Frust über das System Sportdeutschland – 11 Artikel zur Spitzensportreform 2017- 2018

Heute treffen sich die Spitzensportverbände um über die Zukunft der Spitzensportreform zu diskutieren. Wie die letzten Wochen gezeigt haben, besteht viel Unruhe und Uneinigkeit darüber wie es in Zukunft mit dem deutschen Spitzensport weitergehen soll. Auch der ehemalige Hochleistungsschwimmer Marco Di Carli kritisiert seinen Verband (Deutschen Schwimm-Verbandes DSV) heftig. Hinsichtlicht der WM-Nominierungen spricht er in einem Brief an den DSV von Willkür. Besonders der DSV steht für eine radikale Zentralisierung des Spitzensports und damit für die aktuellen Ideen der Spitzensportreform.

Die oft geklickte Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ geht mit Artikel 11 weiter und soll zum Denken und Diskutieren anregen. Hier nun die 12 Artikel zur Spitzensportreform 2017 (demnächst folgt Teil 13) und folgt dem blog auch auf facebook und twitter.

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Teil 11: Die Spitzensportreform – ein Drama in… . Link: https://derballluegtnicht.com/2017/06/07/die-spitzensportreform-ein-drama-in-akten-frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-11/

Teil 10b (Exkurs): republica 2017- Wie digitale Medien das Machtmonopol von Spitzensportverbänden verändern (Teil 1). Link: https://derballluegtnicht.com/2017/05/10/republica-2017-wie-digitale-medien-das-machtmonopol-von-spitzensportverbaenden-veraendern-teil-1/

Teil 10: Warum an der Unabhängigkeit der Athletenkommission kein Weg vorbeiführt. Link:https://derballluegtnicht.com/…/warum-an-der-unabhaengigke…/

Teil 9: Die Spitzensportförderung der Bundeswehr hat ausgedient – Warum die Worte Max Hartungs so wichtig sind. Link: https://derballluegtnicht.com/…/die-spitzensportfoerderung…/

Teil 8: Der Zwang zum Staatssport – Die Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr im Fokus. Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-zwang-zum-staatssport-…/

Teil 7:“ Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“ – Wie unabhängig sollte eine Athletenkommission sein? Frust über das System Sportdeutschland. Link:
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Teil 6: Spitzensportförderung – Es könnte so einfach sein – Das Spitzensportgeld – Frust über das System Sportdeutschland. Link: https://derballluegtnicht.com/…/spitzensportfoerderung-es-…/

Teil 5 : Thema: Athletenfokussierung.Titel: Lieber Karriereende als weiterhin Spitzensport? – Um die es gehen sollte, geht es nicht! Link: https://derballluegtnicht.com/…/lieber-karriereende-als-we…/

Teil 4: Themen: Das Potentialanalysesystem PotAS und die Folgen bzw. Fragen, Link:
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Teil 3: Themen= die Dokumente zur Leistungssportreform, Die duale Karriere und das Eckpunktepapier des DOSB, Die Aufgabe der Laufbahnberater, Bildung und Spitzensport – Der studentische Spitzensport, Die Profilquote – Die Vor- und Nachteile, Förderung durch die Bundeswehr. Link: https://derballluegtnicht.com/…/frust-ueber-das-system-spo…/

Teil 2: Themen: Vorraussichtliche Fördersummen 2017,Leistungssportreform – Was bis heute bekannt ist, Die duale Karriere und der DOSB/ adh. Link: https://derballluegtnicht.com/…/frust-ueber-das-system-spo…/

Teil 1: Themen=Ausbeute bei Olympia, die Athleten, das Strategiepapier, Die neuen Cluster 1-3, Kampf hinter den Kulissen. Link: https://derballluegtnicht.com/…/frust-ueber-das-system-spo…/

Der DOSB und seine Spitzensportreform: Weniger ist mehr? Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-dosb-und-seine-spitzen…/

Die Spitzensportreform – ein Drama in … Akten – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 11)

Zurzeit rücken die Protagonisten De Maiziere und Hörmann wieder in das Rampenlicht des Dramas „Spitzensportreform 2017“. Nahezu alle Informationen werden durch „Monologe“ der involvierten Personen an die Zuschauer (Öffentlichkeit) vermittelt. Ist das Ganze eine Komödie oder eher eine Tragödie? Vieles deutet zurzeit auf letzteres hin. Befindet sich die aktuelle Diskussion bzw. das Drama bereits an der Peripetie (Wende- oder Höhepunkt) oder steht diese noch bevor.

Aktuell wird wieder ausgiebig über die Spitzensportreform diskutiert. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), das Bundesinnenministerium (BMI) und die Verbände sind sich uneinig wann mit der Finanzierung der Spitzensportreform begonnen werden soll. Die beiden Initiatoren und Verfechter der aktuellen Spitzensportreform, der Dachverband DOSB und das Ministerium des Inneren, entfernen sich dabei immer mehr voneinander; inwieweit war dieses Verhältnis in der Vergangenheit überhaupt durch Vertrauen und Kommunikation geprägt oder standen und stehen vielmehr eigene Interessen im Vordergrund? Die Spitzensportreform war von Anfang an in der Kritik. So forderten Innenminister De Maiziere und DOSB Präsident Hörmann immer wieder mehr Transparenz und Offenheit, jedoch zeigen die aktuellen Diskussionen, dass es besonders den eigenen Institutionen an diesen Eigenschaften mangelt. Die fehlende Transparenz scheint die Spitzensportreform und die betroffenen Verbände besonders zu belasten. Viele Verbände wissen nicht, wie es nächstes Jahr weitergehen soll.

Auch die Spitzenverbände sind mittlerweile uneins über die Reform. Diese Diskussion wird mittlerweile über die Medien und die Öffentlichkeit ausgetragen, sodass nun auch offiziell von Umsetzungsproblemen gesprochen werden kann. Mittlerweile ist bekannt, dass für das Haushaltjahr 2018 nicht das Geld bewilligt wurde, was der DOSB und seine Verbände gerne bekommen hätten. Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruderverbandes und Sprecher der deutschen Spitzensportverbände sprach in einem Interview mit dem Deutschlandfunk von einer „massiven Enttäuschung“. Grund ist die Nichtbewilligung der zusätzlichen 39 Millionen Euro, die der Spitzensport nach Aussagen der Spitzensportverbände für die Umsetzung der Reform dringend benötigt.

Diesen zusätzlichen Mittel wurden zwar in den Haushalt 2018 eingebracht, aber nun auch aufgrund der vielen Kritikpunkte des Bundesrechnungshofs abgelehnt. So spricht Ole Schröder, Staatssekretär im Innenministerium, in der aktuellen Diskussion von einem „Missverständnis“ und verdeutlicht, dass für sein Ministerium von Anfang an klar war, dass zunächst alle Potentiale überprüft werden müssen, bevor sie auch als förderungswürdig beurteilt werden können. Diese Sichtweise bestätigte auch Innenminister De Maiziere bei einer Veranstaltung am 31. Mai in Berlin. De Maiziere bezeichnete die aktuelle Diskussion als „völlig unangebracht“. Der Innenminister verdeutlichte einmal mehr, dass eine finanzielle Aufstockung erst nach der Umsetzung der Vorgaben möglich sei, dies sei von seinem Ministerium stets so an den Dachverband kommuniziert worden. Es stellt sich die Frage, inwieweit dem DOSB die Forderungen des BMI bekannt waren. Denn das Bundesministerium des Inneren bestätigte einmal mehr, dass die aktuelle Vorgehensweise bereits im letzten Jahr vor der Vollversammlung deutlich kommuniziert wurde. Es steht damit Aussage gegen Aussage. Zudem wirft Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im Ministerium des Inneren, den Verbänden vor, die Forderung nach einer Erhöhung des Fördermittel beziehe sich auf Zahlen aus 2015 und würden eine „mangelnde Etatreife“ offenlegen.

Die Verbände hingegen waren durch die Aussagen des BMI und DOSB immer von einer Anschubfinanzierung ausgegangen, die bereits vor einer solchen Überprüfung der Potentiale ausgeschüttet wird. Die gestörte Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren verdeutlicht, wie vielfältig und unterschiedlich die Probleme in den einzelnen Institutionen sind. Insgesamt zeigen die Diskussionen eine mangelhafte Konzeption und Kommunikation mit vielen offenen Fragen,

  • So versprach das BMI und der DOSB den Verbänden in Gesprächen zusätzliche Gelder, auch um die Zustimmung  bei der 13. Vollversammlung des DOSB in Magdeburg für die Reform zu erhalten. Die Reform wurde im Dezember 2016 mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen. Unter den 439 Stimmberechtigten gab es nur eine einzige Gegenstimme und fünf Enthaltungen. Alfons Hörmann äußerte nach dieser überwältigenden Mehrheit von 98,6 Prozent der Delegierten folgendermaßen: „Ich verspreche, dass wir mit der Umsetzung keine Woche warten, sondern direkt am Montag beginnen“. Sein Ziel war es nach diesem eindrucksvollen Signal der Einheit durch den Sport keine Zeit mehr zu verlieren.
  • Für die Gegenseite hat sich die Situation gravierend verändert, so drohen DOSB und Spitzenverbände aus dieser Reform auszusteigen, weil die zusätzlichen Fördermittel nicht im Haushalt vermerkt sind.

Dabei scheinen sich die wegweisenden Akteure DOSB und BMI zurzeit nicht einig zu werden, wie der genaue Fahrplan der Spitzensportreform auszusehen hat. Vermehrt werden Stimmen in den Spitzenverbänden laut, die ihren Unmut über die aktuelle Ungewissheit äußern. Besonders hart treffen diese Entscheidungen abermals Trainer, deren Verträge nicht, beziehungsweise an den Olympiastützpunkten lediglich bis Ende des Jahres verlängert wurden, und die Athleten. Zum einen wissen viele Spitzensportler nicht was ihnen bevorsteht. So äußerte sich Kaderathletin Hoffmann auf dem 13. Kölner Abend der Sportwissenschaft folgend: „Bei der Spitzensportreform steht man vor einem Phantom. Man weiß nicht genau, was sie für die Athleten bedeutet.“ Zum anderen sehen selbst Top-Athleten an der Spitze des deutschen Leistungssports die Reform mittlerweile kritisch. Besonders die Leistungsanforderungen werden auch im Hinblick auf die Nachwuchsförderung erheblich kritisiert. Nach Meinung vieler Athleten sendet die Spitzensportreform die völlig falschen Signale an die eigene Jugend.

Wie geht es danach weiter? Vieles bleibt ungeklärt. Kommt es im Drama „Spitzensportreform 2017“ im 5. Akt zu einer Katastrophe (Auflösung des Konfliktes) und so womöglich zu einer seelischen „Reinigung“ der Zuschauer durch Furcht oder Mitleid? Wir werden es sehen…

 

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Frust über das System Sportdeutschland – 10 Artikel zur Spitzensportreform 2017

der ball lügt nicht zum nationalen und internationalen Spitzensport. Auch für http://www.derballluegtnicht.com waren die letzten Monate sehr spannend und mit hohen Klickzahlen verbunden, sodass auch in den nächsten Wochen weitere Analysen folgen werden. Die oft geklickte Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ sollte zum Denken und Diskutieren anregen. Ein Spitzensport, der weiter in fester Hand der Funktionäre bleibt, wird diesen weiter schädigen. Hoffen wir auf Veränderungen. Hier nun die 10 Artikel zur Spitzensportreform 2017 (demnächst folgt Teil 11) und folgt dem blog auch auf facebook und twitter.

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Warum an der Unabhängigkeit der Athletenkommission kein Weg vorbeiführt – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 10)

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Track and Field (@Steven Pisano)

„Unabhängigkeit im Denken ist das erste Kennzeichen der Freiheit. Ohne sie bleibst du ein Sklave der Umstände.“ (Swami Vivekânanda)

Steht der Athlet im Mittelpunkt der aktuellen Spitzensportreform? Die Aussagen der Athletensprecher im Sportausschuss am Mittwoch, dem 08.03.17 und die ersten Analyse der Reform auch auf dieser Internetseite lassen etwas anderes vermuten (siehe Frust über das System Sportdeutschland).

Die aktuellen Athletensprecher haben ein wichtiges Problem erkannt und verbalisieren es in der Öffentlichkeit: Es kann nicht sein, dass sechs Athleten, die selbst noch im Spitzensport aktiv sind, ehrenamtlich die Rechte der Athleten vertreten und verteidigen sollen. Zu sechst sollen sie national und international Verbänden/ Nationen die Stirn bieten und dies ohne jegliche Vorerfahrungen in diesem Bereich und finanzielle Mittel.

Verbände und Funktionäre, oft über Jahrzehnte Teil des Systems und gut vernetzt, können die aktiven Athletensprecher mit einfachen Mitteln wie mögliche Nominierungen oder auch finanzielle Unterstützungen unter Druck setzen (siehe Frust über das System Sportdeutschland Teil 7).

Es wird Zeit, dass insbesondere auch die Politik und die Ministerien ihrer Überwachungsfunktion gegenüber dem Spitzensport nachkommen und verstärkt die Athleten, und weniger Verbände und bestehende Strukturen unterstützen, sondern endlich erkennen, dass der Sport nur zu einem Besserem verändert werden kann, wenn auch die Athleten den nötigen finanziellen Zuschuss und Einfluss zurückerhalten und eine Athletenvertretung vollständig unabhängig vom mächtigen DOSB agieren kann. Wie kann es sein, dass die Athletenkommission bis heute vollständig abhängig ist von seinem Dachverband? Wie soll es so gelingen, die Interessen unabhängig zu vertreten?

Bis heute hat der Dachverband ein Machtmonopol inne, das Reformen und Veränderungen erheblich bremst, wenn nicht sogar verhindert. So ist es auch wenig überraschend, dass der Deutsche Olympische Sportbund auf das Bestreben seiner Athletenvertretung nach mehr Unabhängigkeit distanziert reagiert.

Nach der doch erkennbaren Einigkeit innerhalb der Sportausschusssitzung am Mittwoch steht besonders auch die Politik in der Pflicht, diese Veränderungen öffentlich einzufordern und schlussendlich durch politische Einflussnahme herbeizuführen. So werden in Zusammenhang mit der kontroversen, jedoch bereits verabschiedeten Spitzensportreform seit einigen Monaten neue erheblich höhere finanzielle Zuschüsse für den Spitzensport diskutiert und in den nächsten Jahren auch ausgeschüttet. Der Bund steht nun in der Verantwortung, für eine sinnvolle Verteilung der öffentlichen Gelder zu sorgen. Wenn es dem Sportausschuss und dem Bund ernst ist um einen fairen, vorbildlichen und nachhaltigen Spitzensport, muss es eine der Bedingungen seitens der Politik sein, der Athletenkommission einen deutlichen finanziellen Zuschuss für die professionelle Vertretung der Interessen der Athleten zuzusprechen und für die Zukunft zu garantieren. Es kann nicht sein, dass sich der Dachverband und die Spitzenverbände Berater in den unterschiedlichsten Bereichen auch von zahlreichen externen Dienstleistern leisten können, um sich professioneller aufzustellen und Eigeninteressen möglichst effektiv zu vertreten bzw. auch zu verteidigen, diese Möglichkeit den häufig auf sich allein gestellten Athleten im Gegenzug aber nicht ermöglicht wird. Nur über eine starke Athletenvertretung und einen Abbau des Systems der Abhängigkeiten können sich Dinge im Interesse der Athleten und der Öffentlichkeit verändern. Erfahrungen aus dem Ausland haben dies bereits gezeigt. Dabei haben solche Veränderungen oft nicht nur positive Effekte für die Spitze des Leistungssports, sondern verändern die Bedingungen auch in der Breite. Aus diesem Grund sollte es Ziel der Politik sein, eine direkte Förderung der Athletenvertretungen in den zukünftigen Budgets zur Spitzensportförderung vorzuschreiben. Denn gerade die aktuellen Meinungsäußerungen zeigen, wie wichtig die aktiven Athleten auch als ein Kontrollorgan und Reforminitiator sind. Zudem hätte dies auch Signalwirkung für den Nachwuchssport: die Gruppe der Athleten erhält mehr Wertschätzung und Anerkennung, das aktuelle Spitzensportsystem wird „ent-aristrokratisiert“ und zunehmend demokratisiert. Eine Maßnahme, die dem Spitzensport gerade in Zeiten von Korruption, Manipulation und Doping gut zu Gesicht stehen würde.

Nur über diese wichtigen Veränderungen können sich die Athletensprecher das Know-How zulegen, aktuelle Themen zu analysieren und strategische Ausrichtungen zu entwickeln. In der momentanen Situation ist es den Athletensprechern lediglich möglich, sich um die wichtigsten „Brandherde“ zu kümmern, ohne sich einen wirklich vertieften Einblick in die unterschiedlichen Materien zu verschaffen. In der augenblicklich verzwickten Situation muss man den Kritikern aus den Reihen der Athleten ihren Mut hoch anrechnen, Veränderungen zu Gunsten der Athleten sind unverzichtbar!

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