Der DOSB und seine Spitzensportreform – Weniger ist mehr?

tonyhiskett
Goldmedaillen der Olympischen Spiele in London 2012 (photo: Tony Hiskett)

Kurz vor der Veröffentlichung des Teil 8 (23.12.2016, hier auf http://www.derballluegtnicht.com) der Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ zunächst ein kurzer Überblick über aktuelle Entwicklungen im deutschen Spitzensport. Die Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ wird in den nächsten Wochen weitere Teilaspekte der Spitzensportreform analysieren.

Das Ansehen des internationalen Spitzensports verliert auch in den letzten Wochen des Jahres weiter an Wert. Trotz der internationalen Skandale des Jahres 2016 und der umfangreichen Dopingvergangenheit in West- und Ostdeutschland scheint die Goldmedaille beim Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und dem Bundesministerium des Inneren weiterhin nicht an Anziehungskraft zu verlieren. Vielmehr werden durch die aktuellen Zielformulierungen nach mehr Medaillen vergleichbare dopingbehaftete internationale Systeme auch in Deutschland indirekt eingefordert. Der DOSB und das Bundesministerium des Inneren wollen den deutschen Spitzensport wieder international erfolgreich machen – mit einer Reform der Sportförderung, die Medaillen und den maximalen Erfolg in das Zentrum setzt. Doch bei den Sportlern herrscht Sorge und Ungewissheit. Viele Sportler haben Angst vor der Zukunft.

Von dieser Angst war jedoch auf der Mitgliederversammlung des DOSB weder etwas zu spüren noch zu hören. Vielmehr wurden am Freitagabend der Mitgliederversammlung jegliche Dissonanzen geglättet, sodass  bereits am Samstagmorgen die Einheit des organiserten Sportes abermals präsentiert werden konnte. Der Spitzensport (hinsichtlich seiner Verbände und Funtionäre)  stand  einmal mehr zusammen, um die Steuermillionen des Bundesministerium des Inneren zu erhalten. Die DOSB-Mitglieder haben die Spitzensportreform auf der 13. DOSB-Vollversammlung in Magdeburg mit überwältigender Zustimmung beschlossen. Für das umstrittene Konzept sprachen sich 433 der 439 anwesenden Mitglieder aus. Es gab lediglich fünf Enthaltungen sowie eine Gegenstimme durch die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG).

Abermals kam auch nach Ansicht der Deutschen Olympischen Gesellschaft und  des Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes die Frage nach dem Wert des Sports innerhalb der Gesellschaft deutlich zu kurz. Eine einzige Gegestimme verdeutlicht den Ist-Zustand des organiserten Sports.

Auch die Spitzensportler kritiseren den Abschluss, viele von ihnen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Carina Bär z.B. kann sich den Spitzensport nicht mehr leisten. Die neue vorgesehene Stützpunktpflicht hat die 26-Jährige Medizinstudentin, die an der Ruhr-Uni in Bochum eingeschrieben ist und seit Ende November in ihrer Heimatstadt Heilbronn den ersten Teil ihres PJs absolviert, deutlich kristisiert und  die neuen Vorgaben des Dachverbandes als „massives Erpressungspotenzial“ bezeichnet. Bär sagt: „Wohnst du nicht am geforderten Ort, wirst du nicht mehr zur Förderung vorgeschlagen.“ (Link: http://www.waz.de/meinung/was-carina-baer-von-nico-rosberg-unterscheidet-id208997169.html?__pwh=cPC+%2FfQvJmfIXs5Jw3T8qA%3D%3D).

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Olympia-Übertragungen im TV

Desweiteren werden die Olympischen Spiele nicht mehr bei ARD und ZDF zu sehen sein und damit erstmals nicht im öffentlichen Fernsehen. Ob dies Konsequenzen für den Sport aber auch die einzelnen Athleten haben wird, bleibt unklar.

Hier eine kritische Auseinandersetzung mit der Sportberichterstattung in Deutschland und weltweit. Sportjournalismus sollte mehr als Produktvermarktung sein. Eine kurze Analyse des Ist-Zustands.

Eine Intensivierung des investigativen Sportjournalismus wäre in heutigen Zeiten wünschenswert, um den Sumpf von Korruption und Dopingvergehen zumindest ansatzweise trocken zu legen.

Morgen (am 23.12.2016) folgt Teil 8 der Reihe „Frust über das System Deutschland“ hier auf http://www.derballluegtnicht.com
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