Frust über das System Sportdeutschland – 11 Artikel zur Spitzensportreform 2017- 2018

Heute treffen sich die Spitzensportverbände um über die Zukunft der Spitzensportreform zu diskutieren. Wie die letzten Wochen gezeigt haben, besteht viel Unruhe und Uneinigkeit darüber wie es in Zukunft mit dem deutschen Spitzensport weitergehen soll. Auch der ehemalige Hochleistungsschwimmer Marco Di Carli kritisiert seinen Verband (Deutschen Schwimm-Verbandes DSV) heftig. Hinsichtlicht der WM-Nominierungen spricht er in einem Brief an den DSV von Willkür. Besonders der DSV steht für eine radikale Zentralisierung des Spitzensports und damit für die aktuellen Ideen der Spitzensportreform.

Die oft geklickte Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ geht mit Artikel 11 weiter und soll zum Denken und Diskutieren anregen. Hier nun die 12 Artikel zur Spitzensportreform 2017 (demnächst folgt Teil 13) und folgt dem blog auch auf facebook und twitter.

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Teil 11: Die Spitzensportreform – ein Drama in… . Link: https://derballluegtnicht.com/2017/06/07/die-spitzensportreform-ein-drama-in-akten-frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-11/

Teil 10b (Exkurs): republica 2017- Wie digitale Medien das Machtmonopol von Spitzensportverbänden verändern (Teil 1). Link: https://derballluegtnicht.com/2017/05/10/republica-2017-wie-digitale-medien-das-machtmonopol-von-spitzensportverbaenden-veraendern-teil-1/

Teil 10: Warum an der Unabhängigkeit der Athletenkommission kein Weg vorbeiführt. Link:https://derballluegtnicht.com/…/warum-an-der-unabhaengigke…/

Teil 9: Die Spitzensportförderung der Bundeswehr hat ausgedient – Warum die Worte Max Hartungs so wichtig sind. Link: https://derballluegtnicht.com/…/die-spitzensportfoerderung…/

Teil 8: Der Zwang zum Staatssport – Die Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr im Fokus. Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-zwang-zum-staatssport-…/

Teil 7:“ Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“ – Wie unabhängig sollte eine Athletenkommission sein? Frust über das System Sportdeutschland. Link:
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Teil 6: Spitzensportförderung – Es könnte so einfach sein – Das Spitzensportgeld – Frust über das System Sportdeutschland. Link: https://derballluegtnicht.com/…/spitzensportfoerderung-es-…/

Teil 5 : Thema: Athletenfokussierung.Titel: Lieber Karriereende als weiterhin Spitzensport? – Um die es gehen sollte, geht es nicht! Link: https://derballluegtnicht.com/…/lieber-karriereende-als-we…/

Teil 4: Themen: Das Potentialanalysesystem PotAS und die Folgen bzw. Fragen, Link:
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Teil 3: Themen= die Dokumente zur Leistungssportreform, Die duale Karriere und das Eckpunktepapier des DOSB, Die Aufgabe der Laufbahnberater, Bildung und Spitzensport – Der studentische Spitzensport, Die Profilquote – Die Vor- und Nachteile, Förderung durch die Bundeswehr. Link: https://derballluegtnicht.com/…/frust-ueber-das-system-spo…/

Teil 2: Themen: Vorraussichtliche Fördersummen 2017,Leistungssportreform – Was bis heute bekannt ist, Die duale Karriere und der DOSB/ adh. Link: https://derballluegtnicht.com/…/frust-ueber-das-system-spo…/

Teil 1: Themen=Ausbeute bei Olympia, die Athleten, das Strategiepapier, Die neuen Cluster 1-3, Kampf hinter den Kulissen. Link: https://derballluegtnicht.com/…/frust-ueber-das-system-spo…/

Der DOSB und seine Spitzensportreform: Weniger ist mehr? Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-dosb-und-seine-spitzen…/

re:publica 2017 – Wie digitale Medien das Machtmonopol von Spitzensportverbänden verändern (Teil 1)

Diskussionsrunde mit Marthe-Victoria Lorenz (fairplaid), Jonathan Koch (Athletenkommission), Jonathan Sachse (Correct!v, fussballdoping.de), Benjamin Bendrich (www.derballluegtnicht.com) auf der re:publica 2017

Impulsreferat (Extended Version) zum Thema Spitzensport und digitale Medien

Skandale haben in letzten Monaten den nationalen und internationalen Spitzensport erschüttert. Weitreichende Doping- und Korruptionsskandale in Zusammenhang mit den am wirtschaftlichen Erfolg interessierten Verbänden IOC und FIFA schaden dem Spitzensport insgesamt nachhaltig. Sowohl national und als auch international wird der Spitzensport zu einem intensiv diskutierten politischen Thema. Der Spitzensport hat dabei erheblich an gesellschaftlichem Ansehen und Glaubwürdigkeit verloren und befindet sich zurzeit in seiner wohl größten Sinnkrise. Besonders Athleten, so auch die deutschen, leiden unter den aktuellen Skandalen und dem  Imageverlust. Da ist es kein Wunder, dass Olympiabewerbungen in Deutschland zurzeit gesellschaftlich nicht gewollt und unrealistisch erscheinen. Noch immer instrumentalisieren Funktionäre den Spitzensport für eigene Interessen und nehmen dabei keine Rücksicht auf die Athleten. Spitzensportler sind gezwungen, sich den intransparenten Verbands- und Förderstrukturen zu fügen.

Besonderheiten in Deutschland beeinflussen die Weiterentwicklung des Spitzensports immens. So hat sich der Fußball zu einem platzraubenden Ungeheuer entwickelt, das alle anderen spitzensportlichen und sportpolitischen Themen zeitweise erstickt, und in Deutschland auch von einer Monokultur Fußball gesprochen werden kann. Die Übermacht des Fußballs lässt den restlichen Spitzensport klein erscheinen.

Außerdem kommt es dieses Jahr zur angekündigten Spitzensportreform, die viele vor eine ungewisse Zukunft stellt. Die Sportförderung in Deutschland ist zwar facettenreich, jedoch teilweise unpräzise und unverhältnismäßig (vgl. Bendrich, 2015, 401). Ordnungspolitisch besteht Handlungsbedarf. Bisher gibt es einen Kompetenzgerangel auf den politischen/ staatlichen Ebenen, der letztendlich zu einem „Spitzensportförderalismus“ führt. Wieder geht es darum die Fördermittel subjektorientiert an die Verbände und Standorte zu verteilen, anstatt die Athleten intensiv mit einzubinden. Grundsätzlich besitzen alle aktuellen Fördermaßnahmen eine Legitimation, da sie interessierten Spitzensportlern in der Theorie unterschiedliche Ausbildungschance eröffnen. Doch wie sieht es mit der Verhältnismäßigkeit der zu vergebenen Förderstellen und der Sinnhaftigkeit verschiedener Förder- und Ausbildungsmöglichkeiten aus? In Teilen kann heute von einem „Berufs-Clustering“ innerhalb der Sportförderung gesprochen werden, da besonders bei der Bundeswehr und der Polizei sowie dem Zoll ein feste monatliche Absicherung für die Zeit der aktiven Karriere gegeben ist. Fördermaßnahmen stehen hinsichtlich der Stellenverteilung, der dualen Karriere und der Qualität der Berufsausbildungen in der Kritik (vgl. Bendrich, 2015, 402). Zudem lässt sich das aktuelle System nicht hinsichtlich Transparenz, Effektivität und Effizienz überprüfen.

Der Dachverband DOSB und das Bundesministerium des Inneren reorganisiert die Spitzensportförderung in Deutschland. Innenminister De Maiziere fordert „mindestens 30 Prozent mehr Medaillen“ zu gewinnen, und ein strenges Streichprogramm ist die Konsequenz. Das Erfolgspotenzial für die Zukunft steht bei diesem Sportförderprogramm im Mittelpunkt. Dazu wird die Zentralisierung forciert und die Stützpunkte werden reduziert. Sportarten werden durch das Potentialanalysesystem bewertet und durch die vorgesehenen Potas-Kommission in drei unterschiedliche Cluster eingeteilt.

Die höchste Förderung gibt es im Exzellenzcluster, die zweite Gruppe bildet das Potenzialcluster, mit Abstrichen bei der Förderung. Wer in die dritte Gruppe abrutscht, damit als Disziplin ohne Erfolgspotenzial eingestuft wird, muss deutliche finanziellen Einbußen erwarten, wenn nicht sogar einen kompletten Förderungsstopp. Wie sollen Disziplinen, die komplett aus der Förderung herausgefallen, wieder den Anschluss schaffen? Unvermeidliche spitzensportliche Schwankungen von Sportlern, besonders bei studentischen Spitzensportlern, werden bis jetzt unterschätzt. Und trotzdem wird es mehr Geld vom Bundesinnenministerium für die Erfolgreichsten der Erfolgreichen geben. Viele Athleten, Trainer, Verbände und Standorte wissen bis heute nicht, was dies konkret für sie bedeutet. Die Unwissenheit, wohin es geht, ist groß. Zurzeit befindet sich der deutsche Spitzensport in einem „Übergangsjahr“. Verträge z.B. von den OSP-Trainern wurden deshalb nur bis zum Ende dieses Jahres verlängert. Athleten müssen aufgrund der Zentralisierung in vielen Fällen ihren Studienort verlassen.Wie soll dies gelingen? Wenn sie es nicht tun, verlieren sie ihren Kaderstatus und werden nicht mehr nominiert.  Lediglich die medaillenaussichtsreichsten Athleten zu fördern, erhöht auch den Druck auf die Bundestrainer und ihre Athleten. Trainer könnten dann versuchen, ein paralleles Studium ihrer zu betreuenden Athleten zu verhindern. Dass sie wenig Verständnis dafür zeigen, wenn ihre Athleten ein Teil ihrer Zeit in ein Studium investieren, ist im neuen System nachvollzeihbar. Die Spitzensportreform wird diesem internen Konflikt nicht ansatzweise gerecht und hat abermals den Athleten und die duale Karriere zu wenig im Fokus. Führen zudem solch einseitig medaillenorientierte ambitionierte Forderungen und der daraus entstehende Druck auf die Athleten und Trainer nicht auch zwangsweise zur einer möglichen Manipulation? Eine breite Öffentlichkeit wünscht sportliche Vorbilder, die nach Leistung streben, jedoch verantwortungsvoll und fair mit ihren Gegnern umgehen. Eine Medaille um jeden Preis ist in der Gesellschaft unerwünscht (vgl. Haut et al., 2014, 11-12).

Auch die Sporthilfe wird ihre Fördermaßnahmen drastisch reformieren. Die Sporthilfe schüttet jährlich durchschnittlich 13 Millionen Euro an Spitzensportler aus, besonders an Athleten, die außerhalb der Bundeswehr, der Polizei und des Zolls eine duale Karriere verfolgen. Bisher haben knapp 4000 Athleten von dieser Förderung profitiert, nun wird dieses Geld auf maximal die Hälfte der Athleten umverteilt und konzentriert. Ausschlaggebendes Kriterium auch hier: „Die Besten am besten fördern“. Damit werden die finanziellen Mittel in Zukunft noch stärker auf die medaillenaussichtsreichsten Athleten konzentriert. Ein Konzept, dass dem britischem Vorbild folgt. Sporthilfe, Dachverband und Ministerium sprechen von höherer Effizienz. Doch damit fallen Athleten sowie ganze Disziplinen aus der Förderung heraus. Wie in Großbritannien ist eine deutlich stärkere Fokussierung auf die Medaillenkandidaten und Disziplinen zu befürchten.

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re:publica 2017

Die Spitzensportreform hinterlässt bei vielen Leistungssportlern gemischte Gefühle. Die Athleten sind sich unsicher, ob die Inhalte der Spitzensportreform den Bedürfnissen der Spitzensportler gerecht werden. Außerdem können Spitzensportverbände und Sportler nicht auf endgültige Entscheidungen im nächsten Jahr warten, die Sportwelt dreht sich täglich weiter. Sicher, ist es wird Gewinner und Verlierer dieser Reform geben.

Doch warum all diese Informationen? Was hat diese Problematik mit digitalen Medien zu tun? Was können Athleten und Vertreter von Disziplinen ohne bzw. mit weniger Förderung in Zukunft tun? Können sie ihre Bedenken und ihren Unmut frei äußern oder müssen sie dann selbst Sanktionen fürchten? Wie können die dabei die digitalen Medien  nutzen? Ist das Netz eine Chance oder auch eine Gefahr? Wie sieht die Vermarktung der Athleten in Zukunft aus? Wie werden Athleten kommunizieren?

Nicht alle Verbände zeigen innovative Eigeninitiativen Reformen durchzuführen und viele haben den digitalen Anschluss verpasst. Verbände wissen z.T. Nicht, was auf sie zukommt. In welches Cluster fällt die jeweilige Disziplin? Die Chancen und Potentiale des Spitzensports, mit Hilfe des Netzes und der sozialen Medien die Kommunikation weiterzuentwickeln und zu intensivieren, ihren Sport zu emotionalisieren und über die neuen Medien ein Publikum an ihre Sportart oder die Sportlerpersönlichkeit zu binden, waren nie größer. Soziale Medien fördern den direkten Austausch mit den Zuschauern, es kommt zu einer stärken Emotionalisierung und einem schnelleren Informationsaustausch. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Spitzensport wird durch das Netz und sozialen Medien ermöglicht, Seiten wie fussballdoping.de von Jonathan Sachse und Daniel Drepper beobachten den Sport und sein Verhalten, solche Wege können die oft mächtigen Filter von Verbänden, Vereinen, Redaktionen oder Sponsoren umgehen und Sportarten auf kritische Art begleiten. So wurden durch die weitreichende Digitalisierung Veränderungen in den Berichterstattungen vorangetrieben, so sind es Journalisten / Blogger/ Athleten, die mit ihren oft umfangreichen Blogs, sich dem Gelegenheitsjournalismus im Sport durch Recherchen entgegenstellen und Veränderungen im Spitzensport herbeiführen bzw. Machenschaften  aufdecken. Journalisten und Blogger wie Jens Weinreich, Hajo Seppelt, Das Team rund um‚ FootballLeaks vom Spiegel, Bianca Schreiber-Rietig, Jonathan Sachse und Daniel Drepper hier in Berlin tragen zu dieser neuen Perspektiven bei. Hinzu kommen auch neue Wege für Spitzensportler durch die digitalen Medien sich in der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Über die sozialen Medien haben sie

1. die Chance mit ihren Fans/ Unterstützern/ Zuschauern direkt in Kontakt zu treten und sie an ihre jeweilige Disziplin zu binden

2. Athleten haben die Möglichkeiten Versäumnisse/ Missstände über das Netz aufzudecken

3. ergeben sich neue Möglichkeiten, sich neben der Verbandsförderung und der deutsche Sporthilfe zu finanzieren – Thema Crowdfunding

Das Ergebnis ist eine größere Kommunikationsautonomie für die Athleten. Die Athleten zeigen sich teilweise noch reserviert, diese Möglichkeiten zu nutzen. Dabei liefern Plattformen wie fairplaid  neue Möglichkeiten und wichtiges Know-How und helfen dem Athleten bzw. dem Verein über Crowdfunding, Gelder für ein konkretes Projekt zu sammeln. Somit bündeln und entfachen neue Plattformen wie fairplaid.org (Gründerin = Diskussionsteilnehmerin), fussballdoping.de (Gründer = Diskussionsteilnehmer), derballluegtnicht.com Interessen und Streitkultur im Sport auf neue Art und Weise.

Teil 2 folgt demnächst…

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Teil 10: Warum an der Unabhängigkeit der Athletenkommission kein Weg vorbeiführt. Link:https://derballluegtnicht.com/…/warum-an-der-unabhaengigke…/

Teil 9: Die Spitzensportförderung der Bundeswehr hat ausgedient – Warum die Worte Max Hartungs so wichtig sind. Link: https://derballluegtnicht.com/…/die-spitzensportfoerderung…/

Teil 8: Der Zwang zum Staatssport – Die Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr im Fokus. Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-zwang-zum-staatssport-…/

Teil 7:“ Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“ – Wie unabhängig sollte eine Athletenkommission sein? Frust über das System Sportdeutschland. Link:
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Frust über das System Sportdeutschland – 10 Artikel zur Spitzensportreform 2017

der ball lügt nicht zum nationalen und internationalen Spitzensport. Auch für http://www.derballluegtnicht.com waren die letzten Monate sehr spannend und mit hohen Klickzahlen verbunden, sodass auch in den nächsten Wochen weitere Analysen folgen werden. Die oft geklickte Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ sollte zum Denken und Diskutieren anregen. Ein Spitzensport, der weiter in fester Hand der Funktionäre bleibt, wird diesen weiter schädigen. Hoffen wir auf Veränderungen. Hier nun die 10 Artikel zur Spitzensportreform 2017 (demnächst folgt Teil 11) und folgt dem blog auch auf facebook und twitter.

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Athletenrechte, wo sind sie? – Das March Madness – Turnier als Beispiel der Ausbeutung von Sportlern (Der US-Collegesport Teil 1)

Video (Peter Gilbert, Sports Storytelling program/ Wake Forest, director: Manie Robinson)

Der US-Collegesport ist „in“, die Zuschauerzahlen des March Madness im Basketball steigen weltweit und das Interesse innerhalb der USA scheint nicht abzureißen (siehe z.B. New York Times). Millionen von Menschen füllen jährlich die sogenannten „Brackets“ (Ausfüllen des Turnierbaums) aus, beschäftigen sich schlagartig mit Statistiken und Taktiken, wetten legal bzw. illegal auf Spiele ihrer Alma Mater und besuchen regionale Vorentscheide. Dieses Thema dominiert die Medienlandschaft auf allen Kanälen über die nächsten Wochen; die Sportarten Basketball und Football sind die beiden Zugpferde der NCAA und die Haupteinnahmequelle des nationalen Verbandes. Zusammen mit Baseball und Eishockey (an einigen Universitäten) werden diese Sportarten als „high profile sports“ bezeichnet. Eine Differenzierung zu anderen Sportarten ist wichtig, um das System hinsichtlich seiner Vor- und Nachteile zu analysieren.

Alle anderen Sportarten werden zwar genauso professionell betrieben, sind jedoch „low profile sports“, da sie fast nie finanzielle Gewinne abwerfen. Trotzdem werden in beiden Bereichen interessante Stipendien vergeben.

Immer mehr europäische Nachwuchstalente wie der Berliner Moritz Wagner (University of Michigan) erhalten attraktive Stipendien, um ihre dualen Karrieren nach dem Schulabschluss/ Abitur in den USA fortzusetzen. Europäische Spitzensportler profitieren dabei vom US-Collegesystem sowohl im „high profile sports“ als auch „low profile sports“. Diese Athleten haben oft im akademischen und sportlichen Bereich Erfolg, da sie mit guten akademischen Voraussetzungen an die amerikanischen Hochschulen wechseln. Im internationalen Vergleich garantiert das Abitur einen gewissen Standard, was den meisten studentischen Spitzensportlern zu einem guten Studienstart in den USA verhilft und viele der deutschen Athleten auch nach vier bzw. fünf Jahren ihren Hochschulabschluss erhalten (vgl. Bendrich, 2015).

Für einheimische afro-amerikanische Basketball- und Footballspieler sieht die Realität an den meisten Universitäten jedoch anders aus. Sie werden häufig bereits mit illegalen Mitteln (z.B. teuren Geschenken für die Familie, Parties) an die jeweiligen Universitäten gelockt, dort von der Außenwelt abgeschirmt und als sportliches Aushängeschild der jeweiligen Bildungsinstitution genutzt. Akademischer Erfolg dieser Athleten hat für viele Universitäten keine Priorität. Sportler aus den „high profile sports“ (Basketballer, Footballer) sind zudem oft durch ihre Biographie schlecht auf ein Studium vorbereitet, sodass der akademische Abschluss bereits von Anfang an außer Reichweite erscheint. Auch eine Profikarriere scheint für die Mehrzahl der Athleten unrealistisch – lediglich 1, 1% der Athleten wechselt in die Profiliga (vgl. NCAA, 2017). Eine nicht geringe Anzahl von Universitäten und ihre Athletic Departments missbrauchen die Athleten in den „high profile sports“ für die eigene finanzielle Profitgier. Skandale wie an den Elitehochschulen Penn State und University of North Carolina verdeutlichen, wie skrupellos die Institutionen agieren und zeigen, dass diese Verfehlungen nicht die Ausnahme sind. Ganze Hochschulseminare und Vorlesungen werden erfunden, Credits verschenkt und selbst hochgradig kriminelle Machenschaften (Kindesmissbrauch durch Trainer) wie an der Penn State University werden über Jahre hinweg vertuscht, um den Sport und die Universität nicht zu beschmutzen (vgl. Sports Illustrated, 2011).

So kommt es permanent zu einer ungleichen Verteilung der finanziellen Mittel innerhalb des amerikanischen Collegesystems. Wie beim IOC (und teilweise der FIFA) profitieren besonders Funktionäre und Athletic Directors und im Fall der NCAA zusätzlich die Startrainer von den finanziellen Einkünften. Trainer, oft glorifiziert als Halbgötter des gesamten Campus, in vielen Universitäten auch durch den jeweiligen Universitäts-präsidenten unantastbar, profitieren erheblich von der Vermarktung ihrer Spieler. Schlussendlich sind es oft weiße Funktionäre bzw. Trainer, die ein millionenschweres Jahresgehalt erhalten (vgl. Bendrich, 2013).

Die NCAA hat durch die Vermarktung des March Madness nahezu identische Umsatzzahlen wie das IOC und die Olympischen Spiele. In beiden Fällen können die Athleten nicht direkt von den Sponsoren der Ausrichter profitieren. Im Collegesport müssen nach den Regeln der NCAA alle Athleten „Amateure“ sein und im Hinblick auf die Olympischen Spiele verhindert der Paragraph 40 der Olympischen Charta, dass Athleten Privatsponsoren für einen bestimmten Zeitraum während, vor und nach Olympischen Spielen repräsentieren dürfen. Außer natürlich man heißt Michael Phelps!

Die Athleten erhalten so kein Stück des lukrativen „March Madness-Kuchens“. Parallelen der Systeme sind offensichtlich. Die Verbände missbrauchen die Athleten für ihre eigenen finanziellen Interessen. Nicht der Athlet, die Quelle jeglicher sportlicher Leistung, profitiert von seinen Erfolgen, sondern die Funktionäre dieser Organisationen. Seit den 60er Jahren und den ersten Fernsehverträgen ist das March- Madness- Konzept der NCAA ein hoch lukratives Finanzmodell. Kabelfernsehen und Sportkanäle haben den College Basketball zu einer nationalen, wenn nicht sogar einer internationalen Obsession revolutioniert. Heute kann man weltweit alle Spiele des March Madness live und on demand verfolgen. Dieses mediale Monster ist jährlich ein Milliardengeschäft, an dem die Athleten selbst nichts verdienen.

1991 erhielt die NCAA $28 Millionen Dollar für die Fernsehübertragungen. Wenige Jahre später unterzeichnete die NCAA den ersten großen Vertrag mit dem Fernsehsender CBS, der dem Verband 6 Millliarden Dollar in 11 Jahren garantierte. Damit stieg die NCAA in die Liga des IOCs auf und konnte auf ähnliche finanzielle Möglichkeiten und Umsätze verweisen. Im Jahr 2010 wurde dieser Vertrag abermals aufgebessert, sodass die NCAA zurzeit allein mit den Fernsehrechten bis 2024 11 Milliarden Dollar bzw. 771 Millionen Dollar pro Jahr an Fernsehgelder verdienen wird. Doch auch dieser Deal wurde letztes Jahr bereits auf 8 Jahre verlängert und bringt dem Verband weitere 8,8 Milliarden bis ins Jahr 2032 (vgl. NCAA, 2016). Das March Madness-Event ist ein Milliarden schweres Unternehmen, die Einnahmen stellen dabei 89 % des gesamten Umsatzes des Verbandes dar. Zusätzlich erhält eine Vielzahl von Funktionären in der nagelneuen 50 Millionen Dollar teuren Zentrale in Indianapolis hohe sechs- bis siebenstellige Gehälter, um die „wohl geölte Gelddruckmaschine“ am Laufen zu halten (vgl. Branch, 2011).

Durch diese historisch hohen Fernsehgelder wurden auch die Werbeunterbrechungen für die übertragenden Fernsehsender wie CBS immer wichtiger und lukrativer. Heute beinhaltet jedes Spiel allein 4 Fernseh-Timeouts pro Halbzeit, die allein von den Fernsehregisseuren genommen/ gesteuert werden können. Ein Spiel ist heute auch fremd gesteuert (siehe NCAA, 2016, Media Time-Outs). Neben diesen Media-Timeout gibt es zudem zahlreiche Timeouts durch die jeweiligen Trainer. Ein Spiel wird zunehmend wie die Profiliga zu einem Werbemarathon und für viele Arenabesucher zur Geduldsprobe, da sie während des Spiel häufig auf den nächsten Einwurf warten müssen.

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Die NCAA – Bildungsförderer oder Bildungshürde? Es kommt auf die Sportart und Herkunft an.

Begriffe wie Sklaverei und Ausbeutung sind bezogen auf die Athleten in den „high profile sports“ nicht weit hergeholt. Bis heute trainieren diese Athleten mehrmals täglich und erhalten dafür lediglich Essen, Logie und Reisekosten. In der englischen Sprache heißen solche Arbeitsverhältnissen „Indentured Servitude“. Zusätzlich profitieren die bereits wohlhabenden Trainer von dieser Art des Systems. Die fünf bestbezahltesten Trainer des diesjährigen March Madness-Turniers sind Duke’s Mike Krzyzewski (bis 2016 auch Nationaltrainer des Team USA), John Calipari (Kentucky), Sean Miller (Arizona), Bill Self (Kansas), und Tom Izzo (Michigan State). Sie alle verdienen durchschnittlich rund 5.5 Millionen Dollar (Coach K’s $7.3 Millionen Dollar) und bessern ihre fürstlichen Gehälter zusätzlich mit privaten Sponsoren auf. Ähnlich hohe Trainergehälter sind auch im American Football vorzufinden (z.B. Jim Harbaugh mit 9 Millionen $ Jahresgehalt).

In den siebziger und achtziger Jahren beliefen sich die Jahresgehälter der Basketballtrainer in der Division I noch auf Beträge im mittleren fünfstelligen Bereich, eine durchaus vertretbare Größenordnung (vgl. LA Times, 2013). Heute muss sich jeder Universitätsprofessor fragen, ob er von seiner jeweiligen Bildungsinstitution noch ernst genommen wird, wenn der Trainer des eigenen Basketballteams ein Vielfaches mehr verdient. Damit wird auch deutlich, wie sehr sich der Sport in den Universitäten von den Bildungseinrichtungen entfernt hat und wie umfangreich die Trainer von den hohen Einnahmen, neben den vielen Funktionären, seit den 80er Jahren profitiert haben.

Die einzige Gruppe innerhalb des Systems, für die sich wenig verändert, für die sich möglicherweise die Situation sogar verschlechtert hat, sind die Athleten. Sie können von den hohen Einnahmen nicht profitieren und müssen heute im Vergleich zu Spielern in den 70er oder 80er Jahren noch weiter reisen, noch mehr Spiele absolvieren, noch mehr PR- Termine wahrnehmen, haben zudem ein höheres Verletzungsrisiko (oft ohne eine Krankenversicherung) und verpassen noch mehr Vorlesungen in ihren Universitäten. Ein Abschluss wird so im Basketball und Football nahezu unmöglich. Diese Sportler werden heute mehr den je durch das System ausgenutzt und missbraucht. Bereits 2014 stellte die Basketballlegende und der Bürgerrechtler Kareem Abdul Jabbar in einem Artikel für das Jacobin Magazin fest: „Life for student-athletes is no longer the quaint Americana fantasy of the homecoming bonfire and a celebration at the malt shop. It’s big business in which everyone is making money — everyone except the eighteen to twenty-one-year-old kids who every game risk permanent career-ending injuries…. in the name of fairness, we must bring an end to the indentured servitude of college athletes and start paying them what they are worth.”(Abdul -Jabbar, 2014).

Die „high-profile sports“ Athleten profitieren zu wenig von den Einnahmen, obwohl sie wie die Olympiateilnehmer der Ausgangpunkt jeglicher Leistung sind. Zudem ist es erschreckend, dass weltweit anerkannte und renommierte Bildungsinstitutionen diesen Weg mitgehen und Mitglieder ihrer Bildungsinstitutionen auf diese Art und Weise ausbeuten.

Athleten beginnen, sich besser zu organisieren, sind auf dem Weg Gewerkschaften zu gründen und ziehen vor Gericht. Das sind erste Schritte, die Situation zu verändern. Das System wird sich zu Gunsten der Athleten nicht freiwillig reformieren.

Weitere Artikel zu den Athletenrechten, der Spitzensportreform 2017 in Deutschland, zum studentischen Spitzensport und Doping in der NBA auf http://www.derballluegtnicht.com.

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