Die Spitzensportreform – ein Drama in … Akten – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 11)

Zurzeit rücken die Protagonisten De Maiziere und Hörmann wieder in das Rampenlicht des Dramas „Spitzensportreform 2017“. Nahezu alle Informationen werden durch „Monologe“ der involvierten Personen an die Zuschauer (Öffentlichkeit) vermittelt. Ist das Ganze eine Komödie oder eher eine Tragödie? Vieles deutet zurzeit auf letzteres hin. Befindet sich die aktuelle Diskussion bzw. das Drama bereits an der Peripetie (Wende- oder Höhepunkt) oder steht diese noch bevor.

Aktuell wird wieder ausgiebig über die Spitzensportreform diskutiert. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), das Bundesinnenministerium (BMI) und die Verbände sind sich uneinig wann mit der Finanzierung der Spitzensportreform begonnen werden soll. Die beiden Initiatoren und Verfechter der aktuellen Spitzensportreform, der Dachverband DOSB und das Ministerium des Inneren, entfernen sich dabei immer mehr voneinander; inwieweit war dieses Verhältnis in der Vergangenheit überhaupt durch Vertrauen und Kommunikation geprägt oder standen und stehen vielmehr eigene Interessen im Vordergrund? Die Spitzensportreform war von Anfang an in der Kritik. So forderten Innenminister De Maiziere und DOSB Präsident Hörmann immer wieder mehr Transparenz und Offenheit, jedoch zeigen die aktuellen Diskussionen, dass es besonders den eigenen Institutionen an diesen Eigenschaften mangelt. Die fehlende Transparenz scheint die Spitzensportreform und die betroffenen Verbände besonders zu belasten. Viele Verbände wissen nicht, wie es nächstes Jahr weitergehen soll.

Auch die Spitzenverbände sind mittlerweile uneins über die Reform. Diese Diskussion wird mittlerweile über die Medien und die Öffentlichkeit ausgetragen, sodass nun auch offiziell von Umsetzungsproblemen gesprochen werden kann. Mittlerweile ist bekannt, dass für das Haushaltjahr 2018 nicht das Geld bewilligt wurde, was der DOSB und seine Verbände gerne bekommen hätten. Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruderverbandes und Sprecher der deutschen Spitzensportverbände sprach in einem Interview mit dem Deutschlandfunk von einer „massiven Enttäuschung“. Grund ist die Nichtbewilligung der zusätzlichen 39 Millionen Euro, die der Spitzensport nach Aussagen der Spitzensportverbände für die Umsetzung der Reform dringend benötigt.

Diesen zusätzlichen Mittel wurden zwar in den Haushalt 2018 eingebracht, aber nun auch aufgrund der vielen Kritikpunkte des Bundesrechnungshofs abgelehnt. So spricht Ole Schröder, Staatssekretär im Innenministerium, in der aktuellen Diskussion von einem „Missverständnis“ und verdeutlicht, dass für sein Ministerium von Anfang an klar war, dass zunächst alle Potentiale überprüft werden müssen, bevor sie auch als förderungswürdig beurteilt werden können. Diese Sichtweise bestätigte auch Innenminister De Maiziere bei einer Veranstaltung am 31. Mai in Berlin. De Maiziere bezeichnete die aktuelle Diskussion als „völlig unangebracht“. Der Innenminister verdeutlichte einmal mehr, dass eine finanzielle Aufstockung erst nach der Umsetzung der Vorgaben möglich sei, dies sei von seinem Ministerium stets so an den Dachverband kommuniziert worden. Es stellt sich die Frage, inwieweit dem DOSB die Forderungen des BMI bekannt waren. Denn das Bundesministerium des Inneren bestätigte einmal mehr, dass die aktuelle Vorgehensweise bereits im letzten Jahr vor der Vollversammlung deutlich kommuniziert wurde. Es steht damit Aussage gegen Aussage. Zudem wirft Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im Ministerium des Inneren, den Verbänden vor, die Forderung nach einer Erhöhung des Fördermittel beziehe sich auf Zahlen aus 2015 und würden eine „mangelnde Etatreife“ offenlegen.

Die Verbände hingegen waren durch die Aussagen des BMI und DOSB immer von einer Anschubfinanzierung ausgegangen, die bereits vor einer solchen Überprüfung der Potentiale ausgeschüttet wird. Die gestörte Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren verdeutlicht, wie vielfältig und unterschiedlich die Probleme in den einzelnen Institutionen sind. Insgesamt zeigen die Diskussionen eine mangelhafte Konzeption und Kommunikation mit vielen offenen Fragen,

  • So versprach das BMI und der DOSB den Verbänden in Gesprächen zusätzliche Gelder, auch um die Zustimmung  bei der 13. Vollversammlung des DOSB in Magdeburg für die Reform zu erhalten. Die Reform wurde im Dezember 2016 mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen. Unter den 439 Stimmberechtigten gab es nur eine einzige Gegenstimme und fünf Enthaltungen. Alfons Hörmann äußerte nach dieser überwältigenden Mehrheit von 98,6 Prozent der Delegierten folgendermaßen: „Ich verspreche, dass wir mit der Umsetzung keine Woche warten, sondern direkt am Montag beginnen“. Sein Ziel war es nach diesem eindrucksvollen Signal der Einheit durch den Sport keine Zeit mehr zu verlieren.
  • Für die Gegenseite hat sich die Situation gravierend verändert, so drohen DOSB und Spitzenverbände aus dieser Reform auszusteigen, weil die zusätzlichen Fördermittel nicht im Haushalt vermerkt sind.

Dabei scheinen sich die wegweisenden Akteure DOSB und BMI zurzeit nicht einig zu werden, wie der genaue Fahrplan der Spitzensportreform auszusehen hat. Vermehrt werden Stimmen in den Spitzenverbänden laut, die ihren Unmut über die aktuelle Ungewissheit äußern. Besonders hart treffen diese Entscheidungen abermals Trainer, deren Verträge nicht, beziehungsweise an den Olympiastützpunkten lediglich bis Ende des Jahres verlängert wurden, und die Athleten. Zum einen wissen viele Spitzensportler nicht was ihnen bevorsteht. So äußerte sich Kaderathletin Hoffmann auf dem 13. Kölner Abend der Sportwissenschaft folgend: „Bei der Spitzensportreform steht man vor einem Phantom. Man weiß nicht genau, was sie für die Athleten bedeutet.“ Zum anderen sehen selbst Top-Athleten an der Spitze des deutschen Leistungssports die Reform mittlerweile kritisch. Besonders die Leistungsanforderungen werden auch im Hinblick auf die Nachwuchsförderung erheblich kritisiert. Nach Meinung vieler Athleten sendet die Spitzensportreform die völlig falschen Signale an die eigene Jugend.

Wie geht es danach weiter? Vieles bleibt ungeklärt. Kommt es im Drama „Spitzensportreform 2017“ im 5. Akt zu einer Katastrophe (Auflösung des Konfliktes) und so womöglich zu einer seelischen „Reinigung“ der Zuschauer durch Furcht oder Mitleid? Wir werden es sehen…

 

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Teil 8: Der Zwang zum Staatssport – Die Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr im Fokus. Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-zwang-zum-staatssport-…/

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Der DOSB und seine Spitzensportreform: Weniger ist mehr? Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-dosb-und-seine-spitzen…/

 

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Autor: derballluegtnicht

Writes about the politics of sports. For him sports and politics always mix.

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