Taschenspielertricks an der Elbe? Das Argument, das keines ist –wie Hamburg seine Bürger*innen mit Wissenschaft von Olympia überzeugen will 

In den vergangenen Wochen und Monaten haben die deutschen Bewerberstädte umfangreiche Werbekampagnen betrieben. Insbesondere in den sozialen Medien war die Präsenz durch intelligentes Marketing bemerkenswert. In München entschied sich die Stadt, im Rahmen ihrer eigenen Agenda-Settings im Vorfeld der Volksabstimmung Informationsbroschüren zu verteilen, die ausschließlich die Argumente für die Ausrichtung der Olympischen Spiele enthielten. Der Vorwurf der Manipulation wurde erhoben, wobei Kritiker von Desinformation gegenüber der Bevölkerung sprachen.  

Parallel dazu prognostizieren die Befürworter der Bewerbung Hamburg bereits Einnahmen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich für die Hansestadt. In Hamburg wird der Sport mit Nachdruck als Wirtschaftsmotor präsentiert, wobei die Gründe für die Waghalsigkeit dieser Prognose im Folgenden erläutert werden. Berlin postuliert, die einzige Stadt mit internationaler Strahlkraft zu sein, an der kein Weg vorbeiführt. Die Tatsache, dass die städtischen Finanzen angespannt sind und Baustellen der Hauptstadt sich in Bereichen wie z. B. in der hohen Kinder- und Altersarmut, die über dem Bundesdurchschnitt liegt, befinden, wird nicht erwähnt.  Köln-Rhein-Ruhr bezeichnet das eigene Konzept als das nachhaltigste, aufgrund der zahlreichen vorhandenen Spielstätten in den Metropolregionen. 

Als Sportwissenschaftler und Anhänger des Sports befürworte ich ein Land, das reich an Bewegung und sportlichen Möglichkeiten ist. Eine psychisch gesunde und stabile Bevölkerung, unabhängig vom Alter, benötigt ein breites Spektrum an Bewegungsangeboten. Es ist unbestreitbar, dass jede Form des Sports, von Gesundheitssport über traditionellen Breitensport hin zum Leistungssport, in einer funktionierenden Gesellschaft eine Bedeutung hat.  Als Sportsoziologe bin ich entsetzt über die einseitige Darstellung der Auswirkungen von Olympischen Spielen, insbesondere angesichts der zunehmenden Evidenz für die umfangreichen negativen Konsequenzen dieses Großereignisses, die in den Bewerberstädten unzureichend oder gar nicht diskutiert werden. In sämtlichen Städten/Regionen wird von den kommunalen Behörden eine positive Grundhaltung gegenüber den Olympischen Spielen gefördert. Es vergeht kein Tag, an dem sich Einzelpersonen, Vereine oder Institutionen nicht für die Olympischen Spiele aussprechen und die Städte für die Ausrichtung werben. Dieses Fürsprechen stellt im Grunde kein Problem dar, sofern Städte und Organisatoren gleichzeitig auch die negativen Auswirkungen der Bewerbung und Ausrichtung der Spiele diskutieren und eine offene, transparente Debatte rund um die Spiele ermöglichen würden. 

Selbst im Fall einer umfangreichen und transparenten Aufklärung der Bevölkerung wäre es machbar, die Bevölkerung über die emotionale Ebene für die Ausrichtung zu begeistern. Diese wichtige, ausgewogene Aufklärung erfolgt jedoch nicht; stattdessen werden in allen Ausrichterstädten hohe Umsätze und sogar ökonomische Gewinne vorhergesagt. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den negativen Aspekten fehlt. Alle beteiligten Institutionen und Personen haben ein Interesse an der Ausrichtung der Spiele. Politiker*innen streben danach, diejenigen zu sein, die sich öffentlichkeitswirksam für den Leistungssport engagieren und die Spiele in die Stadt gebracht haben. Sportverbände erhoffen sich eine verstärkte Unterstützung durch Bund und Land, während Sportfunktionäre auf einen weiteren Ausbau der Sportstrukturen und eine zusätzliche Professionalisierung im Breitensport sowie auf höhere Positionen im organisierten Sport hoffen. Sogar Tageszeitungen geraten in einen journalistischen Konflikt, da sie sich bei einer Bewerbung und Ausrichtung über umfangreiche Berichterstattung bereits Jahre vor den Spielen und während der Wettkämpfe freuen. Häufig gehen Zeitungen in den Gastgeberländern sogar offizielle Partnerschaften mit dem Internationalen Olympischen Komitee ein oder werden selbst Sponsoren, was absurd erscheint, aber beispielsweise in Tokio geschehen ist. Selbst Sportwissenschaftler können sich nicht vollständig abkoppeln, auch sie können auf eine Erhöhung der Drittmittel für Studien im Bereich des Leistungssports hoffen. Wer beabsichtigt, sich in einem solchen Gefüge noch gegen die Spiele auszusprechen? Das Ergebnis ist eine hegemoniale Interpretationsdominanz, die mit dazu beiträgt, dass Kritik an dem Projekt als illegitim betrachtet wird. 

Die Städte vermarkten die Olympischen Spiele als willkommenes Infrastrukturprogramm. Es ist alarmierend, wie viele Millionen Euro die Bewerberstädte und Regionen für den internen deutschen Wettbewerb aus Steuergeldern bereits investiert haben, insbesondere angesichts der häufig angespannten finanziellen Situation der Bewerberstädte und der Kürzungen der Fördermittel im Breitensport (siehe Berlin).  Nebelkerzen von mehr Wohnungen und neuem Nahverkehr werden kontinuierlich entzündet. Die lokale Wirtschaft wird durch das Versprechen von gesteigerten Umsätzen und verbesserter Infrastruktur angelockt. Es wird übersehen, dass in den vergangenen Jahrzehnten speziell multinationale Großkonzerne von den Olympischen Ringen profitiert haben, während der Mittelstand eher unter erhöhten Immobilienpreisen und Mieten gelitten hat.  

Nun richten wir unsere Aufmerksamkeit explizit nach Hamburg. Es wird der Bevölkerung und der Wirtschaft ein erheblicher Anstieg der Einnahmen im hohen Millionenbereich in Aussicht gestellt. Die Versprechen, die in zahlreichen Aussagen auf die HWWI-Studie (Hamburgisches WeltWirtschaftsInstituts) verweisen, werfen jedoch mehrere grundlegende Fragen auf, die auch die anderen Bewerberstädte indirekt betreffen. Ein direkter Vergleich, wie er in der Hamburger Wirtschaftsstudie durchgeführt wurde, zwischen dem regulären Sportbetrieb mit seinen Sportveranstaltungen in einer Stadt und der Ausrichtung der Olympischen Spiele ist mehr als fragwürdig. Die unbestreitbare Stärke der Sportwirtschaft im Bundesland Hamburg (z. B. jeder Arbeitsplatz im Hamburger Sport sichert 2,3 Arbeitsplätze, siehe S.8 in der HWWI-Studie) impliziert nicht zwangsläufig, dass Hamburg in der Lage wäre, die Olympischen Spiele erfolgreich auszurichten, und dieses Großereignis automatisch zu weiterem wirtschaftlichen Wachstum führen würde. Ein Vergleich wäre eher wie der Versuch, den Erfolg eines lokalen Wochenmarkts in einem Stadtteil Hamburgs mit der Eröffnung eines neuen Großfestivals (wie dem Lollapalooza) zu vergleichen. Beide Bereiche sind mit der „Wirtschaft“ verbunden, jedoch unterscheiden sich die Skalen, Akteure, Zeiträume und finanziellen Risiken grundlegend. Eine gründliche Untersuchung sollte die jeweiligen spezifischen Auswirkungen berücksichtigen. Der Hamburger Sportbetrieb, der sowohl im Breiten- als auch im Profisport über gute Strukturen verfügt, weist einen Sportkalender auf, der über das gesamte Jahr verteilt mit einigen Höhen und Tiefen durchzogen ist. Eine solche Struktur stellt eine gänzlich andere Situation dar als die bei Olympischen Spielen, bei denen die Wettkämpfe konzentriert in einem sehr kurzen Zeitraum stattfinden. Die Olympischen Spiele sind sowohl zeitlich als auch räumlich stark konzentriert. Die ökonomischen Auswirkungen des Spielbetriebs in Hamburg zeichnen sich im Vergleich zu den Olympischen Spielen durch wiederkehrende, kleinere Einnahmen aus, die teilweise auch auf einzelne Stadtteile wie St. Pauli beschränkt sind. Die Olympischen Spiele hingegen erfordern erhebliche einmalige Investitionen, deren nachhaltige Wirkung anzuzweifeln ist. Der lokale Sport zielt auf Anhänger*innen, Bewohner*innen und Sponsoren mit lokaler Verbindung ab. Bei den Olympischen Spielen profitieren insbesondere das IOC durch erhebliche Steuervergünstigungen und internationale Großkonzerne. Lokale Sponsoren verfügen weder über die finanziellen Ressourcen, um sich an den Olympischen Spielen zu beteiligen, noch um von diesen zu profitieren. 

Die allgemeinen Aussagen der HWWI-Studie bezüglich des Wirtschaftsfaktors Sport sind unbestreitbar und in der Studie nachvollziehbar belegt. In Bezug auf die sehr wenigen Erwähnungen im Kontext der Olympischen Spielen, wird hier das Phänomen des sogenannten „Cherry Picking“ genutzt. Die Untersuchung zitiert ausschließlich positive Beispiele von Olympischen Spielen wie Atlanta (Arbeitsplätze, siehe Feddersen, Maennig, 2023 auf S. 75 in der Fußnote 7 der HWWi-Studie) und Salt Lake City (Profit für die Sport- und Freizeitindustrie, siehe Baumann, Engelhardt, Matheson, 2012, gleiche Fußnote), während die (zahlreichen) negativen Beispiele unerwähnt bleiben. Insbesondere die letzten drei Jahrzehnte waren von erheblichen Budgetüberschreitungen und gravierenden sozialen Konsequenzen in den Gastgeberstädten geprägt. Ein Beispiel hierfür ist die Fußnote, in der darauf hingewiesen wird, dass die Spiele nicht zu der gewünschten Steigerung der Touristenzahlen führen. Dieser Aspekt wird jedoch in den Schlussfolgerungen der Studie nicht weiter thematisiert. Da die Untersuchung ausschließlich auf den Hamburger Sport fokussiert ist, werden die negativen Konsequenzen des Großereignisses, wie Gentrifizierung, soziale Verteilungseffekte (Kostenübernahme durch die Gastgeberstadt), Umweltkosten, steigende Mietpreise, Militarisierung und Greenwashing, nicht berücksichtigt. 

Ein weiterer Mythos besteht darin, dass die Olympischen Spiele die Bevölkerung zu vermehrter körperlicher Aktivität anregen. Dies wurde bereits mehrfach widerlegt, insbesondere eindrucksvoll bei den Olympischen Spielen in London 2012. Dieses Ziel wird effektiver durch regelmäßige sportliche Aktivitäten in den Vereinen erreicht, die Integration, Gesundheit und Jugendförderung fördern.  

Die Studie betont die positiven Beispiele von Sportveranstaltungen in der Stadt Hamburg (HYROX, Triathlon, Tennismeisterschaften, die beiden Fußballbundesligisten HSV und St. Pauli usw., S.76-106). Dies führt auch zu einer fehlenden Diskussion über potenzielle alternative Einsatzmöglichkeiten der veranschlagten 8–10 Milliarden Euro. Die Opportunitätskosten könnten einen bedeutenden Wandel für die Stadt darstellen. Liegt bei den zuständigen Personen eine Ignoranz gegenüber den negativen Externalitäten vor? Das Problem besteht darin, dass die Studie und die präsentierten Daten aus einem kleinen lokalen System auf ein wesentlich größeres, anders organisiertes System übertragen werden, ohne zu berücksichtigen, dass diese Größenunterschiede ab einem bestimmten Punkt erhebliche qualitative Veränderungen hervorrufen und nicht nur quantitative (Maßstabsirrtum). Ein angesehenes Triathlon-Ereignis mit 300 000 Zuschauern, dessen Kosten sich auf mehrere Millionen Euro belaufen, lässt sich schwer mit dem global größten Megasportevent der Welt vergleichen (S.76-81). Die Budgets und Auswirkungen der Ausrichtung sind so unterschiedlich, dass ein solcher Vergleich, der übrigens auch immer wieder in München mit den European Championships angestellt wird, unangebracht ist. Zwei Studien der Universität Oxford belegen, dass die Budgets der Olympischen Spiele seit den 1960er Jahren durchschnittlich um 176 % überschritten wurden (siehe Flyvberg, 2016, 2021). 

Es ist daher befremdlich, dass viele beteiligte Personen behaupten, die Situation bezüglich der Olympischen Spiele habe sich seit der Volksabstimmung im Jahr 2015 erheblich verändert, das IOC habe Reformen initiiert, die nun Wirkung zeigen würden, und daher sei eine Bewerbung nun sinnvoll. Dies lässt sich anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht im Geringsten belegen. Ferner adressiert die HWWi-Studie keinen der Aspekte, die für die Bevölkerung 2015 wichtig waren und auch gegenwärtig beschäftigen, was jedoch nicht das primäre Ziel der Studie war. Es fehlt eine Analyse der Kosten der Spiele, der Verdrängung, des Gigantismus oder der Militarisierung der Spiele. Die Begründung der neuen Wirtschaftsstudie ignoriert so den demokratisch geäußerten Willen der Bürger*innen. 

Die viel zitierte Studie, von der Handelskammer Hamburg finanziert, soll den ökonomischen Aspekt des organisierten Sports, Hamburg als Wirtschaftsstandort und die positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft illustrieren. Die Forschung wird von einer Einrichtung finanziert, die ein Interesse an den Resultaten hat. Es resultiert folglich ein geschlossener Kreislauf: Die Handelskammer initiiert die Studie, die politischen Akteure verwenden diese zur Begründung ihrer Bewerbung, was den großen Mitgliedern (Großunternehmen) der Handelskammer zugutekommt. 

Folglich stellt der in der Studie hergestellte Vergleich keineswegs einen Indikator für potenziellen Erfolg dar, sondern wird von den Befürworter*innen der Spiele als eine öffentlichkeitswirksame Ablenkung missbraucht. Diese interpretieren ihn als ein „Na siehste“ und hinterfragen ihre eigene Interpretation nicht. Es scheint, dass die Ergebnisse der Auftragsforschung gut zu den politischen Agenden passen, was dazu führt, dass kritische Nachfragen von den Befürworter*innen ausbleiben. Das grundlegende Problem besteht nicht in der Studie selbst, sondern in der Art und Weise, wie sie politisch instrumentalisiert wird. Die Untersuchung liefert Antworten auf Fragen bezüglich der lokalen Sportökonomie in Hamburg, wird jedoch als Antwort auf eine gänzlich andere Frage (die Machbarkeit der Olympischen Spiele) herangezogen, die in der Studie nicht adressiert wurde, ein typischer epistemischer Irrtum. Wenn dies bewusst geschieht, ist dies ein Missbrauch der wissenschaftlichen Autorität der beteiligten Forscher*innen, da diese die Schlussfolgerung nicht ziehen. Das Muster ist demnach eindeutig: Legitime Daten werden aus dem methodischen Kontext gezogen, um sie für den eigenen Argumentationsstrang zu nutzen, für den die Studie ursprünglich nicht konzipiert wurde. Daher ist die Studie selbst nicht zu hinterfragen, sondern erst nachfolgend durch die Interpretation der Beteiligten als Irreführung der Öffentlichkeit. 

„Wer noch einen Nachweis dafür braucht, wie Hamburg von Olympia profitieren kann, sollte diese Studie lesen.“ Innensenator Grote

Die Argumentationskette wird schnell deutlich: Der Sportsektor in Hamburg erzeugt eine Wertschöpfung von 5,3 Milliarden Euro und schafft über 14.000 Arbeitsplätze (HWWi-Studie, S.7, 68). Die Sportveranstaltungen in Hamburg generieren Tourismus und Medienpräsenz, was gemäß der Studie letztlich zu einem Wirtschaftswachstum beiträgt. In diesem Zusammenhang werden die Olympischen Spiele als das weltweit größte Sportereignis dargestellt. Die problematische Schlussfolgerung, die von den beteiligten Personen aus diesen Fakten gezogen wird, ist: Bewerbung für die Ausrichtung des größten Sportereignisses der Welt. Doch rechtfertigt die gegenwärtige Wertschöpfung der Hansestadt die Ausrichtung dieses Großereignisses? 

Warum ist die Argumentationskette für die Spiele dennoch so effektiv? Die in der Studie dargelegten Zahlen (5,3 Milliarden Euro, über 14.000 Arbeitsplätze) sind beeindruckend, jedoch liegt ein Trugschluss darin, von der Größe auf die Kompetenz zu schließen und dabei die Unterschiede in den Kategorien zu übersehen. Aufgrund der positiven Zahlen wird Hamburg als sportlich bedeutsam wahrgenommen, was die Olympischen Spiele als logische Folge erscheinen lässt.  

Die Studie und das Referendum

Was wäre zu tun, um weitere Fehlinterpretationen zu vermeiden? Folgende Fragen, die in der Studie nicht untersucht wurden, könnten helfen:  

Welchen Nutzen bringen die Spiele für die Stadt und die Region (Kosten-Nutzen-Analyse)?  

Wo liegen die realistischen Gesamtkosten, einschließlich eines umfassenden Risikopuffers (Risikoanalyse)?  

Welche olympische Infrastruktur ist nicht vorhanden?  

Wird eine Machbarkeitsstudie für die Infrastruktur durchgeführt? 

Welche finanziellen Aufwendungen sind für die Errichtung neuer Infrastruktur erforderlich? 

Welche Bestimmungen sind im Host-City-Vertrag festgelegt? 

Welche Zusicherungen müssen Hamburg und Deutschland dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) garantieren? 

Was geschieht im Anschluss mit der geplanten Infrastruktur?  

Wer trägt die finanziellen Belastungen im Falle einer Budgetüberschreitung? 

Wie gestaltet sich das Konzept der Nachhaltigkeit? 

Was hat Hamburg aus dem Vergleich mit London, Rio, Tokio und Paris gelernt? 

Wird ein juristisches Gutachten zu staatlichen Garantieverpflichtungen erstellt? 

Die Studie adressiert diese Fragen nicht, da sie nicht für deren Beantwortung konzipiert wurde. Die Befürworter greifen auf die HWWi-Studie mit ihren beeindruckenden, jedoch irrelevanten Zahlen zurück, um sich für die Olympischen Spiele zu positionieren, ohne dabei auch nur eine der aufgeworfenen Fragen ansatzweise zu beantworten – ein fahrlässiges Vorgehen. Es wird auf das erhebliche Potenzial der sportlich aktivsten Stadt Deutschlands hingewiesen und darauf, dass der positive Einfluss des Wirtschaftsmotors Sport erneut vervielfacht würde. Diese Behauptung entbehrt jedoch jeglicher empirischer Fundierung. Viele Gastgeberstädte zeigen nach den Spielen keinen signifikanten Wachstumsanstieg im Vergleich zu anderen Metropolen (siehe Preuss, 2004). Es gibt deutliche Indikationen, dass die Städte, die als Gastgeber für Olympische Spiele fungierten, ohne diese Veranstaltung ein stärkeres Wachstum verzeichnet hätten (siehe Zimbalist, 2015).   

Eine erneute Volksabstimmung ist angemessen, um zu ermitteln, ob sich die öffentliche Meinung bezüglich der Olympischen Spiele gewandelt hat. Eine unabhängige Machbarkeitsstudie mit internationalen Vergleichen, eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse und insbesondere eine ausgewogene politische Diskussion zu diesem Thema sind unerlässlich. Ferner wäre es sinnvoll zu untersuchen, welche Auswirkungen die gleiche finanzielle Mittel in anderen gesellschaftlichen Sektoren wie dem Wohnungsbau oder dem Klimaschutz haben würden. Die vorliegende Untersuchung liefert keine Antworten auf die aufgeworfenen Fragen. Daher erscheinen Aussagen über potenzielle Einnahmen und Ausgaben als unangemessen. Sie wirken vielmehr wie ein klassischer Taschenspielertrick. Liegt hier Schönfärberei vor? 

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#EqualPay – Wie Rapinoe und Co die Popularität nutzen, um gegen geschlechterspezifische Diskriminierung im US Soccer vorzugehen

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“The state of the game is in a beautiful place because of the talent alone and the commercial dollars being put in, but FIFA remain very chauvinistic when it comes to putting money into the women’s game.” (Hope Solo).

Durch die aktuellen Diskussionen um die gleiche Vergütung von Frauen und Männern im Sport ist der Frauenfußball ein gutes Beispiel für die Probleme der Bezahlung von Athletinnen.

Die Frauenweltmeisterschaft in Frankreich hatte weltweit die höchsten Einschaltquoten aller Zeiten.  Das Achtelfinale zwischen Frankreich und Brasilien z.B. wurde von 35 Millionen Zuschauern in Brasilien und 10,6 Millionen in Frankreich verfolgt. Es war damit das meistgeschaute Frauenfußballspiel jemals. In Italien verfolgten 7,3 Millionen Menschen das Spiel zwischen Italien und Brasilien, damit waren es 35mal so viel Bürger wie beim bisherigen Rekord der italienischen Frauennationalmannschaft (vgl. Gibbs, 2019).

Bei den vergangenen Weltmeisterschaften im Jahr 2015 erhielten die Weltmeisterinnen der amerikanischen Nationalmannschaft eine Prämie von insgesamt 2 Millionen Dollar. Ihre französischen Kollegen erhielten ein Jahr zuvor 35 Millionen Dollar für den gleichen Titel (vgl. Perasso, 2017). Aktuell gehen die amerikanischen Fußballerinnen gegen ihren eigenen Verband, der U.S. Soccer Federation, vor, dem sie institutionelle, geschlechterspezifische Diskriminierung (gender discrimination lawsuit) und damit ungerechtfertigte geringere Bezahlung gegenüber den Mitgliedern der Männernationalmannschaft, schlechtere Arbeitsbedingungen und geringere Investitionen in den Frauensport vorwerfen. Die US-Fußballerinnen kämpfen für die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Pendants.

Weiterlesen „#EqualPay – Wie Rapinoe und Co die Popularität nutzen, um gegen geschlechterspezifische Diskriminierung im US Soccer vorzugehen“

March Madness – Der Wahnsinn rund um die Spieler

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March Madness – Der Wahnsinn rund um die Spieler 

Die NCAA-Championship mit dem March Madness geht weiter. Bereits in einer Woche folgt der nächste Teil. Bitte folgt “der ball lügt nicht” auf  twitter , facebook und instagram und teilt den Artikel.

Die Folgen des Amateurstatus und die Zukunft der NCAA

Der Collegesport in den USA befindet sich aktuell, trotz einer wirtschaftlichen Erfolgsstory, in einer tiefen Sinnkrise. Auch deshalb ist der durch die NCAA rechtlich geschützte Begriff „March Madness“ sehr passend. Der Weg nach Minneapolis (Final Four) ist gepflastert mit möglichen neuen Enthüllungen rund um die Korruption und Manipulation von Trainern, Betreuern, Managern und Universitäten. Ein Bestechungsskandal folgt dem nächsten, bereits ein weiterer ist aktuell im Anrollen. Die Ermittlungen des FBI (seit einigen Monaten sehr  aktiv) verdeutlichen das Ausmaß dieser Skandale; erste korrupte Involvierte konnten durch Abhörmaßnahmen des Inlandsgeheimdienstes überführt und verurteilt werden, aufgrund von Korruption und Manipulation überführte Trainer gehörten den Universitäten Louisville, Arizona, USC, Oklahoma State, Creighton, TCU, North Carolina State und Kansas an (vgl. Crepeau, 2019). Viele weitere werden in den nächsten Monaten folgen. Zudem gibt es bereits neue Anschuldigungen.

Erfolgreiche Cheftrainer wie Kentuckys Calipari hingegen werden als Helden von der Wildcats-Anhängerschaft verehrt und bei Vergehen wird schnell verziehen bzw. ein anderer lukrativer Job verschafft (z.B. TV-Kommentator). Es dauert sicherlich nicht lang, bis wir den im griechischen Exil lebenden Rick Pitino (aktuell Trainer beim griechischen Verein Panathinaikos B.C. Athen in der Euroleague) wieder an der Seitenlinie eines amerikanischen Powerhouses sehen. Wahnsinn!

High School Sportstars werden in den wirtschaftlich lukrativen Sportarten Basketball und Football („high profile sports“ „revenue generating sports“) mit finanziellen Zahlungen oder materiellen Geschenken bestochen, eine bestimmte Universität zu besuchen. Den Universitäten geht es darum, das sportliche Talent dieser Athleten zu sichern und bestmöglich zu vermarkten. Das Gemeinwohl und eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Athleten ist zweitrangig.

Studentische Spitzensportler sind offiziell Amateure eingestuft, obwohl sie häufig täglich mehr als die von der NCAA vorgegebenen Stunden in ihren Sport investieren und als Leistungssportler angesehen werden können. Das Video von Emmanuel Acho, einem ehemaligen student-athlete der University of Texas und NFL, verdeutlicht die Realität eines studentischen Spitzensportlers.

Das Original – Die Utopie

Die Gegenleistung seitens der Universitäten ist ein Stipendium (Kosten + Logie), das diesen Spitzensportler jedoch häufig nichts nutzt, Weiterlesen „March Madness – Der Wahnsinn rund um die Spieler“

Colin Kaepernick zwischen Kapitalismus und sozialem Aktivismus

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Nike „Just Do It“ Kampagne 2018

Was soll man von dieser Nachricht halten? Colin Kaepernick wird nicht mehr nur hinter verschlossenen Türen von Nike gesponsort, sondern zum 30. Jubiläum der “Just Do It” Kampagne, das offizielle Aushängeschild der Weltmarke. Es handelt sich um einen umfangreichen Vertrag mit einer eigenen Schuhlinie und weiteren Sportartikeln, zudem wird Nike die “Know Your Rights”- Kampagne von Colin Kaepernick in Zukunft offiziell finanziell unterstützen.Mit dem neuen “Star-Vertrag” steigt Kaepernick in die erste Riege der Athleten bei Nike auf. Nike, Hauptausrüster der NFL, wird zum Förderer des derzeit wohl politisch aktivsten Spitzensportler. Kaepernick, durch die NFL und ihre Vereine gezwungener Maße in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, wird somit das neue Aushängeschild des größten Sportausrüsters der Welt, der zugleich Hauptausrüster und Großinvestor der NFL ist. Wie passt das zusammen? Passt das überhaupt zusammen? Weiterlesen „Colin Kaepernick zwischen Kapitalismus und sozialem Aktivismus“

Frohes neues Jahr 2018 – Der Athlet des Jahres 2017 – Colin Kaepernick – „Kaepernick ist einer der Athleten des Jahrhunderts“

Ich wünsche allen Lesern ein frohes neues Jahr 2018. Das Jahr 2017 war ein besonders spannendes Jahr für den nationalen und internationalen Spitzensport. Auch für http://www.derballluegtnicht.com war das Jahr sehr spannend und abermals mit überraschend hohen Klickzahlen verbunden, sodass auch im neuen Jahr weitere Analysen folgen werden. Die oft geklickte Serie „Frust über das System Sportdeutschland“ sollte zum Denken und Diskutieren anregen und wird auch in 2018 weitergeführt. Wichtig ist es, sich mit den Problemen des Spitzensports auseinanderzusetzen und Veränderungen insbesondere im Interesse der Athleten voranzutreiben. Ein Spitzensport, der weiter in fester Hand der Funktionäre bleibt, wird diesen weiter schädigen. Hoffen wir auf Veränderungen. Morgen folgt hier an gleicher Stelle ein neuer Artikel zu den Athletenrechten – diesmal auf Grund des Wunsches einiger Leser – auf Englisch mit hauseigenen Grafiken. Der Titel lautet: „Athletenrechte – Athletes Rights: Indentured Servitude in Global Elite Sports – Rule 40 of the Olympic Charta as a Textbook Example“. Und zu allerletzt vergesst nicht das blog auch auf facebook und twitter zu folgen.

Colin Kaepernick – Athlet des Jahres 2017

„Seit Monaten geht es bei Football-Spielen in der NFL nicht mehr alleine ums Gewinnen oder Verlieren. Wer traut sich in Manier des Vorreiters Colin Kaepernick auf die Knie zu gehen? Sportphilosoph Wolfram Eilenberger und Sportwissenschaftler Benjamin Bendrich (derballluegtnicht.com) diskutieren über den Sport als Plattform des Protests. Wolfram Eilenberger und Ben Bendrich im Gespräch mit Marina Schweizer.

Der Protest im Sport – von Verbandsseite oft unerwünscht – scheint salonfähig wie nie. Sport und Politik vermischen sich – Konflikte brechen auf. Seit der damalige Quarterback der San Francisco 49ers mit seinem Kniefall vor gut einem Jahr ein Zeichen setzen wollte gegen Rassismus und Polizei Gewalt gegen Schwarze, seither haben Hunderte Spieler – auch in anderen Sportarten – nachgezogen. Versuche, das Ganze von außen kleinzureden, Spieler zu diffamieren, ließen die Wogen nur noch höher werden, immer mehr schließen sich an.

„Erst durch Donald Trump ist es dazu gekommen, dass sich so viele Sportler dem Protest angeschlossen haben“, sagte der Sportwissenschaftler Ben Bendrich im Dlf-Sportgespräch. Durch seine Aussagen sei es zu einer Bedeutungsverschiebung der Diskussion gekommen. Trump habe nicht über Diskriminierung gegen Schwarze reden wollen, sondern habe „das Ganze zu einer Debatte über die Hymne, über die Flagge – also eine Diskussion über den Patriotismus“ gemacht. Trump habe das Ziel gehabt, Athleten wie Colin Kaepernick zu diskreditieren und zu isolieren und wolle von innenpolitischen Themen ablenken“ (Deutschlandfunk, 2017).

Den Artikel zum Fall Kaepernick von der ball lügt nicht finden sie hier.

Das ganze Audio-Gespräch können Sie hier nachhören:“Audio „Dlf-Sportgespräch – „Kaepernick ist einer der Athleten des Jahrhunderts““ http://www.ardmediathek.de/goto/radio/47134304 via @ARDde

ard kaepernick

Sportgespräch Hören bis: 30.04.2018 23:30 Direkter Link zur Audiodatei http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2017/10/22/protest_im_sport_und_seine_wirkung_dlf_20171022_2330_16ae1016.mp3

Best of Sportgespräch 2017 des Deutschlandfunks

Athleten Deutschland – Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Athletenkommission und der mündige Athlet als Grundlage eines Leitbildes – Frust über Sportdeutschland Teil 12

Athleten Deutschland

Gestern Abend warnten Alfons Hörmann und Michael Vesper die Spitzensportler abermals vor Alleingängen hinsichtlich ihrer Bestrebungen eine unabhängige Athletenkommission mit dem Namen „Athleten Deutschland“ zu gründen. In dem Schreiben des DOSB-Präsidenten und des Vorstandsvorsitzenden hieß es: „Solange es bei der gemäß den IOC-Vorgaben und der DOSB-Satzung verankerten Aufgabendefinition der Athletenkommission innerhalb des DOSB bleibt, werden wir eine solche Initiative zumindest neutral oder auch gern unterstützend begleiten. Sollte aber eine Konstellation geschaffen werden, die die ausschließliche Wahrnehmung der satzungsmäßigen Aufgaben nicht mehr durch die Athletenkommission sicherstellt und zu deren teilweiser Auslagerung in eine neue Struktur führt, müssten wir uns schon aus formellen (Satzungs-)Gründen dagegen positionieren“. Weiter führen sie aus: „Als Präsidium und Vorstand des DOSB haben wir bekanntlich alle Teile und Gruppen von Sportdeutschland zu vertreten und deren berechtigte Interessen zu berücksichtigen und können deshalb nicht eine einzelne Gruppe einseitig bevorzugen.“

Besonders die finale Aussage, man könne nicht die Interessen einer „einzelnen Gruppe“ einseitig bevorzugen, ist mehr als irritierend und beweist die fehlende Wertschätzung der Athleten und des Organs Athletenkommission seitens des Dachverbandes. „Diese Gruppe“ repräsentiert die Athleten aller Sportarten in Deutschland, ohne diese gäbe es den deutschen Spitzensport und den DOSB – Bereich Leistungssport – nicht.

Die Athleten sollten dieses Schreiben als weitere Bestätigung ihrer Pläne werten und die Worte als Motivation für ihr Anliegen „Athleten Deutschland“ und die Abstimmung am Sonntag ansehen.

Eine neue, transparente spitzensportliche Philosophie mit angemessener Berücksichtigung der Spitzensportler selbst bedarf eines adäquaten Leitbildes mit unabhängigen und einflussreichen Athleten. Hierzu soll Grundlegendes aufgezeigt werden und die aktuell immer noch bestehende Mittel-Zweck-Problematik im Spitzensport erörtert werden.

Weiterlesen „Athleten Deutschland – Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Athletenkommission und der mündige Athlet als Grundlage eines Leitbildes – Frust über Sportdeutschland Teil 12“

re:publica 2017 – Wie digitale Medien das Machtmonopol von Spitzensportverbänden verändern (Teil 1)

Diskussionsrunde mit Marthe-Victoria Lorenz (fairplaid), Jonathan Koch (Athletenkommission), Jonathan Sachse (Correct!v, fussballdoping.de), Benjamin Bendrich (www.derballluegtnicht.com) auf der re:publica 2017

Impulsreferat (Extended Version) zum Thema Spitzensport und digitale Medien

Skandale haben in letzten Monaten den nationalen und internationalen Spitzensport erschüttert. Weitreichende Doping- und Korruptionsskandale in Zusammenhang mit den am wirtschaftlichen Erfolg interessierten Verbänden IOC und FIFA schaden dem Spitzensport insgesamt nachhaltig. Sowohl national und als auch international wird der Spitzensport zu einem intensiv diskutierten politischen Thema. Der Spitzensport hat dabei erheblich an gesellschaftlichem Ansehen und Glaubwürdigkeit verloren und befindet sich zurzeit in seiner wohl größten Sinnkrise. Besonders Athleten, so auch die deutschen, leiden unter den aktuellen Skandalen und dem  Imageverlust. Da ist es kein Wunder, dass Olympiabewerbungen in Deutschland zurzeit gesellschaftlich nicht gewollt und unrealistisch erscheinen. Noch immer instrumentalisieren Funktionäre den Spitzensport für eigene Interessen und nehmen dabei keine Rücksicht auf die Athleten. Spitzensportler sind gezwungen, sich den intransparenten Verbands- und Förderstrukturen zu fügen.

Besonderheiten in Deutschland beeinflussen die Weiterentwicklung des Spitzensports immens. So hat sich der Fußball zu einem platzraubenden Ungeheuer entwickelt, das alle anderen spitzensportlichen und sportpolitischen Themen zeitweise erstickt, und in Deutschland auch von einer Monokultur Fußball gesprochen werden kann. Die Übermacht des Fußballs lässt den restlichen Spitzensport klein erscheinen.

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Athletenrechte, wo sind sie? – Das March Madness – Turnier als Beispiel der Ausbeutung von Sportlern (Der US-Collegesport Teil 1)

Video (Peter Gilbert, Sports Storytelling program/ Wake Forest, director: Manie Robinson)

Der US-Collegesport ist „in“, die Zuschauerzahlen des March Madness im Basketball steigen weltweit und das Interesse innerhalb der USA scheint nicht abzureißen (siehe z.B. New York Times). Millionen von Menschen füllen jährlich die sogenannten „Brackets“ (Ausfüllen des Turnierbaums) aus, beschäftigen sich schlagartig mit Statistiken und Taktiken, wetten legal bzw. illegal auf Spiele ihrer Alma Mater und besuchen regionale Vorentscheide. Dieses Thema dominiert die Medienlandschaft auf allen Kanälen über die nächsten Wochen; die Sportarten Basketball und Football sind die beiden Zugpferde der NCAA und die Haupteinnahmequelle des nationalen Verbandes. Zusammen mit Baseball und Eishockey (an einigen Universitäten) werden diese Sportarten als „high profile sports“ bezeichnet. Eine Differenzierung zu anderen Sportarten ist wichtig, um das System hinsichtlich seiner Vor- und Nachteile zu analysieren.

Alle anderen Sportarten werden zwar genauso professionell betrieben, sind jedoch „low profile sports“, da sie fast nie finanzielle Gewinne abwerfen. Trotzdem werden in beiden Bereichen interessante Stipendien vergeben.

Immer mehr europäische Nachwuchstalente wie der Berliner Moritz Wagner (University of Michigan) erhalten attraktive Stipendien, um ihre dualen Karrieren nach dem Schulabschluss/ Abitur in den USA fortzusetzen. Europäische Spitzensportler profitieren dabei vom US-Collegesystem sowohl im „high profile sports“ als auch „low profile sports“. Diese Athleten haben oft im akademischen und sportlichen Bereich Erfolg, da sie mit guten akademischen Voraussetzungen an die amerikanischen Hochschulen wechseln. Im internationalen Vergleich garantiert das Abitur einen gewissen Standard, was den meisten studentischen Spitzensportlern zu einem guten Studienstart in den USA verhilft und viele der deutschen Athleten auch nach vier bzw. fünf Jahren ihren Hochschulabschluss erhalten (vgl. Bendrich, 2015).

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