Der olympische Teufelskreis – Wer kann ihn durchbrechen?

John Carlos antwortete auf die Frage, warum es die Olympischen Spiele nur alle vier Jahre gäbe: „Damit das IOC all das Geld auch zählen kann“. Carlos selbst Olympionike und Menschenrechtler wurde nach seiner Protestaktion (Er und sein Teamkollege Smith streckten während der Siegerehrung ihre Faust nach oben, das damalige Symbol der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung Black Power-Bewegung) zusammen mit seinem Teamkameraden Tommie Smith von den Olympischen Spielen 1968 ausgeschlossen. Carlos, dessen Protest sich gegen die Diskriminierung der afro-amerikanischen Bevölkerung richtete, wurde bei den Spielen 1968 zunächst als Vaterlandsverräter betitelt, gilt heute jedoch als einer der bedeutendsten und anerkanntesten politischen Aktivisten in der US-amerikanischen Sportgeschichte. Wieviel Wahrheit steckt hinter seiner Aussage?

Das System Olympia 

Das Olympische Komitee sieht die Olympischen Spiele als den Motor des Friedens, die olympische Bewegung als Triebwerk, Menschen aus aller Welt zusammenzubringen. Es ist eine Bewegung mit noblen Absichten, die für das IOC als Legitimationsfassade dienen. Schaut sich ein aktiver Spitzensportler die aktuelle Konstruktion des weltweit größten sportlichen Wettkampfes und die Strukturen des Organisators an, so muss er desillusioniert an die Worte von John Carlos zurückdenken. Der Sport ist ein Geschäft, es geht es um viel Geld. Wo sind innerhalb dieses Konstrukts noch positive Veränderungen möglich und wer kann diese Veränderungen herbeiführen?

Durch aktuelle Entscheidungen und Skandale ist der Schaden für die olympische Idee bzw. olympische Marke, für manche vielleicht überraschend, überschaubar. Historisch gesehen ist der olympische Sport schon immer ein Spektakel, ein Schauspiel mit Skandalen, das an einen modernen Gladiatorenkampf erinnert. Dies hat auch innerhalb des Anti-Dopingkampfes, zweifelsohne schon seit Jahrzehnten, zu einer Entkopplung vom Gesagten und dem Handeln geführt. Diese Entkopplung dient dazu das Narrativ des sauberen Sports (auf der Formalstruktur) in der Öffentlichkeit zu sichern. Die tatsächliche Ineffektivität dieses Kampfes auf der Aktivitätsebene scheint für den Großteil des Konstellationsakteurs Zuschauer unerheblich. Zwar werden positive Dopingtests der Spitzensportler in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert, jedoch führen sie bis heute nicht dazu, dass sich die Zuschauer in großen Zahlen vom Sport abwenden. Das Problem: Viel eher festigt sich unter den Fans die fatale Annahme, dass ohnehin alle Spitzensportler gedopt sind und somit wieder ein ausgeglichener Wettkampf möglich ist. Dies hat zudem zur Folge, dass es einerseits ehrliche Athleten nicht gelingt ihre Sauberkeit mit Hilfe von Dopingkontrollen zu beweisen, andererseits dopende Athleten häufig das Know-How besitzen, eine positive Dopingprobe zu vermeiden.

 Die Russlandaffäre – Skandale als Geschäftsmodell 

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Hinsichtlich der Russlandaffäre, dem wohl größten Dopingskandal der olympischen Geschichte, kann im Rückblick festgestellt werden, dass die Betrüger – besonders die im Hintergrund agierende hochrangigen Funktionäre – nicht belangt werden und eine vollständige Wiederaufnahme Russlands durch das IOC demnächst vollzogen wird. Zudem beweisen die neuen Erkenntnisse zu den Dopingtests bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, dass Weiterlesen „Der olympische Teufelskreis – Wer kann ihn durchbrechen?“

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Athletes‘ Rights in 2018: Indentured Servitude in Global Elite Sports – Rule 40 as a Textbook Example – Athletenrechte in 2018 (UPDATE)

Statement by the German Athletes‘ Commission regarding Rule 40

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Info: An extensive article about rule 4O of the Olympic Charta and the decision of the German Cartel Office that changes need to be made to allow athletes to profit from the Games can be read below. The article is written in English and in parts written in note form. It was first published on http://www.derballluegtnicht.com on the 3rd of January 2018

Short info in German: Ein ausführlicher Artikel zur Regel 40 des IOC und der Auswirkungen auf die Athleten. Was bringt die Entscheidung des Bundeskartellamts für die Athleten und warum die Diskussion nicht abreißen wird. Der Artikel wird auf Englisch veröffentlicht, da das Interesse im Ausland ähnlich hoch ist und http://www.derballluegtnicht.com Anfragen zu diesem Thema aus dem Ausland erhalten hat.

Info: An extensive article about rule 4O of the Olympic Charta and the decision of the German Cartel Office that changes need to be made to allow athletes to profit from the Games. The article is written in English and in parts written in note form.

Short info in German: Ein ausführlicher Artikel zur Regel 40 des IOC und der Auswirkungen auf die Athleten. Was bringt die Entscheidung des Bundeskartellamts für die Athleten und warum die Diskussion nicht abreißen wird. Der Artikel wird auf Englisch veröffentlicht, da das Interesse im Ausland ähnlich hoch ist und http://www.derballluegtnicht.com Anfragen zu diesem Thema aus dem Ausland erhalten hat.

Global elite sports is currently going through the worst crisis of its’ history. But the current situation can also be seen as a opportunity for organizations to reform themselves or to renew them from the outside. To restore trust in sports federations and associations, changes are necessary to prevent continued exploitation of athletes, doping, corruption, bribery, fraud, sexual harassment to finally make federations more transparent. How is change possible?

Federations like FIFA, IOC, IAAF, NCAA and other international and national sports players generate millions of dollars for their enterprises. Although there is a huge investment of capital into elite sports and a noticeable professionalization, many of the expected benefits like: wage increases, (health) insurances, unionization, workers’ protection and investments into education of athletes (dual careers) are still often missing. To some extend similar situations can be found in Olympic, Non-Olympic, Paralympic movements as well as in US-college sports (NCAA).
In all of these cases still the weakest component is the athlete – the source of each performance. Sports organizations/ federations are powerful entities and are often independent from national regulation and control.

In many cases the gap between the revenue generated by the federations and what athletes receive has only increased. Although elite sports has changed on many levels, the situation of the athletes in many sports federations is grotesquely similar to the days when most athletes started their sports careers. In fact, the biggest differences for athletes nowadays, are that they travel more often and further, participate in more sporting events or games, risk more injuries, and have less possibilities in terms of pursuing a vocational training/ education or dual career (Zirin, 2017). So athletes can be seen as indentured servants of these entities, who signed a contract with the IOC, NOC or the NCAA by which they agreed to work for a certain number of months or years in exchange for transportation to the venues, training facilities and dorms and, once they arrived, food, clothing (in case of the Olympics – the clothes of their NOC’s supplier; in case of the NCAA- clothes of the Athletic Department’s supplier), and shelter (Olympic village / dorms). Many associations and their officials seem to be profit-grabbing cartels that with the help of rules like IOC’s Rule 40 or the NCAA’s Restitution Rule keep the athletes in a position of indentured servitude. Athletes have to start to examine the organizational and business side of their respective sports for example from the revenues they generate through merchandise, audience, social media and TV deals.

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Die Spitzensportförderung der Bundeswehr hat ausgedient – Warum Max Hartungs Worte so wichtig sind – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 9)

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Spitzensportförderung der Bundeswehr – Noch zeitgemäß oder ein Rohrkrepierer? (Foto: USArmy)

Die Förderung der Spitzensportler innerhalb der Bundeswehr besitzt innerhalb des DOSB bis heute Priorität und gilt im Dachverband als unangefochtene und effizienteste Form der Spitzensportförderung des Bundes. Zudem genießt diese Art der Förderung einen starken politischen und sportpolitischen Rückhalt. So sorgte das Interview des Athletensprechers Max Hartung in der vergangenen Woche für Aufruhr bei den Verbänden und Funktionären. Der neue Athletensprecher hatte die „Goldene Kuh“ des Dachverbandes diskreditiert und die seit Jahren bekannte Ineffizienz dieser Sportförderung öffentlich in einem Zeitungsinterview angesprochen.

Reaktion des Dachverbandes

Für die Funktionäre in Frankfurt war dies ein absolutes „No Go“. Beim Dachverband kam die Kritik des frisch gewählten Vorsitzenden der Athletenkommission nicht gut an, sodass sich der DOSB gezwungen sah, bereits wenig später eine Stellungnahme zu veröffentlichen und sich von den Aussagen Hartungs zu distanzieren. Der ehemalige Hochleistungssportler und Goldmedaillengewinner sowie heutiger Vizepräsident des DOSB Ole Bischof äußerte sich zu den Aussagen Hartungs, um die Wogen in der Öffentlichkeit zu glätten bzw. eine Diskussion im Keime zu ersticken. Die Stellungnahme im Wortlaut:

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Frust über das System Sportdeutschland – Die Teile 1 bis 8 – In 2017 geht es weiter…

Weitere Teile zur Spitzensportreform 2016/2017:

Teil 8: Der Zwang zum Staatssport – Die Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr im Fokus. Link: https://derballluegtnicht.com/2016/12/23/der-zwang-zum-staatssport-frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-8/

Teil 7:“ Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“ – Wie unabhängig sollte eine Athletenkommission sein? Frust über das System Sportdeutschland (Teil 7) Link: https://derballluegtnicht.com/2016/12/01/das-geheimnis-der-freiheit-ist-der-mut-wie-unabhaengig-sollte-eine-athletenkommission-sein-frust-ueber-sportdeutschland-teil-7/

Teil 6: Spitzensportförderung – Es könnte so einfach sein – Das Spitzensportgeld – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 6) Link: https://derballluegtnicht.com/2016/10/29/spitzensportfoerderung-es-koennte-so-einfach-sein-frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-6/

Teil 5 : Thema: Athletenfokussierung.Titel: Lieber Karriereende als weiterhin Spitzensport? – Um die es gehen sollte, geht es nicht! Link: https://derballluegtnicht.com/2016/10/12/lieber-karriereende-als-weiterhin-spitzensport-um-die-es-gehen-sollte-geht-es-nicht-frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-5/

Teil 4: Themen: Das Potentialanalysesystem PotAS und die Folgen bzw. Fragen, Link: https://derballluegtnicht.com/2016/10/07/die-potentialanalyse-potas-und-die-folgen-bzw-fragen-frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-4/

Teil 3: Themen= die Dokumente zur Leistungssportreform, Die duale Karriere und das Eckpunktepapier des DOSB, Die Aufgabe der Laufbahnberater, Bildung und Spitzensport – Der studentische Spitzensport, Die Profilquote – Die Vor- und Nachteile, Förderung durch die Bundeswehr. Link: https://derballluegtnicht.com/2016/09/30/frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-3-das-eckpunktepapier/

Teil 2: Themen: Vorraussichtliche Fördersummen 2017,Leistungssportreform – Was bis heute bekannt ist, Die duale Karriere und der DOSB/ adh. Link: https://derballluegtnicht.com/2016/09/25/frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-2/

Teil 1: Themen=Ausbeute bei Olympia, die Athleten, das Strategiepapier, Die neuen Cluster 1-3, Kampf hinter den Kulissen. Link: https://derballluegtnicht.com/2016/08/23/frust-ueber-das-system-sportdeutschland-teil-1/

Der DOSB und seine Spitzensportreform: Weniger ist mehr? Link: https://derballluegtnicht.com/2016/12/21/der-dosb-und-seine-spitzensportreform-weniger-ist-mehr/

Weitere Themen auf http://www.derballluegtnicht.com aus 2016:

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Foto (Quelle): https://www.flickr.com/photos/familymwr/28453220414/

Der Zwang zum Staatssport – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 8)

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Bundeswehrsoldaten (Foto: Andreas Cappell / modifiziert)

Kommentar: In dem folgenden Artikel geht es nicht darum, den Sportsoldaten in Misskredit zu bringen, sondern vielmehr strukturelle Schwächen dieser Fördermaßnahme aufzudecken. Auch geht es nicht darum, diese Fördermaßnahme in Gänze zu diskreditieren oder abzuschaffen. Vielmehr geht es darum, Fördersummen für den Spitzensport nach den tatsächlichen Berufsinteressen der Athleten zu verteilen. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass über 20% der Athleten Berufssoldaten werden möchten. Dieser Wunsch besteht in der Gesamtbevölkerung ebenfalls nicht. Sollte ein Athlet den Wunsch nach einer Karriere innerhalb der Bundeswehr haben, sollte er auch die Möglichkeit einer Berufsausbildung bei den Streitkräften erhalten, um somit auch nach der spitzensportlichen Karriere innerhalb der Bundeswehr arbeiten zu können.

Das Bundesministerium der Verteidigung erhält über 60 Millionen Euro für die Sportförderung der Bundeswehr, über die Hälfte werden exklusiv in die Spitzensportförderung investiert. Über ein Fünftel des aktuellen Gesamtetats für den Spitzensport in Deutschland ist somit für ca. 800 Athleten in der Bundeswehr. Die exklusiven Förderplätze werden durch den DOSB und das Streitkräfteamt in Relation zu den Förderkontingenten für olympische und nicht-olympische Spitzenverbände verteilt, dabei sind ca. 20 Millionen Euro der insgesamt über 30 Millionen Euro für Personalkosten der Spitzensportler vorgesehen (vgl. Bundesministerium des Inneren, 2011, Anlage 4).

Im Bundeswehrhaushalt wird die Fördersumme des Sports bzw. Spitzensports nicht explizit aufgeschlüsselt, was eine Effizienzüberprüfung auch nach der aktuellen Spitzensportreform unmöglich macht. Inoffiziell gehen Mitarbeiter jedoch von einer Gesamtsumme von bis zu 100 Millionen Euro im Jahr aus. Die Angaben der Bundeswehr belaufen sich auf rund 60 Millionen Euro. Diese Zahlen verdeutlichen die gute finanzielle Situation der Athleten während ihrer Karriere bei der Bundeswehr (vgl. Bendrich, 2015, 81).

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Der DOSB und seine Spitzensportreform – Weniger ist mehr?

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Goldmedaillen der Olympischen Spiele in London 2012 (photo: Tony Hiskett)

Kurz vor der Veröffentlichung des Teil 8 (23.12.2016, hier auf http://www.derballluegtnicht.com) der Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ zunächst ein kurzer Überblick über aktuelle Entwicklungen im deutschen Spitzensport. Die Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ wird in den nächsten Wochen weitere Teilaspekte der Spitzensportreform analysieren.

Das Ansehen des internationalen Spitzensports verliert auch in den letzten Wochen des Jahres weiter an Wert. Trotz der internationalen Skandale des Jahres 2016 und der umfangreichen Dopingvergangenheit in West- und Ostdeutschland scheint die Goldmedaille beim Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und dem Bundesministerium des Inneren weiterhin nicht an Anziehungskraft zu verlieren. Vielmehr werden durch die aktuellen Zielformulierungen nach mehr Medaillen vergleichbare dopingbehaftete internationale Systeme auch in Deutschland indirekt eingefordert. Der DOSB und das Bundesministerium des Inneren wollen den deutschen Spitzensport wieder international erfolgreich machen – mit einer Reform der Sportförderung, die Medaillen und den maximalen Erfolg in das Zentrum setzt. Doch bei den Sportlern herrscht Sorge und Ungewissheit. Viele Sportler haben Angst vor der Zukunft.

Von dieser Angst war jedoch auf der Mitgliederversammlung des DOSB weder etwas zu spüren noch zu hören. Vielmehr wurden am Freitagabend der Mitgliederversammlung jegliche Dissonanzen geglättet, sodass  bereits am Samstagmorgen die Einheit des organiserten Sportes abermals präsentiert werden konnte. Der Spitzensport (hinsichtlich seiner Verbände und Funtionäre)  stand  einmal mehr zusammen, um die Steuermillionen des Bundesministerium des Inneren zu erhalten. Die DOSB-Mitglieder haben die Spitzensportreform auf der 13. DOSB-Vollversammlung in Magdeburg mit überwältigender Zustimmung beschlossen. Für das umstrittene Konzept sprachen sich 433 der 439 anwesenden Mitglieder aus. Es gab lediglich fünf Enthaltungen sowie eine Gegenstimme durch die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG).

Abermals kam auch nach Ansicht der Deutschen Olympischen Gesellschaft und  des Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes die Frage nach dem Wert des Sports innerhalb der Gesellschaft deutlich zu kurz. Eine einzige Gegestimme verdeutlicht den Ist-Zustand des organiserten Sports.

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„Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“ – Wie unabhängig sollte eine Athletenkommission sein? Frust über Sportdeutschland (Teil 7)

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Kette oder Ringe – Was ist der Olympische Gedanke?  (Photo: Ian Burt)

Eine Athletenvertretung, die ernstgenommen und auf Augenhöhe mit den Verbänden argumentieren möchte, muss vollständig unabhängig sein und sich die Worte Perikles’ zu Herzen nehmen. Aktuell setzen sich die Athletenvertreter zwar für eine Unabhängigkeit ein, aber mit dem Wissen, ein persönliches biographisches Risiko einzugehen, agieren sie vorsichtig. Die meisten Athleten sind traditionell Einzelkämpfer, verhalten sich aufgrund ihrer fehlenden Erfahrungen unmündig und zurückhaltend und werden nicht selten ausschließlich durch das System selbst beraten. Kritisches Denken kommt durch die gegebenen Machtstrukturen oft zu kurz. Zudem sind die Sportler in den aktuellen Strukturen des Systems sozialisiert und haben nur in diesem Rahmen Erfahrungen gesammelt. Sie wissen, dass jede Äußerung Auswirkungen auf die Förderung haben kann. Das Monopol der Verbände macht es einem Athleten unmöglich, sich unabhängig von einem Verband für sportliche Wettkämpfe zu qualifizieren. Kritische Athleten werden nach ihrer Karriere oft nicht für weitere Aufgaben im Spitzensport herangezogen. Zudem fehlen den Athletensprechern die nötigen zeitlichen und finanziellen Kapazitäten sowie die Legitimation einer echten Interessensvertretung, um dem DOSB die Stirn zu bieten.

Die Athleten bewegen sich in einem historisch gewachsenen System der Abhängigkeiten, das seine Athleten durch die Förderung über die Verbände hörig macht. Der Athlet wird durch die Fokussierung auf Medaillen weiter „entmündigt“. Sowohl national und international haben die Athleten bis heute keine eigene, unabhängige Stimme (keine Interessensvertretung bzw. international gibt es bereits Optionen, die sich jedoch bis heute auf Teilbereiche oder einzelne Sportarten beziehen). Sie werden durch das Monopol der Spitzenverbände klein gehalten und haben z.B. im DOSB hinsichtlich der Fragen der Vermarktung, die Athletinnen und   Athleten betreffen, lediglich Mitspracherecht, können z.B. während Olympia durch den Paragraphen 40 der olympischen Charta als Vertragsknechte bezeichnet werden, da sie lediglich für Unterkunft, Essen, Transport “entschädigt“ werden und parallel die Sponsoren ihres Dachverbandes präsentieren. Von den Einnahmen der Wettkämpfe erhalten sie nichts.

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