Taschenspielertricks an der Elbe? Das Argument, das keines ist –wie Hamburg seine Bürger*innen mit Wissenschaft von Olympia überzeugen will 

In den vergangenen Wochen und Monaten haben die deutschen Bewerberstädte umfangreiche Werbekampagnen betrieben. Insbesondere in den sozialen Medien war die Präsenz durch intelligentes Marketing bemerkenswert. In München entschied sich die Stadt, im Rahmen ihrer eigenen Agenda-Settings im Vorfeld der Volksabstimmung Informationsbroschüren zu verteilen, die ausschließlich die Argumente für die Ausrichtung der Olympischen Spiele enthielten. Der Vorwurf der Manipulation wurde erhoben, wobei Kritiker von Desinformation gegenüber der Bevölkerung sprachen.  

Parallel dazu prognostizieren die Befürworter der Bewerbung Hamburg bereits Einnahmen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich für die Hansestadt. In Hamburg wird der Sport mit Nachdruck als Wirtschaftsmotor präsentiert, wobei die Gründe für die Waghalsigkeit dieser Prognose im Folgenden erläutert werden. Berlin postuliert, die einzige Stadt mit internationaler Strahlkraft zu sein, an der kein Weg vorbeiführt. Die Tatsache, dass die städtischen Finanzen angespannt sind und Baustellen der Hauptstadt sich in Bereichen wie z. B. in der hohen Kinder- und Altersarmut, die über dem Bundesdurchschnitt liegt, befinden, wird nicht erwähnt.  Köln-Rhein-Ruhr bezeichnet das eigene Konzept als das nachhaltigste, aufgrund der zahlreichen vorhandenen Spielstätten in den Metropolregionen. 

Als Sportwissenschaftler und Anhänger des Sports befürworte ich ein Land, das reich an Bewegung und sportlichen Möglichkeiten ist. Eine psychisch gesunde und stabile Bevölkerung, unabhängig vom Alter, benötigt ein breites Spektrum an Bewegungsangeboten. Es ist unbestreitbar, dass jede Form des Sports, von Gesundheitssport über traditionellen Breitensport hin zum Leistungssport, in einer funktionierenden Gesellschaft eine Bedeutung hat.  Als Sportsoziologe bin ich entsetzt über die einseitige Darstellung der Auswirkungen von Olympischen Spielen, insbesondere angesichts der zunehmenden Evidenz für die umfangreichen negativen Konsequenzen dieses Großereignisses, die in den Bewerberstädten unzureichend oder gar nicht diskutiert werden. In sämtlichen Städten/Regionen wird von den kommunalen Behörden eine positive Grundhaltung gegenüber den Olympischen Spielen gefördert. Es vergeht kein Tag, an dem sich Einzelpersonen, Vereine oder Institutionen nicht für die Olympischen Spiele aussprechen und die Städte für die Ausrichtung werben. Dieses Fürsprechen stellt im Grunde kein Problem dar, sofern Städte und Organisatoren gleichzeitig auch die negativen Auswirkungen der Bewerbung und Ausrichtung der Spiele diskutieren und eine offene, transparente Debatte rund um die Spiele ermöglichen würden. 

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Athleten Deutschland – Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Athletenkommission und der mündige Athlet als Grundlage eines Leitbildes – Frust über Sportdeutschland Teil 12

Athleten Deutschland

Gestern Abend warnten Alfons Hörmann und Michael Vesper die Spitzensportler abermals vor Alleingängen hinsichtlich ihrer Bestrebungen eine unabhängige Athletenkommission mit dem Namen „Athleten Deutschland“ zu gründen. In dem Schreiben des DOSB-Präsidenten und des Vorstandsvorsitzenden hieß es: „Solange es bei der gemäß den IOC-Vorgaben und der DOSB-Satzung verankerten Aufgabendefinition der Athletenkommission innerhalb des DOSB bleibt, werden wir eine solche Initiative zumindest neutral oder auch gern unterstützend begleiten. Sollte aber eine Konstellation geschaffen werden, die die ausschließliche Wahrnehmung der satzungsmäßigen Aufgaben nicht mehr durch die Athletenkommission sicherstellt und zu deren teilweiser Auslagerung in eine neue Struktur führt, müssten wir uns schon aus formellen (Satzungs-)Gründen dagegen positionieren“. Weiter führen sie aus: „Als Präsidium und Vorstand des DOSB haben wir bekanntlich alle Teile und Gruppen von Sportdeutschland zu vertreten und deren berechtigte Interessen zu berücksichtigen und können deshalb nicht eine einzelne Gruppe einseitig bevorzugen.“

Besonders die finale Aussage, man könne nicht die Interessen einer „einzelnen Gruppe“ einseitig bevorzugen, ist mehr als irritierend und beweist die fehlende Wertschätzung der Athleten und des Organs Athletenkommission seitens des Dachverbandes. „Diese Gruppe“ repräsentiert die Athleten aller Sportarten in Deutschland, ohne diese gäbe es den deutschen Spitzensport und den DOSB – Bereich Leistungssport – nicht.

Die Athleten sollten dieses Schreiben als weitere Bestätigung ihrer Pläne werten und die Worte als Motivation für ihr Anliegen „Athleten Deutschland“ und die Abstimmung am Sonntag ansehen.

Eine neue, transparente spitzensportliche Philosophie mit angemessener Berücksichtigung der Spitzensportler selbst bedarf eines adäquaten Leitbildes mit unabhängigen und einflussreichen Athleten. Hierzu soll Grundlegendes aufgezeigt werden und die aktuell immer noch bestehende Mittel-Zweck-Problematik im Spitzensport erörtert werden.

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