Aus dem Archiv: NBA Lockout (2011)

Wirft man in den letzten Tagen einen Blick über den großen Teich wird deutlich, dass Dirk Nowitzki nun zu den absoluten Superstars seiner Sportart gehört. Die Amerikaner schwärmen regelrecht von dem bescheidenen und sympathischen Jungen aus Würzburg, Germany. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Amerikaner in den letzten Tagen etwas ganz anderes beschäftigt, die Lockouts der NBA und NFL. Dies könnte bedeuten, dass die Amerikaner auf ihre beiden beliebtesten Sportarten in diesem Herbst bzw. Winter verzichten müssen und unser geliebter Dirk für zwei Jahre der amtierende NBA Champ bleibt ohne dafür den Repeat schaffen zu müssen. Er kann sich vielleicht zum ersten Mal länger auf den Lorbeeren der stärksten Liga der Welt ausruhen als all seine Vorgänger. Gefällt ihm das? Vermutlich nicht! Doch was steckt nun dahinter, dass die NBA und die NFL ihre Spieler ausgeschlossen haben. Gibt es Unterschiede in den Situationen oder sind beide ähnlich zu bewerten? Es gibt in den USA wohl nichts Wichtigeres als den Football am Sonntagnachmittag bzw. Montagabend. Deshalb wird intensiv diskutiert. Selbst der Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama wurde aufgefordert sich einzuschalten und zu vermitteln. Dieser winkt jedoch ab und deutet nur an, dass er Wichtigeres zu tun hätte als sich um einen Streit zwischen Milliardären und Millionären zu kümmern und verweist auf die Verschuldung seines Landes.(vgl. Fusfeld, A.; An NfL Lockout Might Be The Number One..:,März 4, 2011 URL:http://www.businessinsider.com/barack-obama-nfl-lockout-2011-3) Doch hat er damit Recht?

Schaut man sich die Situation genauer an, wird eines deutlich, dass die Spieler der NFL ein viel höheres Risiko mit einer Profikarriere eingehen als die Kollegen in der NBA. Womit lässt sich das belegen?

Die NFL selbst will ihren Einkünfte und Ausgaben nicht preisgeben, obwohl sie diese Forderung der Players Association keinen Cent kosten würde und die Situation erleichtern könnte, da die Spieler bereits angedeutet haben, dass sie ihre Forderungen diesen Zahlen anpassen würden. Die Besitzer weigern sich jedoch vehement dies zu tun. Doch warum tun sie das? Stehen sie etwa doch nicht so schlecht dar, wie sie es immer dargestellt haben? Haben sie womöglich die jeweiligen Bundesstaaten mit falschen Zahlen zur Unterstützung von Neubauten von Stadien und Trainingsanlagen gezwungen?

Da die Spieler keineswegs an einem Lockout interessiert sind und auch weiterhin für die gleichen Bedingungen spielen würden, könnten sie eine rechtliche Auseinandersetzung provozieren, die sie vermutlich auch gewinnen würden. Dann wäre die Football Season diesen Herbst doch noch gerettet.

Der Präsident der Spielervereinigung DeMaurice Smith weist immer wieder daraufhin, dass sie als Spieler nur zwei Forderungen an die NFL stellen. Finanzielle Transparenz und eine besser gesundheitliche Absicherung für die Spieler.

„Financial transparency would help us reach a compromise. Even until the last moment, we were rebutted. And as for health and safety, that’s a non-negotiable issue. To our players, I will not ever yield on this point. There is no price tag for your arms, legs, backs, necks, shoulders and brains.” (USA Today, Mar 12, 2011, (Former)players union fires back at NFL with „The Truth“)

Und damit trifft er den entscheidenden Punkt des NFL Lockouts. Die NFL Spieler im Gegensatz zu den NBA Spieler riskieren jeden Tag ihre Gesundheit und sind besonders von Spätfolgen ihrer Sportart betroffen. Ein durchschnittlicher NFL Spieler spielt 3 ½ Jahre in der Liga und stirbt im Alter von 57 Jahren an den Folgen seiner sportlichen Karriere. Damit lebt er 20 Jahre kürzer als der Durchschnittsamerikaner. Zusätzlich ist das Verletzungsrisiko besonders hoch und oft sind die Verletzungen so gravierend, dass die Sportler ihre Karriere beenden müssen. Diese schwerwiegende Folgen und die Sturheit der NFL zeichnen doch eine klare Tendenz ab auf welche Seite sich der Normalbürger stellen sollte.

Innerhalb der NBA stellt sich die Situation anders dar. Besonders Barack Obamas Aussagen treffen dann wohl eher auf die NBA zu. Hier werden beiden Seiten auch in Zukunft genug Geld verdienen. Die NBA hat die erfolgreichste Saison aller Zeiten hinter sich. Die Einschaltquoten waren noch nie so hoch und eine ganze Nation verfolgte die Miami Heat. Dass dabei viele in den Finals auf Seiten des großen blonden europäischen Superstars standen, hatte damit zu tun, dass es Lebron James‘ Talent nach South Beach verschlagen und damit seine Heimatstadt verlassen hatte um sich zwei anderen Superstars in Miami anzuschließen. Im Bezug auf die NBA scheint es auf Grund des Lockouts nur Verlierer zu geben. Beide Seiten könnten wie 1998 auch diesen neuen Hype des Jahres 2011 durch einen weiteren Lockout zerstören. Beide Parteien sollten sich an die Folgen des Lockouts von 1998 erinnern und weiterhin verhandeln. Die NBA Spieler sollten eher darüber nachdenken, sich für die Rechte der Spieler der D-League (2. Liga) einsetzen, da diese Talentschmiede doch eher an ein Armenhaus erinnert. Wenn ein Basketballer 20.000 Dollar im Jahr verdient und damit seinen gesamten Unterhalt zahlen muss, sollten sich die Millionäre der NBA lieber für diese Spieler einsetzen. Von diesen 20.000 Dollar bleiben nach Steuern 10.000 Dollar für ein gesamtes Jahr übrig. Herr James versuchen sie mal mit 10.000 Dollar pro Jahr um die Runden zu kommen!

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Autor: derballluegtnicht

Writes about the politics of sports. For him sports and politics always mix.

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