Der Re-Start der BBL und Athletenrechte

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Trotz erheblicher Kritik aus der Bevölkerung kehren Fußball und Basketball frühzeitig auf nationaler Ebene zurück. Beide Sportarten riskieren diesen Schritt, mit der Hoffnung auf wirtschaftliche Schadensbegrenzung. Sicher ist eine sowohl national als auch international erhöhte mediale und öffentliche Aufmerksamkeit ein wichtiger Wert für die Unterhaltungsindustrie Spitzensport. Der deutsche Spitzensport wird zum Vorreiter für Re-Starts der Wettkämpfe während einer Pandemie. Trotzdem schwanken die Reaktionen zwischen Bewunderung und Verachtung. Den ausführenden Akteuren, den Sportlern, wurde lediglich eine Statistenrolle zugeschrieben. Niemand wandte sich in den ersten Überlegungen an die Athleten. Sie blieben lange außen vor und stehen aktuell vor vollendeten Tatsachen. Diese Entwicklung ist aus Sicht der Unternehmen im Spitzensport vertretbar, jedoch bedauernswert. Die Gründe sollen nachfolgend erläutert werden.

Zunächst mussten viele Ligen während der Pandemie zwischen einem Aussetzen und einem Abbruch der Saison abwägen. Von Anfang an waren wirtschaftliche Chancen und Risiken für eine Entscheidung grundlegend. Auch deshalb zögerten einige Ligen lange mit der Unterbrechung bzw. dem Abbruch. Aus Sicht der Vereine und Ligen nachvollziehbar. Nach einigen Wochen versuchten prominente Ligen und Verbände die Politik durch geschickten Lobbyismus für einen schnellen Re-Start für sich zu gewinnen.  Oft auch, weil viele Vereinsetats in Deutschland und weltweit auf Kante genäht sind und Vereine weder finanziellen Spielraum noch Reserven haben. Die Mehrheit der Vereine ist von den TV-Einnahmen und Großsponsoren abhängig. Stellen diese ihre Zahlungen aufgrund nicht erbrachter Leistungen seitens der Vereine bzw. aufgrund der finanziellen Belastungen durch die Pandemie ein, stehen viele Vereine vor dem finanziellen Ruin. Schon seit Jahren leben viele Vereine über ihren Verhältnissen, einige haben sich allein durch staatliche Subventionen (Stadion- oder Hallenbau, vergünstigte Mieten, Darlehen, Sicherheiten usw.) am Leben gehalten. Lediglich eine geringe Anzahl an Vereinen hat Reserven angelegt, die es ihnen ermöglicht in dieser Ausnahmesituation gelassen und mit Demut zu reagieren. Denn mittlerweile gibt es Indizien, dass Sportveranstaltungen wie Champions League Spiele oder auch der Los Angeles Marathon zur weltweiten Verbreitung des Virus beigetragen haben (vgl. FAZ, 2020).

Trotzdem waren es sowohl bei Saisonabbrüchen als auch -Aussetzungen die wirtschaftlichen Erfolgschancen der Vereine, die den Ausschlag gaben. Das Geschäftsmodell des dauerklammen Vereins muss hinsichtlich seiner Zukunftsfähigkeit gerade in einer solchen Ausnahmesituation hinterfragt werden. Durch den permanenten und stets größer werdenden finanziellen Druck, wurden andere Aspekte dieser Ausnahmesituation seitens der Funktionäre unzureichend beantwortet.

In all den Diskussionen und Überlegungen, über einen möglichst reibungslosen Re-Start der Ligen, wurden die Aktiven nicht ausreichend mit eingebunden. Sie müssen erkennen, dass ihnen eine effektive und mächtige Lobby fehlt. Die Fußballspieler der ersten drei deutschen Ligen sowie die Fußballerinnen der Frauen-Bundesliga wurden genauso wenig befragt wie die Basketballer der höchsten deutschen Spielklasse. Erst nach der Fertigstellung der Konzepte und Hygieneregeln wurden die Spieler über diese in Kenntnis gesetzt. Funktionäre betonten, dass über diesen Weg die Bedenken der Sportler beseitigt werden können und keine weiteren Einwände bestehen werden.

Beispielhaft am Basketball soll an dieser Stelle die Vorgehensweise der Ligen dargestellt werden. Die Aufklärungsarbeit der Vereine war an den einzelnen Standorten sehr unterschiedlich. Einige Vereine informierten in eigens anberaumten digitalen Teammeetings über die Lage, andere teilten ihren Spieler lediglich mit, an den Trainingsstandort zurückzukehren. Den Spielern war zunächst nicht bekannt, wie die Verfahrensweise bei einer Rückkehr aus dem Ausland aussehen sollte und wie die Isolation aller Spieler in einem Hotel organsiert wird. Sollen sich ausländische Spieler vor dem Beginn des Turniers noch 2 Wochen in Quarantäne begeben? Dies würde maximal eine Woche Vorbereitungszeit mit der Mannschaft auf das Turnier bedeuten. Wie werden Einzelfälle gelöst? Wie entscheiden die Behörden? Auch nach einem Schreiben mit den Bedenken und Fragen der Spieler, verhielt sich die Liga, die Basketball Bundesliga GmbH, zurückhaltend. Die Antworten der Liga waren aus Sicht der Athleten unzureichend (vgl. Sauer, 2020).

Hinzukommt, dass die Arbeitsverträge in der Basketball-Bundesliga (BBL), oft abhängig vom finanziellen Spielraum der Vereine sind. An den deutschen Basketball-Powerhouses wie Alba Berlin oder Bayern München Basketball laufen die Verträge oft über mehrere Jahre bzw. bis in die Sommermonate hinein. In den kleineren Vereinen enden die Verträge meistens nach einer Saison und oft schon im Mai. Die Spieler der großen Vereine sind damit arbeitsrechtlich auch noch nächstes Jahr an ihren Verein gebunden und abgesichert. Spieler der kleineren Vereine, haben möglichweise zurzeit nicht mal einen gültigen Vertrag. Wenn ein Spieler mit seinem aktuellen Verein nur noch einen Vertrag für wenige Monate besitzt, ist zu fragen, ob das nun anvisierte Turnier für den einzelnen Athleten ein akzeptables Risiko ist. Der Sportler riskiert in doppelter Hinsicht seine Gesundheit, da er sich einerseits mit dem Virus anstecken kann und andererseits sich auf Grund der sehr kurzen Vorbereitungszeit einem erhöhten Verletzungsrisiko während des Turniers aussetzt. Spieler, die lediglich einen Vertrag für das Geisterturnier abschließen, gehen ein besonders hohes Risiko ein.

Arbeitsrechtlich befinden sich die Spieler in einer schwierigen Situation, da die Konzepte von den lokalen Behörden der Bundesligastandorte sowie dem Münchener Gesundheitsamt (Basketball) genehmigt wurden. Auch deshalb wäre eine starke Interessensvertretung der Athleten sinnvoll. Neven Subotic von Union Berlin war einer der wenigen Fußballer, der das Vorgehen der DFL öffentlich kritisierte (vgl. Rieger, 2020). Basketballer wie Nils Giffey, Danilo Barthel und Arkeem Vargas folgten seinem Beispiel und äußerten ihre Bedenken hinsichtlich der geringen Partizipation der Aktiven (vgl. Mölter, 2020; Körner, Dechant, 2020; Daniels, 2020). Die Spieler riskieren einen Konflikt mit ihren Vereinen und den Liga- und Verbandsfunktionären. DOSB-Präsident Hörmann, als Oberhaupt des organsierten Sports, betont zwar, dass kein Sportler zu irgendetwas gezwungen werde (vgl. Schweizer, 2020), gleichzeitig kritisierte er die “extrovertierten”, mündigen Athleten für ihre öffentlichen Äußerungen zur Pandemie und ihre Forderung nach einer Verschiebung der Olympischen Spiele und warf ihnen Selbstinszenierung vor (vgl. Armbrecht, Krämer, 2020). Traditionell befinden sich Sportler in einer Bringschuld gegenüber ihren Vereinen, Ligen, Bundestrainern und Verbänden. Bei einem Startverzicht oder Weigerung ist eine Auflösung des Arbeitsvertrages keineswegs ausgeschlossen. Auch ein Anschlussvertrag könnte durch den eigenen Verein in Frage gestellt werden, mit dem Vorwurf der fehlenden Loyalität.

Arbeitsrechtlich scheinen die Möglichkeiten einer Verweigerung der Athleten hinsichtlich des Re-Starts durch die Absegnung der Gesundheitsämter aktuell begrenzt. Grundsätzlich werden die Spieler mit dem Wiederbeginn des Ligabetriebs oder Wettkampfbetriebes dazu aufgefordert, wie jede andere Arbeitnehmergruppe auch, zu ihrem angestammten Arbeitsplatz, der Basketballhalle oder dem Fußballfeld, zurückzukehren, auch wenn dies in einer allgemeinen Ausnahmesituation geschieht (vgl. Schweizer, 2020b).

Doch es gibt einen gravierenden Unterschied. Oft wird vergessen, dass im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern Basketballer oder auch Fußballer den Mindestabstand von 2m nicht einhalten können und keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Der Körperkontakt ist beim Basketball noch enger, intensiver und häufiger als beim Fußball. Dies erhöht das Infektionsrisiko. Auch bei einer wiederkehrenden Testung der Spieler kann es zu Covid19-Erkrankungen kommen.

Steht in der aktuellen Situation die Gesundheit der Spitzensportler im Vordergrund oder ist es die Pflicht zur Arbeit zurückzukehren, auch wenn die Spieler sich z.B. während des gesamten Turniers in einem Hotel für mehrere Wochen in Quarantäne begeben müssen? Die Turnierform ist arbeitsrechtlich fragwürdig, wenn man bedenkt, dass Spieler selbst werdende Familienväter, Familienväter oder Versorger von Familienmitgliedern sind. Auch deshalb sollten die Sportler ihre Entscheidung gut abwägen. Zunächst scheint eine Isolation aller Spieler mit regelmäßigen Corona Tests in einem einzigen Hotel ein sinnvoller Schritt, selbst der US-Chefvirologe Fauci empfiehlt für den Sport ein solches Vorgehen (vgl. Wagner, Belson, 2020). Jedoch betont er außerdem, dass lediglich tägliche Tests eine hohe Sicherheit erzeugen können (vgl. Gantt, 2020).

Schaut man sich ein solches Vorhaben detaillierter an, wird klar, wie sich aus einer einfachen Idee ein hochkomplexes Vorhaben entwickelt. Bei einem solchen Quarantäne-Turnier bleibt das Risiko nicht bei den Spielern und Trainern. Bei strikter Durchführung des Konzepts müssen sich alle involvierten Personen in Isolation begeben. Das sind Teamärzte, Physiotherapeuten, Funktionäre, Busfahrer, Hotelbedienstete, Köche, Fernsehcrews usw.  Geschieht dies nicht, birgt eine Einquartierung in ein einziges Hotel die Gefahr, bei einer Infektion durch einen einzigen Erkrankten die Anzahl der Infizierten schnell zu vergrößern.

Die Situation kann sich für Spieler arbeitsrechtlich zügig verändern, wenn es im Umfeld des Athleten, in seinem Team oder auch dem Gegner zu einer Infektion kommt. Dann hat der Athlet das Recht, zum Eigenschutz dem Wettkampf zu verweigern, auch wenn er eine Fahrlässigkeit seines Arbeitgebers erkennt. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass Sportler sich einem Wettkampf entziehen können, wenn z.B. ein Familienmitglied zu einer Risikogruppe gehört und der Athlet eine Erkrankung eines Familienmitglieds (aus einer Risikogruppe) nicht in Kauf nehmen möchte. In einem solchen Fall sieht das Arbeitsrecht vor, dass der Arbeitnehmer für eine gewisse Zeit unter Fortzahlung des Gehalts zuhause bleiben darf (vgl. Schweizer, 2020b).

Wer in dieser Kette der Entscheidungsträger übernimmt die Verantwortung für solche Sonderveranstaltungen? Sind es die Vereine, die Verbände, die Ligen, die Politiker auf Landesebene oder die staatlichen Aufsichtsorgane? Letztendlich bleibt der Spielbetrieb der Ligen in der Verantwortung der Gesundheitsämter. Ein erheblicher öffentlicher Druck lastet auf den Entscheidungsträgern der Gesundheitsämter, die nun die Entscheidungen für die Vorbereitungen der Mannschaften an den einzelnen Standorten bundesweit treffen müssen. Den Profiligen ist es gelungen, den Druck auf Politiker durch die Ankündigung einer Vielzahl von möglichen Insolvenzen zur Rückkehr des Spielbetriebs zu erzeugen. Wie der Arzt in einem Gesundheitsamt dann entscheidet, bleibt offen. Orientiert er sich an wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen oder ist er auch durch externe Faktoren in seiner Entscheidung beeinflusst?

Die Vereine sind arbeitsrechtlich dazu verpflichtet für die Gesundheit ihrer Spieler zu sorgen und sie keinen unnötigen Risiken auszusetzen. Die Arbeitsverträge sehen vor, dass die Vereine die Verantwortung für Arbeitsschutz und –Sicherheit übernehmen. Im Falle einer Pandemie haben die Vereine eine erhöhte Fürsorgepflicht für all ihre Mitarbeiter. Die Vereine müssen für ein Umfeld sorgen, in dem die Athleten keine Gefahren ausgesetzt sind. Auch deshalb ist eine intensive Kommunikation bereits vor Beginn des Turniers zwingend notwendig. Damit ist in der aktuellen Diskussion auch die Haftungsfrage zu stellen; wer haftet für Folgeschäden? Die Athleten sind keineswegs rechtsschutzlos. Die Vereine und Ligen haben darauf zu achten, dass es zu keinen Infektionen der Spieler durch andere Spieler kommt (vgl. Schweizer, 2020). Dazu wurde das modifizierte DFL-Hygienekonzepte der BBL entwickelt und den lokalen Behörden vorgelegt. Doch es bleiben Zweifel:

    • Kann eine Garantie überhaupt gegeben werden, ist die Pandemie nicht eine völlige Ausnahmesituation?
    • Was passiert bei einer schweren Erkrankung?
    • Haftet der Arbeitgeber, in diesem Falle der Verein? Oder der Veranstalter? Die BBL? Bayern München als Ausrichter? Das Gesundheitsamt?
    • Kommen die Verantwortlichen möglichen Forderungen nach oder kommt es zu einer rechtlichen Auseinandersetzung?

Das Ganze wirkt wie ein gut ausgetüfteltes Hütchenspiel, indem im Nachhinein keiner mehr sagen kann, wer für was verantwortlich ist.

Sportler aus den betroffenen Ligen äußern Bedenken wegen der gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgeerscheinungen eines schnellen Restarts.

Medizinisch ist unklar, welche Auswirkungen eine Infektion auf einen gesunden Leistungssportler hat. Es ist bekannt, dass das Immunsystem in einem stärkeren Maße betroffen ist und so auch die Gefäße des Herzkreislaufsystems und weitere Organe angegriffen werden können. Zudem können Organe wie die Lunge, die Nieren oder das Herz betroffen sein, ohne dass es der junge Leistungssportler merkt. Im Falle der Lunge können Vernarbungen die Folge sein. Dies könnte für einen Leistungssportler der Verlust der Leistungsfähigkeit und damit das Karriereende bedeuten. Auch Blutgerinnsel und Herzinfarkte sind bei Covid19-Patienten keine Seltenheit. Die Gefahr von chronischen Schäden ist Realität. Was ist mit Spitzensportlern mit Vorerkrankungen (z.B. Diabetes) oder unerkannten Vorerkrankungen? Mediziner und Sportmediziner raten aktuell vom Leistungssport ab. Prof. Dr. Preeti Malani, von der University of Michigan (Professor of Medicine/ Infectious Diseases) gibt folgendes zu Protokoll: “My own personal advice would be to perhaps sit out and wait until you have more information,”(…) “But that’s a hard thing to do when your job depends on it, whether you’re driving a bus or working in a restaurant or you’re a Major League Baseball player” (Wagner, Stein, 2020). Auch der deutsche Sportmediziner Prof. Dr. Bloch der deutschen Sporthochschule Köln verspürt “Bauchschmerzen” beim Re-Start der Bundesliga (vgl. Nestler, 2020).

Viele Verbände und Vereine blenden diese Risiken aus. Das Abwenden von finanziellen Verlusten ist die reale Motivation, die Spiele wieder zu beginnen. Im Basketball wird zudem häufig von einem Test für die nächste Saison gesprochen, da man noch nicht wisse, wie es weiter geht. Doch ein Test auf dem Rücken der Spieler, ist das die richtige Verfahrensweise?

Aktive Athleten haben die Gefahren des Virus erkannt und fragen sich, ob das Risiko für einen fitten Leistungssportler nicht zu hoch ist.  Die Sportler setzen sich einem erheblichen Risiko aus, durch die intensive körperliche Betätigung und die unvermeidbare Nähe zum Mitspieler sowie Gegner und in der Konsequenz durch einen erhöhten Ausstoß sowie einer erhöhten Aufnahme von Aerosolen. Neben den medizinischen Bedenken, äußern Spieler auch Vorbehalte hinsichtlich der gesellschaftlichen Message. Basketballer in Deutschland sehen sich auch als lokale Vorbilder. Sie sind es, die Leistung erbringen, aber auch Teamgeist und Zusammenhalt vermitteln wollen. Sie definieren sich in diesem Zusammenhang auch über soziale Kompetenzen, die in dem Konzept des Restarts nicht vorkommen. Tausende von Jugendlichen sitzen zuhause, wollen gerne wieder Sport treiben – Kontaktsport. Und keiner von ihnen weiß, wie und wann es weitergeht. Keiner von ihnen wird getestet. Für sie ist die Saison frühzeitig beendet, die Sporthallen geschlossen. Die Profis hingegen haben ein politisch abgesegnetes Konzept und dürfen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Hinzukommt, dass in der BBL die Liga in zwei Klassen zerbricht: Vereine, die es sich finanziell leisten können und andere, die es nicht können oder wollen – eine Parallele zur Gesellschaft? Spieler, oft Familienväter, fragen sich, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, wie alle anderen in der Gesellschaft Abstand zu wahren und auf ein solches Turnier zu verzichten. Wäre ein Bekenntnis dazu nicht hilfreicher und sinnvoller gewesen?

Durch die fortschreitende wirtschaftliche Orientierung der Liga und Vereine in den letzten Jahren, ist der finanzielle Druck für die Beteiligten erheblich. Deshalb wurde das nun vorliegende Konzept durch die DFL sehr früh in Auftrag gegeben, um die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Branche zu minimieren. Darin sah auch die BBL eine Chance und adaptierte die Turnierkonzeption an einem einzigen Standort. Auf der Strecke bleiben einmal mehr die Interessen und Sorgen der Athleten.

Es ist ein Fehler des organisierten Sports, die Aktiven nicht mit in die Konzeptentwicklungen einzubinden. In der aktuellen Situation wurden die Spieler erst informiert nachdem alle Entscheidungen getroffen waren und diese auch in die Öffentlichkeit kommuniziert wurden. Funktionäre ignorierten den Fakt, dass letztendlich die aktiven Sportler von den Konzepten überzeugt sein müssen, um motiviert und mit einem ausreichenden Sicherheitsgefühl in die Wettkämpfe gehen zu können. Wenn sich die Liga nicht nur als reine GmbH sehen möchte, müsste Kommunikation anders ablaufen. Auch der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist in Bezug auf die nun angekündigten 25 %- Gehaltskürzungen für die Spieler der Vorwurf der fehlenden Kommunikation zu machen (Um die Liga-Lizenz für die Saison 20/21 zu erhalten, müssen die Klubs ihre Spielergehälter um 25 Prozent reduzieren.) Die Eishockeyspieler waren in diese Vorgaben nicht eingebunden und erfuhren erst im Anschluss vom Plan der DEL (vgl. Wittmann, 2020). Das Verhalten der Ligen DEL und BBL ist ein Affront gegenüber den Spielern. Es entsteht der Eindruck des Nichternstnehmens der Spieler und ihrer Sorgen. Die Basketballer haben im Bereich der rechtlichen Fragen als Gruppe durchaus ein Nachholbedarf. Möchte die BBL die jetzige Situation genauso belassen? Die Liga erkennt die Bedeutung der Spieler bisher nicht in einem ausreichenden Maße an. Dabei sind es besonders die Spieler, auf die die Liga bauen sollte. Viele der Spieler der Liga zeigen als Spitzenathleten, auch neben dem Spielfeld soziales und gesellschaftliches Engagement oder absolvieren parallel ein Studium. Dieses Potential der Athleten, das sich von einer prominenteren Liga absetzt, wird durch die BBL nicht ausreichend abgerufen.

Warum haben die amerikanischen Profiligen noch nicht begonnen? Diese Ligen haben mächtige Spielergewerkschaften, die einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs zustimmen müssen. Ohne diese Zustimmung kann z.B. die NBA die Saison im Freizeit Park Disney World in Orlando nicht fortsetzen. Die endgültige Entscheidung hinsichtlich eines Playoff-Turniers mit mehr als 16 Mannschaften ist noch nicht gefallen, viele Fragen sind laut Gewerkschaftspräsident Chris Paul weiterhin offen (vgl. Hamilton, 2020; New York Times, 2020). Auch deshalb evaluierte Mitte Mai die Spielergewerkschaft die Stimmungslage unter den Spielern. Eine völlig andere Vorgehensweise gegenüber der in Deutschland. Etwas, was der Verein Athleten Deutschland auch für deutsche Sportler einfordert.

Es geht nicht darum, die Idee des Geisterturniers in der Gänze zu kritisieren. Es ist nachvollziehbar, dass der sehr frühe Start der Fußballbundesliga auch Begehrlichkeiten in anderen Ligen hervorgerufen hat und der wirtschaftliche Druck in den Ligen groß ist.

Jedoch zeigen die aktuellen Entwicklungen auch, dass die deutschen Sportler insgesamt zu lose organsiert sind, um die eigenen Sorgen und Bedenken artikulieren zu können. Die Athleten sollten sich auf ihre eigene Stärke – das Kollektiv – konzentrieren. Als Arbeitnehmer ist es das Recht der Basketballer, z.B. eine Gewerkschaft zu gründen. Dies bedeutet nicht mit der Liga oder den einzelnen Arbeitgebern, den Vereinen, den (offenen) Konflikt zu suchen – dies ist die Ultima Ratio. Eine Gewerkschaft soll zunächst zum Schutz der Spielerrechte da sein. Auch deshalb sollten die Spieler näher zusammenrücken, um Probleme anzusprechen und zu lösen.

Es liegt in der Hand der Spieler, die Strukturen zu schaffen, sich als Arbeitnehmer im Business “deutscher Basketball” besser zu positionieren. Die Spieler müssen sich zukünftig als Team der Liga gegenüber positionieren und darüber nachdenken, Vereinbarungen und (Tarif-) Verträge für alle Spieler zu erkämpfen.  Diese Verhandlungen sind besonders für Nachwuchs- und Ergänzungsspieler wichtig. Es geht um grundlegende Themen wie Arbeitsbedingungen, gesundheitliche Absicherung, Mindestlohn oder auch die bald auslaufende 6+6 Regel. Für Familienväter z.B. sind die aktuellen Trainingsbedingungen teilweise inakzeptabel. In einzelnen Clubs erfahren die Spieler erst am Abend vorher, wie der nächste Trainingstag strukturiert ist. Dies macht es den Athleten unmöglich, sich sinnvoll am Familienleben zu beteiligen.

Für die Athleten sollte das Krisenmanagement der Vereine und Ligen in der Corona-Krise ein weiterer Grund sein, Vereinigungen und letztendlich Gewerkschaften in ihren Sportarten voranzutreiben. Tarifverträge geben den Sportlern einen Spielraum auch auf unerwartete Geschehnisse reagieren zu können. Liga und Spieler müssen auf Augenhöhe zueinanderfinden, um den Basketball (Spitzensport) in einer sinnvollen und sicheren Art und Weise in das gesellschaftliche Leben zurückzubringen.

Allen Beteiligten ist ein Turnier ohne Zwischenfälle zu wünschen, doch zukünftig sind Veränderungen notwendig. Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass Spielervertretungen mit zur Weiterentwicklung und letztendlich zum Erfolg der Sportarten beitragen. Eine deutsche Spielergewerkschaft könnte auch hierzulande einiges bewegen.

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Autor: derballluegtnicht

Writes about the politics of sports. For him sports and politics always mix.

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