht einen ganzheitlichen Ansatz im Umgang mit Athlet*innen verfolgen. Ich glaube, dass längst eine neue Trainergeneration da ist, die gerne anders mit den Sportler*innen umgehen würde, denen aber die Rahmenbedingungen das nicht ermöglichen. Aber das ist eine Diskussion, die an anderer Stelle erschöpfend geführt werden sollte, nämlich bei der Umsetzung der Spitzensportreform.

    Die Situationen aus der Vergangenheit des adh bzgl. fragwürdigen Umgangs mit Athlet*innen durch mitgereiste Trainer*innen kann ich nicht beurteilen, da ich diese offensichtlich nicht mehr erlebt habe.

    Ich genieße erst seit 12 Jahren das Privileg für den adh international unterwegs sein zu dürfen und erlebe sehr engagierte, zugewandte und an den Werten des adh orientierte Trainer- und Betreuer*innen. Die Nominierung von Teilnehmenden und Betreuenden erfolgt in enger und konstruktiver Abstimmung mit den Fachverbänden. Ich denke ein Ausdruck dessen sind die vielen Erfolge bei Universiaden und Studierenden Weltmeisterschaften in den letzten Jahren.

    Wir, und ich als ehemaliger DC Volleyball und jetziger TD Volleyball der EUSA ganz besonders, würden uns übrigens freuen, wenn der DVV die Universiaden wieder mit Damen- und Herrenteams beschicken würde, so wie es die Bundestrainer sich ja eigentlich schon länger gewünscht haben, aber der letzte Auftritt deutscher Studierender auf dem Hallenvolleyballfeld liegt leider schon länger zurück.

    In diesem Sinne freue ich mich auf den weiteren Austausch digital oder auch in der Realität bei einer Veranstaltung des adh.

    Herzlichst, Jörg Förster

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    1. Lieber Jörg, so ganz kann ich der Meinung zur konstruktiven Zusammenarbeit mit den Fachverbänden zumindest für die Leichtathletik nicht zustimmen. Das letzte bedeutende Erlebnis war die Nominierungsverhandlung zur Universiade 2007. Zum wiederholten Male hatte der DLV die Teilnahme im gleichen Jahr an Universiade und WM ausgeschlossen. Ich hatte für die Hürdenläuferin, die deutsche Meisterin war und an meiner Hochschule studierte, mit dem Prüfungsamt ausgehandelt, dass sie – an der Prüfungsordnung vorbei – ihr Examen splitten konnte (wg. Olympiavorbereitung). Ich habe deshalb Wert darauf gelegt, dass sie bei der Universiade startet. Reaktion des DLV: „Haben Sie einen Vertrag mit ihr? Wir haben einen!“. Aus dem Start wurde nichts, dem ADH wurde gezeigt, dass er eine schwache Position hat. Und ich war wegen meiner Aktivitäten zu Dopinggeschichte und Dopingprävention missliebig. Die Dopingtäter sind teilweise noch in Amt und Würden oder sitzen zumindest bei den bedeutenden Veranstaltungen auf der Ehrentribüne, „Konvertiten“ wie Alwin Wagner oder engagierte Vertreter der Sauberkeit wie Henner >Misersky (Vater der Olympiasiegerin Antje Misersky) bleiben ausgegrenzt, die Negativsozialisation wirkt weiter.
      Ein Trainer, der hauptberuflich im Leistungssport tätig ist, ist vom Erfolg abhängig. Wie sagte der frühere Vorsitzende des Sportausschusses zu meinen entsprechenden Bemerkungen, dass Erfolg nicht alles sein darf und die pädagogische Qualifikation auch zählen müsse: „Sie haben ja voll und ganz recht, aber wie wollen Sie das messen?“ So lange Trainer wie der Sportdirektor des Schwimmverbands, Lamberts, das Sagen haben (in DDR-Tradition immer mehr und immer härteres Training) glaube ich noch nicht an eine wesentliche Veränderung der Mentalität.
      Herzliche Grüße! Gerhard Treutlein

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