Doping in der NBA und die Paralellen zum europäischen Fußball – Folge 3 – Die Funktion der Medien

Die NBA ist ein Milliarden-Dollar-Geschäft. Sport-, Marketing- und Rundfunkorganisationen haben Sportarten wie Basketball ausschließlich für geschäftliche Zwecke ausgebaut. Die NBA dient zudem vielen europäischen Fußballligen als Vorbild für Sportvermarktung. Dabei sind die Zuschauer in Sportangelegenheiten zu den letzten, endgültigen Schiedsrichtern geworden (vgl. Stokvis, 2003).

„In dieser zentralen Position kommt den Konsumenten des Mediensports als Zielgruppe eine Doppelfunktion zu. Für die Medien bildet ihr Interesse quasi die Geschäftsgrundlage für die Kalkulation der Werbeeinnahmen, wodurch sie über Erfolg und Misserfolg des publizistischen Produkts entscheiden“ (Schauerte, 2007, 21).

Ziel ist es in erster Linie, das Publikum zu amüsieren. Der Spitzensport hat heutzutage einen enorm hohen Unterhaltungswert in der Gesellschaft. Er wird durch eine immense Spezialisierung und Professionalisierung geprägt und mutiert zudem zu einer modernen Zirkusgala bzw. zu einem neuartigen Gladiatorenkampf. Es stellt sich die Frage ob „der Sieg/ die Niederlage“ noch den binären binären Codes des Spitzensports darstellt, oder  die Unterhaltung bzw. das Entertainment den Spitzensport bereits gekidnappt hat?
Einerseits würden skandalöse Enthüllungen bzgl. des Dopings das Sportgeschäft negativ beeinflussen und Einnahmen einbrechen lassen. Idole fangen an zu menschlich in ihrer Erscheinung zu wirken und die Leidenschaft der Fans würde dahinschwinden. Andererseits interessieren sich viele Fans nicht für den Missbrauch von Dopingmitteln. Sie wollen das zur Schaustellen der Muskelprotze genießen und reagieren verärgert über diejenigen, die Doping bekämpfen:

„Moreover, it could be argued that if substancial inroads are made regarding the epidemic of doping, fans may express ander towards those fighting drug use, rather than appreciation“ (Yesalis, 2005, 3).

Viele Zuschauer sehen den sportlichen Wettbewerb als Ausweg aus ihren alltäglichen Problemen und wollen nicht mit der Moral und ethischen Fragestellungen hinsichtlich des Dopings konfrontiert werden.

Der Fall McGwire in der MLB zeigt dies auf einzigartige Art und Weise:

“The media coverage of the McGwire story was only the latest evidence of our society’s basically tolerant attitude toward doping people in various ways” (Yesalis 2005, 18).

Home runs und Rekorde standen im Vordergrund, alles andere war zweitrangig.

 

 

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Doping in der MLB (Mike Licht)

Aus diesen Gründen scheinen sich viele Nachrichtenmedien in den USA aber auch international, nicht ausreichend mit der Epidemie des Dopings im Leistungssport zu beschäftigen. Trotz der gesellschaftlichen „Verurteilung sind alle am Entstehungsprozess medialer Sportangebote beteiligten Parteien bemüht, das Thema Doping der öffentlichen Wahrnehmung zu entziehen und nur bei unausweichlichen Anlässen größere Tragweite aufzunehmen“ (Schauerte, 2007, 16). So behauptet Lance Armstrong er sei lediglich das Bauernopfer des amerikanischen Spitzensports und der notwendige Sündenbock eines angeblich sauberen Systems. Für ihn diente der eigene Fall der Legitimation der nationalen Anti-Doping Argentur (USADA) in den USA und der internationalen Anerkennung dieser nationalen Behörde.

Der Gedankengang Armstrongs ist durchaus ernstzunehmen, auch wenn viele seiner weiteren Ausführungen mit sehr viel Vorsicht zu genießen sind (siehe auch What we can learn from the Armstrong case, 2016).

An dieser Stelle ist erwähnenswert, dass die Gesellschaft (Fans und Zuschauer) von den Nachrichtenmedien abhängig ist, die über das Ausmaß von Problemen wie Doping im Sport angemessen zu informieren haben. Für die USA und auch in vielen Bereichen international gilt:

“In (American) professional team sports the problem of ‘fairness’ in relation to drugs is not an important consideration” (Stokvis, 2003, 18).

Aufgrund der geringen Anzahl von bekannten Dopingfällen in der NBA, eine Parallelität zum europäischen Fußball, wird die Problematik in den U.S./ europäischen Medien kaum thematisiert. Selbst wenn es neue Dopingfälle gäbe, wäre die NBA ein absolut geschlossenes System, das allein schon aufgrund der Vereinbarung mit ihrer Spielergewerkschaft keine Informationen an die Öffentlichkeit lassen darf. Wird trotzdem ein Dopingfall in den Medien thematisiert, so findet wie im Fall Andersens eine verharmloste Darstellung statt. Einerseits wird in der Öffentlichkeit behauptet, dass Andersen seinen Spitznamen „Birdman“ durch seine immense Sprungkraft erhalten hat, andererseits erzählt David West ein ehemaliger Mitspieler Andersens eine andere Version (siehe Teil 2).

Viele der amerikanischen Sender (wie z.B. ESPN)  sind wie ihre europäischen Counterparts Kooperationspartner der jeweiligen Ligen und greifen deshalb auf verharmloste Berichterstattungen zurück. Auch die Medien vermarkten ein Produkt, in diesem Fall das Produkt Profiliga. Geschrieben wird, was das Dopingproblem in den Hintergrund rücken lässt, wie z.B. die tragische Familiengeschichte des Chris Andersen. In den zuvor beschriebenen amerikanischen Zeitungsartikeln findet ein Zusammenspiel der drei Konstruktionsfaktoren Thema, Perspektive und der sprachlichen Elaboration statt, die das Bild Andersens als Opfer konstituieren (siehe Teil 2; vgl. Pollak, 2002).
Ein weiterer Bremsfaktor der genauen Berichterstattung ist die Vermarktung der Sportevents. Eine gründliche Enthüllung bzgl. Dopings in der NBA oder in der Champions League würde die Vermarktung der gewinnbringenden Sportevents deutlich verschlechtern, gleiches gilt für die großen nationalen europäischen Fußballligen.König Fußball regiert den deutschen Sportjournalismus und ist das Verkaufsargument vieler Sportmedien“ (Belmann/Schönwetter, 2016, Dopingberichterstattung im Fußball). Hinzu kommt der Fakt, dass einige Journalisten sowohl in den USA als auch in Deutschland als befangen angesehen werden können, da sie ihren Unterhalt oft mit zwielichtigen Nebeneinkünften aufbessern. Oft arbeiten Sportmoderatoren wie z.B. die der öffentlich-rechtlichen Sender nach wie vor auch direkt für Verbände und Vereine – oder bieten sich offen als Werbepartner an (vgl. Bouhs, 2017, Die Nebenjobs von ARD & ZDF Moderatoren).

Die Nebenjobs von ARD & ZDF-Sportmoderatoren (2016)
Markus Othmer (Sportschau, Mittagsmagazin) Moderator der Präsentation des Logos der Ausrichter-Stadt München für die EURO 2020
Marco Schreyl (WDR-Hörfunk Sportsendungen) Moderator der FIFA-Gala „The Best FIFA Football Awards“
Julia Scharf (moderierte den ARD-„Brennpunkt“ „Sommermärchen gekauft?“ Moderatorin der Veranstaltung „Camp Beckenbauer“
Sven Voss (Aktuelles Sportstudio) Agentur „Projekt B“, die Fußball-Größen wie Oliver Bierhoff und Jürgen Klopp betreut, bietet Voss als „Markenbotschafter“ an.
Quelle: Daniel Bouhs (NDR), 2017

Der größte Teil dessen, was wir über den Sport wissen und wie wir ihn erleben, basiert jedoch nicht auf Primärerfahrungen, sondern wird uns durch die Massenmedien vermittelt […], in denen wiederum eine eigene Sport-Realität erschaffen wird […] (Schauerte, 2007, 11).

Es sind somit auch die Medien, die die Gesellschaft über Fair Play, die Moral aber auch fatale gesundheitliche Folgen aufgrund des Missbrauchs von Dopingmitteln aufklären müssen.

„Although research is continuing, steroid use has been linked to a number of physiological, psychological, orthopedic, reproductive, and other serious health problems…(T)he use of Prohibited Substances by NFL players sends the wrong message to young people who may be tempted to use them“ (Halchin, 2005, 7).

Auch aufgrund der Vorbildfunktion der Spieler in der NBA/ Champions League sollten Medien Dopingfälle nicht bagatellisieren, sondern den Fans die negativen Folgen des Fehlverhaltens von Stars wie Chris Andersen aufzeigen.

Denn es darf schlussendlich nicht vergessen werden:
„Moreover, this is not just about the elite athletes. It’s about 56 million school – age children in America. Last year a half million children in our country used steroids, more girls than boys. […] We must establish a drug-free Olympics as a critical message to the world’s youth that competition is about training, coaching and values, not dangerous chemical engineering […]“(Stokvis, 2003, 20).
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Autor: derballluegtnicht

Writes about the politics of sports. For him sports and politics always mix.

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