Die Spitzensportreform – ein Drama in … Akten – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 11)

Zurzeit rücken die Protagonisten De Maiziere und Hörmann wieder in das Rampenlicht des Dramas „Spitzensportreform 2017“. Nahezu alle Informationen werden durch „Monologe“ der involvierten Personen an die Zuschauer (Öffentlichkeit) vermittelt. Ist das Ganze eine Komödie oder eher eine Tragödie? Vieles deutet zurzeit auf letzteres hin. Befindet sich die aktuelle Diskussion bzw. das Drama bereits an der Peripetie (Wende- oder Höhepunkt) oder steht diese noch bevor.

Aktuell wird wieder ausgiebig über die Spitzensportreform diskutiert. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), das Bundesinnenministerium (BMI) und die Verbände sind sich uneinig wann mit der Finanzierung der Spitzensportreform begonnen werden soll. Die beiden Initiatoren und Verfechter der aktuellen Spitzensportreform, der Dachverband DOSB und das Ministerium des Inneren, entfernen sich dabei immer mehr voneinander; inwieweit war dieses Verhältnis in der Vergangenheit überhaupt durch Vertrauen und Kommunikation geprägt oder standen und stehen vielmehr eigene Interessen im Vordergrund? Die Spitzensportreform war von Anfang an in der Kritik. So forderten Innenminister De Maiziere und DOSB Präsident Hörmann immer wieder mehr Transparenz und Offenheit, jedoch zeigen die aktuellen Diskussionen, dass es besonders den eigenen Institutionen an diesen Eigenschaften mangelt. Die fehlende Transparenz scheint die Spitzensportreform und die betroffenen Verbände besonders zu belasten. Viele Verbände wissen nicht, wie es nächstes Jahr weitergehen soll.

Auch die Spitzenverbände sind mittlerweile uneins über die Reform. Diese Diskussion wird mittlerweile über die Medien und die Öffentlichkeit ausgetragen, sodass nun auch offiziell von Umsetzungsproblemen gesprochen werden kann. Mittlerweile ist bekannt, dass für das Haushaltjahr 2018 nicht das Geld bewilligt wurde, was der DOSB und seine Verbände gerne bekommen hätten. Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruderverbandes und Sprecher der deutschen Spitzensportverbände sprach in einem Interview mit dem Deutschlandfunk von einer „massiven Enttäuschung“. Grund ist die Nichtbewilligung der zusätzlichen 39 Millionen Euro, die der Spitzensport nach Aussagen der Spitzensportverbände für die Umsetzung der Reform dringend benötigt.

Diesen zusätzlichen Mittel wurden zwar in den Haushalt 2018 eingebracht, aber nun auch aufgrund der vielen Kritikpunkte des Bundesrechnungshofs abgelehnt. So spricht Ole Schröder, Staatssekretär im Innenministerium, in der aktuellen Diskussion von einem „Missverständnis“ und verdeutlicht, dass für sein Ministerium von Anfang an klar war, dass zunächst alle Potentiale überprüft werden müssen, bevor sie auch als förderungswürdig beurteilt werden können. Diese Sichtweise bestätigte auch Innenminister De Maiziere bei einer Veranstaltung am 31. Mai in Berlin. De Maiziere bezeichnete die aktuelle Diskussion als „völlig unangebracht“. Der Innenminister verdeutlichte einmal mehr, dass eine finanzielle Aufstockung erst nach der Umsetzung der Vorgaben möglich sei, dies sei von seinem Ministerium stets so an den Dachverband kommuniziert worden. Es stellt sich die Frage, inwieweit dem DOSB die Forderungen des BMI bekannt waren. Denn das Bundesministerium des Inneren bestätigte einmal mehr, dass die aktuelle Vorgehensweise bereits im letzten Jahr vor der Vollversammlung deutlich kommuniziert wurde. Es steht damit Aussage gegen Aussage. Zudem wirft Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im Ministerium des Inneren, den Verbänden vor, die Forderung nach einer Erhöhung des Fördermittel beziehe sich auf Zahlen aus 2015 und würden eine „mangelnde Etatreife“ offenlegen.

Die Verbände hingegen waren durch die Aussagen des BMI und DOSB immer von einer Anschubfinanzierung ausgegangen, die bereits vor einer solchen Überprüfung der Potentiale ausgeschüttet wird. Die gestörte Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren verdeutlicht, wie vielfältig und unterschiedlich die Probleme in den einzelnen Institutionen sind. Insgesamt zeigen die Diskussionen eine mangelhafte Konzeption und Kommunikation mit vielen offenen Fragen,

  • So versprach das BMI und der DOSB den Verbänden in Gesprächen zusätzliche Gelder, auch um die Zustimmung  bei der 13. Vollversammlung des DOSB in Magdeburg für die Reform zu erhalten. Die Reform wurde im Dezember 2016 mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen. Unter den 439 Stimmberechtigten gab es nur eine einzige Gegenstimme und fünf Enthaltungen. Alfons Hörmann äußerte nach dieser überwältigenden Mehrheit von 98,6 Prozent der Delegierten folgendermaßen: „Ich verspreche, dass wir mit der Umsetzung keine Woche warten, sondern direkt am Montag beginnen“. Sein Ziel war es nach diesem eindrucksvollen Signal der Einheit durch den Sport keine Zeit mehr zu verlieren.
  • Für die Gegenseite hat sich die Situation gravierend verändert, so drohen DOSB und Spitzenverbände aus dieser Reform auszusteigen, weil die zusätzlichen Fördermittel nicht im Haushalt vermerkt sind.

Dabei scheinen sich die wegweisenden Akteure DOSB und BMI zurzeit nicht einig zu werden, wie der genaue Fahrplan der Spitzensportreform auszusehen hat. Vermehrt werden Stimmen in den Spitzenverbänden laut, die ihren Unmut über die aktuelle Ungewissheit äußern. Besonders hart treffen diese Entscheidungen abermals Trainer, deren Verträge nicht, beziehungsweise an den Olympiastützpunkten lediglich bis Ende des Jahres verlängert wurden, und die Athleten. Zum einen wissen viele Spitzensportler nicht was ihnen bevorsteht. So äußerte sich Kaderathletin Hoffmann auf dem 13. Kölner Abend der Sportwissenschaft folgend: „Bei der Spitzensportreform steht man vor einem Phantom. Man weiß nicht genau, was sie für die Athleten bedeutet.“ Zum anderen sehen selbst Top-Athleten an der Spitze des deutschen Leistungssports die Reform mittlerweile kritisch. Besonders die Leistungsanforderungen werden auch im Hinblick auf die Nachwuchsförderung erheblich kritisiert. Nach Meinung vieler Athleten sendet die Spitzensportreform die völlig falschen Signale an die eigene Jugend.

Wie geht es danach weiter? Vieles bleibt ungeklärt. Kommt es im Drama „Spitzensportreform 2017“ im 5. Akt zu einer Katastrophe (Auflösung des Konfliktes) und so womöglich zu einer seelischen „Reinigung“ der Zuschauer durch Furcht oder Mitleid? Wir werden es sehen…

 

10 Artikel zur Spitzensportreform 2017 und folgt dem blog auch auf facebook und twitter.

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Teil 10: Warum an der Unabhängigkeit der Athletenkommission kein Weg vorbeiführt. Link:https://derballluegtnicht.com/…/warum-an-der-unabhaengigke…/

Teil 9: Die Spitzensportförderung der Bundeswehr hat ausgedient – Warum die Worte Max Hartungs so wichtig sind. Link: https://derballluegtnicht.com/…/die-spitzensportfoerderung…/

Teil 8: Der Zwang zum Staatssport – Die Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr im Fokus. Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-zwang-zum-staatssport-…/

Teil 7:“ Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“ – Wie unabhängig sollte eine Athletenkommission sein? Frust über das System Sportdeutschland. Link:
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Der DOSB und seine Spitzensportreform: Weniger ist mehr? Link: https://derballluegtnicht.com/…/der-dosb-und-seine-spitzen…/

 

Warum an der Unabhängigkeit der Athletenkommission kein Weg vorbeiführt – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 10)

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Track and Field (@Steven Pisano)

„Unabhängigkeit im Denken ist das erste Kennzeichen der Freiheit. Ohne sie bleibst du ein Sklave der Umstände.“ (Swami Vivekânanda)

Steht der Athlet im Mittelpunkt der aktuellen Spitzensportreform? Die Aussagen der Athletensprecher im Sportausschuss am Mittwoch, dem 08.03.17 und die ersten Analyse der Reform auch auf dieser Internetseite lassen etwas anderes vermuten (siehe Frust über das System Sportdeutschland).

Die aktuellen Athletensprecher haben ein wichtiges Problem erkannt und verbalisieren es in der Öffentlichkeit: Es kann nicht sein, dass sechs Athleten, die selbst noch im Spitzensport aktiv sind, ehrenamtlich die Rechte der Athleten vertreten und verteidigen sollen. Zu sechst sollen sie national und international Verbänden/ Nationen die Stirn bieten und dies ohne jegliche Vorerfahrungen in diesem Bereich und finanzielle Mittel.

Verbände und Funktionäre, oft über Jahrzehnte Teil des Systems und gut vernetzt, können die aktiven Athletensprecher mit einfachen Mitteln wie mögliche Nominierungen oder auch finanzielle Unterstützungen unter Druck setzen (siehe Frust über das System Sportdeutschland Teil 7).

Es wird Zeit, dass insbesondere auch die Politik und die Ministerien ihrer Überwachungsfunktion gegenüber dem Spitzensport nachkommen und verstärkt die Athleten, und weniger Verbände und bestehende Strukturen unterstützen, sondern endlich erkennen, dass der Sport nur zu einem Besserem verändert werden kann, wenn auch die Athleten den nötigen finanziellen Zuschuss und Einfluss zurückerhalten und eine Athletenvertretung vollständig unabhängig vom mächtigen DOSB agieren kann. Wie kann es sein, dass die Athletenkommission bis heute vollständig abhängig ist von seinem Dachverband? Wie soll es so gelingen, die Interessen unabhängig zu vertreten?

Bis heute hat der Dachverband ein Machtmonopol inne, das Reformen und Veränderungen erheblich bremst, wenn nicht sogar verhindert. So ist es auch wenig überraschend, dass der Deutsche Olympische Sportbund auf das Bestreben seiner Athletenvertretung nach mehr Unabhängigkeit distanziert reagiert.

Nach der doch erkennbaren Einigkeit innerhalb der Sportausschusssitzung am Mittwoch steht besonders auch die Politik in der Pflicht, diese Veränderungen öffentlich einzufordern und schlussendlich durch politische Einflussnahme herbeizuführen. So werden in Zusammenhang mit der kontroversen, jedoch bereits verabschiedeten Spitzensportreform seit einigen Monaten neue erheblich höhere finanzielle Zuschüsse für den Spitzensport diskutiert und in den nächsten Jahren auch ausgeschüttet. Der Bund steht nun in der Verantwortung, für eine sinnvolle Verteilung der öffentlichen Gelder zu sorgen. Wenn es dem Sportausschuss und dem Bund ernst ist um einen fairen, vorbildlichen und nachhaltigen Spitzensport, muss es eine der Bedingungen seitens der Politik sein, der Athletenkommission einen deutlichen finanziellen Zuschuss für die professionelle Vertretung der Interessen der Athleten zuzusprechen und für die Zukunft zu garantieren. Es kann nicht sein, dass sich der Dachverband und die Spitzenverbände Berater in den unterschiedlichsten Bereichen auch von zahlreichen externen Dienstleistern leisten können, um sich professioneller aufzustellen und Eigeninteressen möglichst effektiv zu vertreten bzw. auch zu verteidigen, diese Möglichkeit den häufig auf sich allein gestellten Athleten im Gegenzug aber nicht ermöglicht wird. Nur über eine starke Athletenvertretung und einen Abbau des Systems der Abhängigkeiten können sich Dinge im Interesse der Athleten und der Öffentlichkeit verändern. Erfahrungen aus dem Ausland haben dies bereits gezeigt. Dabei haben solche Veränderungen oft nicht nur positive Effekte für die Spitze des Leistungssports, sondern verändern die Bedingungen auch in der Breite. Aus diesem Grund sollte es Ziel der Politik sein, eine direkte Förderung der Athletenvertretungen in den zukünftigen Budgets zur Spitzensportförderung vorzuschreiben. Denn gerade die aktuellen Meinungsäußerungen zeigen, wie wichtig die aktiven Athleten auch als ein Kontrollorgan und Reforminitiator sind. Zudem hätte dies auch Signalwirkung für den Nachwuchssport: die Gruppe der Athleten erhält mehr Wertschätzung und Anerkennung, das aktuelle Spitzensportsystem wird „ent-aristrokratisiert“ und zunehmend demokratisiert. Eine Maßnahme, die dem Spitzensport gerade in Zeiten von Korruption, Manipulation und Doping gut zu Gesicht stehen würde.

Nur über diese wichtigen Veränderungen können sich die Athletensprecher das Know-How zulegen, aktuelle Themen zu analysieren und strategische Ausrichtungen zu entwickeln. In der momentanen Situation ist es den Athletensprechern lediglich möglich, sich um die wichtigsten „Brandherde“ zu kümmern, ohne sich einen wirklich vertieften Einblick in die unterschiedlichen Materien zu verschaffen. In der augenblicklich verzwickten Situation muss man den Kritikern aus den Reihen der Athleten ihren Mut hoch anrechnen, Veränderungen zu Gunsten der Athleten sind unverzichtbar!

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Die Spitzensportförderung der Bundeswehr hat ausgedient – Warum Max Hartungs Worte so wichtig sind – Frust über das System Sportdeutschland (Teil 9)

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Spitzensportförderung der Bundeswehr – Noch zeitgemäß oder ein Rohrkrepierer? (Foto: USArmy)

Die Förderung der Spitzensportler innerhalb der Bundeswehr besitzt innerhalb des DOSB bis heute Priorität und gilt im Dachverband als unangefochtene und effizienteste Form der Spitzensportförderung des Bundes. Zudem genießt diese Art der Förderung einen starken politischen und sportpolitischen Rückhalt. So sorgte das Interview des Athletensprechers Max Hartung in der vergangenen Woche für Aufruhr bei den Verbänden und Funktionären. Der neue Athletensprecher hatte die „Goldene Kuh“ des Dachverbandes diskreditiert und die seit Jahren bekannte Ineffizienz dieser Sportförderung öffentlich in einem Zeitungsinterview angesprochen.

Reaktion des Dachverbandes

Für die Funktionäre in Frankfurt war dies ein absolutes „No Go“. Beim Dachverband kam die Kritik des frisch gewählten Vorsitzenden der Athletenkommission nicht gut an, sodass sich der DOSB gezwungen sah, bereits wenig später eine Stellungnahme zu veröffentlichen und sich von den Aussagen Hartungs zu distanzieren. Der ehemalige Hochleistungssportler und Goldmedaillengewinner sowie heutiger Vizepräsident des DOSB Ole Bischof äußerte sich zu den Aussagen Hartungs, um die Wogen in der Öffentlichkeit zu glätten bzw. eine Diskussion im Keime zu ersticken. Die Stellungnahme im Wortlaut:

„Ole Bischof, DOSB-Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), kommt beim Thema Bundeswehr zu einer völlig anderen Bewertung als der neue Vorsitzende der Athletenkommission, Max Hartung, dies in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geäußert hat. „Für uns ist die Bundeswehr als institutioneller Partner unverzichtbar“, sagte Bischof, „Wir werden selbstverständlich ihre Angebote weiter wahrnehmen. Wir danken der Bundeswehr für ihr Leistungssport-Engagement an zahlreichen und zweifelsohne äußerst wichtigen Stellen auf dem Weg unserer Athletinnen und Athleten in die Weltspitze.“

Erst im Juli hat der DOSB gemeinsam mit der Deutschen Sporthilfe eine Kooperationsvereinbarung zur Stärkung der „Dualen Karriere“ von Bundeswehr-Athletinnen und -Athleten unterzeichnet. Damit wird die berufliche Beratung der Sportsoldatinnen und Sportsoldaten durch eine vertiefte Zusammenarbeit von Bundeswehr und DOSB verbessert. Eine wertvolle Ergänzung für die Bundeswehr-Athleten bildet darüber hinaus die Öffnung der Initiative „Sprungbrett Zukunft“ der Deutschen Sporthilfe, bei der sich mehr als 100 Wirtschaftsunternehmen für Maßnahmen der „Dualen Karriere“ engagieren. Diese vertiefte Kooperation von Bundeswehr, DOSB und Deutscher Sporthilfe eröffnet so den Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern der Bundeswehr ein deutlich größeres Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten und erhöht ihre Chancen auf einen verzugslosen Berufseinstieg“ (DOSB, 2017).

Die mit wenigen Argumenten gefüllte Stellungnahme des DOSB lässt den Leser wissen, dass der Dachverband auch weiterhin plant, diese Art der Förderung beizubehalten und der Verband die Meinung Hartungs nicht teilt. Vielmehr wird die Bundeswehr in der Stellungnahme als unverzichtbarer Partner des Dachverbandes bezeichnet.

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Innenminister De Maiziere im Interview (Foto: EU2016 NL)

Auch Bundesinnenminister de Maiziere lässt keinen Zweifel daran, dass an dieser Förderung festgehalten werden soll. Der Innenminister und ehemalige Verteidigungsminister glaubt, dass einige Sportler mit 18 Jahren noch nicht wüssten, welchen Beruf sie ausüben wollen und diesen sollte man es ermöglichen, sich erst nach ihrer spitzensportlichen Karriere mit 30 oder 35 Jahren für einen Beruf zu entscheiden. De Maiziere ist sich sicher, dass jene Athleten bei der Bundeswehr die nötige Sicherheit erhielten (siehe DLF, 2017). Die Bundeswehr ist seiner Meinung nach „ein gutes Sprungbrett für eine duale Karriere.“

Doch entsprechen diese Sichtweisen der Realität?

Ursachenforschung für uneingeschränkte Unterstützung der Bundeswehrförderung

Doch warum wird die Bundeswehr vom DOSB und Bundesministerium des Inneren als unverzichtbarer Partner angesehen? Will de Maiziere so wie im Interview mit dem DLF angesprochen, genauso wie der Dachverband, dass sich Spitzensportler vollständig auf ihre spitzensportliche Karriere konzentrieren, anstatt nebenbei auch noch eine Berufsausbildung voranzutreiben?

Ziel des Dachverbandes und der politischen Partner ist es, den Sport „professionell“ zu betreiben, auch dieses Ziel bestätigt de Maiziere mit seinen Aussagen im Deutschlandfunk. In diesem Zusammenhang kann in Westdeutschland schon seit Jahrzehnten eine Tendenz zum Staatssport erkannt werden (vgl. Krüger/ Emrich, 2010, 93). Die oft kritisch gesehenen „Staatsamateure“ des Ostens sind in der Bundeswehr deutlich zu erkennen, obwohl sie nicht in das demokratische System Deutschlands passen und damit Systemkonformität vermissen lassen. Selbst der Olympiastützpunktleiter Diederich stellt bereits 2009 in einem Interview fest:

„Staatsamateure?! Letztendlich ja. Vielleicht ist die Begrifflichkeit etwas unglücklich. Aus meiner Sicht zumindest. Aber letztendlich ist es aber so, dass man die Sportfördergruppen letztendlich auch deswegen unter anderem auch eingerichtet hat, um unseren Sportlern und Sportlerinnen die gleichen Rahmenbedingungen zu verschaffen, wie es insbesondere in den Ostblockländern seit ewigen Zeiten schon gang und gäbe ist“ (Bernd Diederich1 in Sport Inside, 2009).

Bundeswehrathleten können sich durch die finanzielle und moralische Unterstützung der Armee auf den Leistungssport konzentrieren und werden zu Vertragsamateuren. Im Hinblick auf die Förderstellen der Bundeswehr kommt es zudem zu einem „Selektionseffekt“. Emrich et al. stellen fest, dass besonders Absolventen von Eliteschulen des Sports die Karriere bei den Streitkräften verfolgen (vgl. Emrich et al., 2009, 159). Die ehemaligen Eliteschüler bzw. –sportler sind jene Nachwuchssportler, welche, gemessen am Förderumfang, bereits zu Schulzeiten die höchsten finanziellen Zuwendungen erhielten (vgl. Radtke/ Coalter, 2007, 121). Das hohe persönliche finanzielle Risiko Leistungssport erscheint für die Zeit der aktiven Karriere bei der Bundeswehr am geringsten. Motivation und Antrieb gehen aufgrund der singulären Fokussierung oft verloren. Die singuläre Verengung der eigenen Perspektive hat somit nicht nur biographisch gesehen Folgen, sondern auch spitzensportlich. Maennig kritisiert bereits 2012 und in einer Sportausschusssitzung des Bundestages die Förderstruktur der Bundeswehr. Maennig stellt fest, dass die Bundeswehrathleten in den Olympiamannschaften von London (2012) und Rio (2016) im Durchschnitt signifikant weniger Medaillen gewinnen als ihre Olympiamannschaftskollegen. Maennig errechnet, dass die Medaille eines Sportsoldaten mindestens das Siebenfache einer Medaille eines durch die Sporthilfe geförderten Spitzensportlers kostet (vgl. Maennig, 2012, 2). In Rio gewannen von den 821 (Nachtrag: 821 = Gesamtgruppe der durch die Bundeswehr geförderten Athleten, 127 waren Teil der Olympiamannschaft in Rio, 115 in London) angestellten Bundeswehr-Sportsoldaten lediglich 19 eine Medaille.

2012 gab es Kritik an der Zählweise der Medaillen Maennigs seitens der Bundeswehr, doch auch wenn man die Mannschaftswettbewerbe für alle beteiligten Institutionen mit jeweils einem Medaillengewinn zählt, wird deutlich, dass die Bundeswehr den geringsten sportlichen Erfolg bei Olympischen Sommerspielen verbuchen kann (siehe Bendrich, 2015). Die Statistiken bestätigen die folgende Aussage Hartungs:

„Bei der Bundeswehr sind gut 700 Sportlerinnen und Sportler beschäftigt, und nicht einmal nur die besten. Für den Rest der Athleten steht nicht einmal ein Viertel dieser Summe zur Verfügung. Wenn es nach mir ginge, würde ich vorschlagen, das Geld anders einzusetzen und es ohne den Umweg über die Bundeswehr direkt an die Sportler auszuschütten“ (FAZ, 2017). Alle anderen Fördermaßnahmen mit deutlich weniger Geld produzieren mehr Erfolge als die Fördermaßnahmen der Bundeswehr.

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Kann man die Probleme noch ausbügeln? (Foto: H.M.Karshis)

Die Finanzierung – Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr (finanziellen Zuschüsse)

Das Verteidigungsministerium hat in den letzten Jahren durchschnittlich eine Summe von über 60 Millionen Euro für die Sportförderung erhalten (vgl. Bundesinnenministerium des Inneren, 2011, 1) und davon über 50 % „exklusiv in die Spitzensportförderung investiert, Zitatende? was heißt, dass über ein Viertel des Gesamtetats des Spitzensports in Deutschland für ca. 800 Athleten in der Bundeswehr zur Verfügung steht. Die Förderplätze werden durch den DOSB und das Streitkräfteamt in Relation zu den Förderkontingenten für olympische und nicht-olympische Spitzenverbände verteilt (vgl. Bundeministerium des Inneren, 2010b, 6). 20 Millionen Euro der insgesamt 33 Millionen Euro sind für Personalkosten der Spitzensportler vorgesehen (vgl. Bundesministerium des Inneren, 2011). Die zurzeit über 10 Sportfördergruppen der Bundeswehr profitieren spürbar von diesen finanziellen Zuschüssen.

Die duale Karriere der Bundeswehrsoldaten wird durch die intensive finanzielle und ideelle Förderung der Bundeswehr gewürdigt. Zusätzlich erhält die Bundeswehr 270.000 Euro als Verpflegungszuschuss für die Leistungssportler. Im Bundeswehrhaushalt ist die Summe der Förderung des Sports und Spitzensports nicht aufgeschlüsselt, inoffiziell wird die Gesamtsumme auf bis zu 100 Millionen Euro im Jahr geschätzt, offiziellen Angaben der Bundeswehr zufolge belaufen sich die Ausgaben auf ca. 60 Millionen Euro. Dies verdeutlicht die gute finanzielle Unterstützung der Sportler während ihrer sportlichen Karriere bei der Bundeswehr“ (Bendrich, 2015).

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Braucht der Spitzensport die Bundeswehr?

Effizienz der Spitzensportförderung innerhalb der Bundeswehr

Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass die Förderung innerhalb der Bundeswehr gravierende Mängel vorzuweisen hat und die Athleten besonders nach ihrer aktiven Karriere auch mit den erwähnten Veränderungen (siehe Statement DOSB) wie dem Programm „Sprungbrett“ deutliche biographische Nachteile haben. Über 95% der Athleten verbleiben nach ihrer aktiven Karriere nicht in der Bundeswehr und müssen sich zwangsläufig beruflich umorientieren. Zudem differenziert Hartung richtigerweise zwischen der Bundeswehr und den beiden anderen Institutionen, der Bundespolizei und des Zolls. Es zeigt, dass sich der Athletensprecher mit der Thematik detailliert auseinandergesetzt hat und er sich der Problematik der staatlichen Förderung bewusst ist. Hartung sagt: „Bei der Polizei, in den Ländern und beim Bund erhalten die geförderten Athleten eine Berufsausbildung und haben die Aussicht, nach dem Sport übernommen zu werden. Bei der Bundeswehr ist dies generell nicht der Fall“.

Hartung kristisiert, dass die Streitkräfte bei ihrer Förderung nicht nach Leistung differenzieren und der Verwaltungsaufwand, der bei der Bundeswehr entstehe, enorm sei. Dies bestätigt der Bundesrechnungshof und bemängelt die fehlenden Erfolgskontrollen.

In vielen Bereichen ist selbst für den Bundesrechnungshof nicht erkennbar, für was die finanziellen Mittel eingesetzt werden. So ist auch eine Effizienzanalyse von außen unmöglich (vgl. Bundesrechnungshof, 2009, 158). „Bislang konnte die höhere Effektivität einer dualen Karriere bei der Bundeswehr gegenüber anderen Formen der Förderung von Spitzensportlern nicht belegt werden. Der Bundesrechnungshof beanstandet das Eigenleben des Sports und die nicht vorhandenen Effizienzüberprüfungen des Systems, genauso wie die Intransparenz und die fehlende Sportkonzeption in Bezug auf den Spitzensport dieser zum öffentlichen Dienst gehörenden Institution. Im Erlass aus dem Jahre 1992 zur Durchführung der Spitzensportförderung sind keine Ziele der Förderung oder Integrationsansätze für das gesamte Sportkonzept der Bundeswehr zu identifizieren (vgl. Bundesrechnungshof, 2009, 158)“ (Bendrich, 2015, 89-90). Besonders das fehlende Sportkonzept ist ein Armutszeugnis für die Spitzensportförderung innerhalb der Streitkräfte.

 

Berufliche und spitzensportliche Förderung in der Bundeswehr

Innenminister de Maiziere sieht die Bundeswehr als ein wichtiges Sprungbrett der dualen Karriere an. De Maiziere spricht zudem hinsichtlich der Spitzensportförderung in Deutschland von einer generellen Wahlfreiheit der Athleten, doch genau diesen Aspekt kritisieren Hartung und viele Athleten, denn viele von ihnen wollen nicht Teil der Bundeswehr sein, nutzen die Förderung jedoch oft auch gegen ihren Willen, da sie von ihren jeweiligen Verbänden gedrängt und eben nur bei der Bundeswehr die finanziellen Sicherheiten während der spitzensportlichen Karriere erhalten, die sie in vielen anderen Bereichen bis heute vermissen. Von einer vorhandenen Wahlfreiheit zu sprechen, entspricht nicht der Realität.

Des weiteren hat die singuläre Fokussierung der Athleten während ihrer spitzensportliche Karriere, auch im Anschluss nicht den Vorteil – wie der Innenminister behauptet -, dass sich der Athlet nach der Karriere erst für einen Beruf entscheiden muss. Vielmehr überwiegen die Nachteile beim Start einer beruflichen Ausbildung mit Ende 20 bzw. Anfang 30. Viele dieser Athleten sind bereits allein durch ihr Alter in der Berufswelt weit abgehängt, zudem bedarf eine Karriereplanung einer besonderen Disziplin, sich in diesem Alter nochmals fortzubilden. Viele der Athleten haben jahrelang keine Bildungsinstitution mehr besucht, eine Rückkehr zu diesen Strukturen fällt naturgemäß schwer und gelingt nur mit eisernem Willen. Vielen gelingt es jedoch nicht, sodass sie biographisch bereits mit Anfang 30 weit abgehängt sind und der Übergang in die Berufswelt schwerfällt bzw. misslingt und sie abermals auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Die singuläre Fokussierung in der Bundeswehr ist mit einem hohen persönlichen biographischen und finanziellen Risiko verbunden, dies verschweigt de Maiziere in seinen Ausführungen. Zudem gibt es im Bereich der Bundeswehr weitere fragwürdige strukturelle Gegebenheiten.

„Bundestrainer und Sportdirektoren haben im Rahmen der Strukturen der Bundeswehr oftmals den Rang eines Feldwebels inne und sind diejenigen, die die Talente für die Bundeswehr aussuchen“ (vgl. Reinsch, 2011, 32 in Bendrich, 2015). Athleten sind so oft auf doppelte Weise von ihren Trainern abhängig. Die Trainer entscheiden sowohl über die sportliche und als auch berufliche Zukunft bei der Bundeswehr. Zudem werden die militärischen Ausbildungsprogramme für die Spitzensportler auf ein absolutes Minimum reduziert. So nehmen das Training, die Vorbereitung und die Wettkämpfe ca. 70 % und die militärische Ausbildung lediglich ca. 30 % des Dienstes ein (vgl. Kuhlen/ Sarsky, 2009, 9; Emrich, 1996, 63). Breuer und Wicker (2010) zeigen, dass der spitzensportliche Anteil deutlich über diesen 70% liegen muss (vgl. Breuer/ Wicker, 2010, 16). Letztendlich kann von einem „Scheinarbeitsverhältnis“ zwischen Bundeswehr und Athlet, gesprochen werden (vgl. Maennig, 2012, 4), da in der Grundausbildung lediglich auf ein Mindestmaß reduzierte militärisch notwendige Ergänzungs- und Wiederholungsausbildungen Wert gelegt wird. Der Athlet muss einen von vier Lehrgängen von einer Dauer von etwas über 5 Wochen im Jahr besuchen (vgl. Olympiastützpunkt Rheinland, o.J.a, 1-2, Bendrich, 2015, 88). Maennig stellt fest, dass das „Scheinsoldatentum“ sich als Ergebnis eines Sozialisationseffektes mit fehlenden Anforderungen in verschiedenen Lebensbereichen auf die sportliche Motivation und Leistungen niederschlägt (vgl. Maennig, 2012, 3). „Bis vor 6 Jahren war ein Hochschulstudium in der Armee nicht vorgesehen (vgl. Bundeswehr, 2011, 8) und ist auch aktuell nur wenn mit dem Sport und Dienst vereinbar, das heißt mit den Sichtweisen der Vorgesetzten (Trainer, Bundeswehr) vereinbar sind, erlaubt.

Zudem war bis 2010 eine Berufsausbildung bei einer Verpflichtungsdauer von unter 8 Jahren nicht möglich (vgl. Kuhlen/ Sarsky, 2009, 8). Seit 2010 gibt es eine Genehmigung von leistungssportgerechter Ausbildung/ Studium durch die Bundeswehr (vgl. Bundeswehr, 2013, 9), die wiederum betont: “Hierbei haben die Terminsetzungen des Dienstherrn Bundeswehr, insbesondere für die militärischen Ausbildungsgänge, als auch die sportfachlichen Vorgaben der Spitzenverbände Priorität“ (Bundeswehr, 2013, 5). Ein echtes Interesse an einer dualen Karriere im Hinblick auf eine Hochschulkarriere kann seitens der Bundeswehr ausgeschlossen und seitens des Kooperationspartners DOSB angezweifelt werden. Die Spitzensportler werden Mittel zum Zweck. Spitzensportler in der Bundeswehr können im Gegensatz zu den Sportlern bei der Polizei oder dem Zoll nicht direkt den Beruf wählen (vgl. Bundesministerium des Inneren, 2010b, 9). Sie entscheiden sich auf Grund der guten sportlichen Bedingungen für die Bundeswehr, und nicht aus Interesse am Beruf des Soldaten. Sie werden für den Zeitraum ihrer aktiven Karriere zu Sportprofis im Staatsdienst und für die Zeit danach kann diese einseitige Lebensweise im Sozialfall enden. Selbst das Karriereende des Sportsoldaten ist häufig fremdbestimmt. Es sind Bundestrainer und Sportdirektoren, manche von ihnen Feldwebel und damit beruflich Vorgesetzte, die entscheiden, für welchen Sportler die Zeit bei der Bundeswehr beendet ist (vgl. Reinsch, 2011, 32). Generell ist die Verlängerung der Verpflichtungsdauer für Spitzensportler nur jährlich möglich und in erheblichem Maße von der sportlichen Leistung abhängig (vgl. Kuhlen/ Sarsky, 2009, 8), was auch die stark angestiegene Anzahl von Stellen für Zeitsoldaten unter den Spitzensportlern bestätigt (vgl. Bundesrechnungshof, 2009, 158). Eine Übernahme als Berufssoldat ist in der Regel nicht möglich, lediglich zwei Athleten pro Jahr und Jahrgang erhalten im Rahmen einer „Bestenauslese“ diese Gelegenheit (vgl. Kuhlen/ Sarsky, 2009, 8 in Bendrich, 2015, 89-90).

Fazit

Hartung spricht wichtige, über Jahrzehnte gewachsen strukturellen Probleme an und anstatt ihn öffentlich abzukanzeln, wäre es angebracht über die Kritikpunkte Hartungs zu diskutieren. Der deutsche Sport schmückt sich gern mit der Idee des mündigen Athleten. Nun meldet sich solch ein Athlet, dazu noch gewählter Athletensprecher zu Wort und traut sich, sich in die aktuellen Diskussionen miteinzubringen. Doch anstatt die Worte des Sprechers und Topathleten aufzugreifen und Probleme sowie Diskrepanzen zu diskutieren, möchten der DOSB und das Bundesministerium der Verteidigung eine Diskussion mit einer pauschalen anderen Bewertung vermeiden. Zudem haben die Aussagen des Athleten bereits direkt persönliche Folgen. Noch am gleichen Tag, als in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Interview mit dem zum neuen Vorsitzenden der Athletenkommission im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gewählten Spitzensportler erschien, lehnte die Bundeswehr den Antrag Hartungs auf Einberufung zu einer Wehrübung ab. Zur Begründung werden auch die Äußerungen des Säbelfechters in der F.A.Z. angeführt (vg. FAZ, 2017, link: http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/max-hartung-nach-kritik-in-faz-interview-von-bundeswehr-abgestraft-14852469.html?GEPC=s3).

Es wird versucht, Hartungs Äußerungen schnell als Einzelmeinung abzutun und nicht als die eines Kollektivs oder Gruppe. Andere Athleten sollten ihre Erfahrungen einbringen und dankbar sein für einen die Diskussion nicht scheuenden Athletensprecher. Selbstverständlich sollten auch andere Meinungen bzw. positive Erfahrungen mit einbezogen werden. Schlussendlich geht es darum, ein System effizienter und fairer zu gestalten und das für alle Athleten. Sonst bleibt die Spitzensportförderung auch weiterhin objektorientiert und weniger subjektorientiert. Um die Bedürfnisse des einzelnen Athleten stärker in den Fokus zu rücken, bedarf es kritischer Stimmen, besonders kritischer Athleten.

Wenn Spitzenverbände tatsächlich an den mündigen Athleten und dem zukünftigen Nachwuchs Interesse haben, sollten sie die Kritik Hartungs ernst nehmen und eine öffentliche Diskussion zulassen. Nur über neue Strukturen werden sich Athleten für den Spitzensport auch in Zukunft begeistern lassen. Immer mehr junge Erwachsene wollen studieren bzw. streben einen Universitätsabschluss an. Dieser Trend ist in vielen Sportarten zu erkennen. Hartung spricht so nicht nur ein aktuelles, sondern auch ein mögliches zukünftiges Nachwuchsproblem an.

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